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29.10.2015 um 10:00 Uhr

Integrationspreis 2015

"Moses e.V.", "teachers on the road" und "Al Karama" sind Träger des Integrationspreis 2015

Die Stadt Frankfurt verleiht zum 14. Mal den Integrationspreis in Anerkennung und Würdigung des Engagements von Personen und innovativen Projekten, die sich im alltäglichen Leben um die Integration und Gleichberechtigung aller Frankfurter gleich welcher Herkunft, Sprache oder kulturellen Prägung und Lebensweise verdient gemacht haben und für eine gegenseitige Anerkennung der Kulturen eintreten. Der Integrationspreis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird jährlich vergeben.

„Die eigenen Werte ernst zu nehmen, ist nie einfach und es bedeutet oft einen Mehraufwand. Es ist einfach teurer, Männern und Frauen gleiches Gehalt zu zahlen. Die Inklusion behinderter Kinder gibt es auch nicht zum Nulltarif. Der grundgesetzliche Schutz von Ehe und Familie gilt auch für Schutzsuchende. Das zeichnet unsere Gesellschaft aus“. Die Dezernentin weiter: „Viele Aktionspläne, die aktuell aufgelegt werden, laufen unter dem vermeintlichen Stichwort Integration als eigentliches Ziel darauf hinaus: Eigentlich wollen wir gar keine Zuwanderung mehr, Flüchtlinge schon gar nicht.“ Dabei sei unumstritten, dass die Bundesrepublik mehr Einwanderung brauche. Darauf müsse sich die Gesellschaft einstellen. Das Frankfurter Integrationskonzept biete dafür die geeignete Grundlage, auch zur Bewältigung der Flüchtlingssituation.

Die Sorgen aller Einwohner seien gleichermaßen ernst zu nehmen, betonte die Dezernentin. In der Frage ob „wir“ das schaffen, würden Migranten jedoch zunehmend weniger mitgedacht. Eskandari-Grünberg: „Wie müssen sich muslimische Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe eigentlich fühlen, wenn Ihr Engagement nicht gewürdigt wird und wenn jetzt wieder diskutiert wird, ob der Islam zu Europa und Deutschland passe.“ Die Dezernentin weiter: „Auch das Bedrohungsgefühl ganz anderer Menschen ist gewachsen: nämlich der Flüchtlinge in den Unterkünften. Sie hören nicht nur die Nachrichten von Brandanschlägen. Sie verfolgen auch die innenpolitische Debatte viel genauer mit, als viele vermuten. Die Diskussion darüber, ob Afghanistan ein sicheres Herkunftsland sei, löst unglaubliche Ängste aus. In den Frankfurter Erstunterkünften in den Turnhallen gehen jeden Abend Menschen und Familien ins Bett mit der Sorge, ob sie am nächsten Tag ganz woanders hin verlegt werden, ob sie dabei vielleicht getrennt werden. Die Situation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sollte uns besonders zu denken geben. Wer hindert uns denn daran, in Frankfurt eigene Maßstäbe zu setzen?“

Wie groß die Willkommenskultur in der Bevölkerung ist und dass es in Frankfurt Menschen gibt, die mit ihrer Arbeit Maßstäbe setzen, die uns allen zum Vorbild gereichen, wurde bei der Verleihung des diesjährigen Integrationspreises deutlich.

Die Dezernentin zeichnete für den Magistrat die diesjährigen Preisträger – den Verein Moses, das Bildungsprojekt „Teachers on the Road“ und den Verein „Al Karama – Jeder Mensch verdient es geachtet zu werden“ aus. Lobende Erwähnungen in Form von Ehrenurkunden erhielten Yilmaz Karahasan sowie die IGS Nordend für ihre Projektwoche „Flucht“.

Die Pressemitteilung zum Integrationspreis hier als PDF-Download.

„Moses e.V.“
Der Verein Moses fördert seit 2006 zielgerecht die Selbsthilfe im Bereich der gesellschaftlichen und beruflichen Integration für eritreische Migrantinnen und Migranten. Moses begleitet bei Behördengängen, berät bei Beziehungs- und Familienproblemen, sowie bei Alltagsfragen. Besonders mit der Gründung der Non-Profit Organisation „Ubuntu Haus“ wurde vor einem Jahr eine Begegnungsstätte für kreative Jugendliche gegründet, die eine vorbildliche Integration ermöglicht.

„teachers on the road“
Mehr als 150 freiwillige Helfer bieten seit November 2013 kostenlose Sprachkurse für Flüchtlinge an. Sie lernen nicht nur die deutsche Sprache: auch die deutsche Kultur, sowie gesellschaftliche und politische Zusammenhänge werden vermittelt. Aus diesem Angebot hat sich das Netzwerk für konkrete Solidarität entwickelt, das Flüchtlinge aus der Isolation lösen möchte, um sie nachhaltig in die Frankfurter Gesellschaft zu integrieren.

„Al Karama – Jeder Mensch hat es verdient geachtet zu werden“
Das seit 2009 bestehende Eltern-Kind-Zentrum bietet regelmäßig beratende Dienstleistungen, sowie Eltern-Kind-Gruppentreffen an. Dadurch werden die Migrantenfamilien in die Frankfurter Stadtgesellschaft eingebunden. An das Zentrum ist eine arabische Schule angeschlossen. Mit der Familienstätte „der hof“ in Niederursel verbindet Al Karama eine langjährige kommunal übergreifende Kooperation, die einen nachhaltigen kulturellen Austausch über die Stadtgrenzen hinaus bewirkt. Diese Kooperation ist ein gutes Beispiel für das gute Zusammenwirken von Bildungsinitiative, religiöser Gemeindearbeit und Integration.

Lobende Erwähnung und eine Auszeichnung durch eine Ehrenurkunde erhalten Yilmaz Karahasan und die IGS Nordend für ihre Projektwoche Flucht. Yilmaz Karahasan hat als Vertrauensmann der IG-Metall vorbildliche Integrationsarbeit geleistet und führte dieses Engagement als Gewerkschaftssekretär bis zu seiner Verrentung fort. Unter anderem ist es ihm zu verdanken, dass die Anzahl der ausländischen Mitarbeiter deutlich anstieg. Zusätzlich engagierte sich Karahasan in verschiedenen Vereinen. Zuletzt rief er gemeinsam mit seiner Frau das Stadtteilzentrum Sossenheim der Arbeiterwohlfahrt ins Leben. Dieses bauten sie zu einer sozialen und kulturellen Begegnungsstätte aus. Karahasan erhielt im Juni 2012 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Die Interessengemeinschaft IGSüdend hat eine Woche lang auf dem Schulhof der IGS Nordend eine authentische Flüchtlings-Zeltstadt errichtet, die Kinder besichtigen konnten. Begleitend fanden viele Workshops und Veranstaltungen in Kooperation mit verschiedenen bundesweiten Organisationen statt: die Kinder konnten sich über Fluchtsituationen informieren und sich persönlich mit Flüchtlingen austauschen. Die AG IGSüdend hat für ihr Engagement den UNICEF-Juniorbotschafter-Sonderpreis erhalten.

Die Überreichung der Preise und Ehrenurkunden fand im Rahmen einer Feierstunde am 26. November um 18 Uhr im Kaisersaal des Römers durch die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg statt.

Adresse

Römer

Römerberg 27
60311 Frankfurt am Main

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