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25.01.2016 um 16:45 Uhr

„Wir hören zu und stehen bei"

Seelsorge heißt: Zuhören, der Seele Geborgenheit schenken und ein Stück des Weges begleiten

Salam e.V. ist ein gemeinnütziger Verein der sich im Jahre 2013, mit Sitz in Frankfurt am Main, gegründet hat. Salam e.V. macht sich stark für Menschen in Krankheits- und Notsituationen. Mit ehrenamtlich ausgebildeten muslimischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern unterschiedlicher Hintergründe hat der Verein das Ziel, muslimische Bürgerinnen und Bürger in Krisensituationen zu begleiten und ihnen bei Sorgen und Ängsten beizustehen. Als eine von vier Gründungsmitgliederinnen ist die Kassenwartin Songül Yasar seit 2013 bei Salam e.V. dabei.

Frau Yasar, wofür steht Salam e.V.?
In unserer pluralistisch geprägten, multikulturellen Gesellschaft werden Institutionen wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Altenheime oder auch Gefängnisse zu Orten, an denen unterschiedliche religiöse Bedürfnisse und ethische Werte eine besondere Herausforderung für die Seelsorge darstellen. Auch für einen muslimischen Mitmenschen ist eine Krankheit ein relevanter Einschnitt in sein bisheriges Leben, wodurch nicht nur das soziale Gleichgewicht dieses Menschen aus den Fugen geraten kann. Ein kranker Mensch erfährt nicht nur in physischer sondern auch in seelischer Hinsicht Schmerzen. Somit besteht auch die Notwendigkeit einer islamischen Seelsorge. Salam e.V. versteht sich in diesem Zusammenhang als Teil eines ganzheitlichen Genesungsprozesses.

Wie kann man sich die Arbeit von Salam e.V. vorstellen?
Es wurden mit verschiedenen Krankenhäusern Kooperationsverträge geschlossen. In diesen Krankenhäusern bieten wir regelmäßig muslimische Seelsorge an. In der Notfallseelsorge haben wir ein ausgebildetes Team, welches für die Leitstelle Frankfurt zur Verfügung steht. Es gibt für die Notfallseelsorge einen Bereitschaftsplan, in den unsere Ehrenamtlichen sich eintragen. Salam e.V. bildet in Kooperation mit der evangelischen und katholischen Kirche jedes Jahr an einer seelsorgerischen Tätigkeit interessierte Menschen aus und schließt mit den Ehrenamtlichen, bevor sie eingesetzt werden, feste Verträge ab. Die Verträge regeln inhaltlich unter anderem Dinge wie Datenschutz und Schweigepflicht.

Welche Zielgruppen wollen Sie mit ihrer Arbeit ansprechen?
Die muslimische Seelsorge wurde in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt und von Krankheit betroffene Muslime waren ausschließlich auf Verwandtschaft angewiesen, um bei schwerer Krankheit Trost zu finden. Muslime, die keine Verwandten oder Bekannten hatten, mussten in schwierigen Lebensphasen alleine mit ihrem Leid klar kommen. Für einen säkularisierten Muslim mag es in Krisensituationen eher unangenehm sein, auf religiöse Aspekte angesprochen zu werden. Bisweilen könnte bei ihm der Eindruck entstehen, dass missioniert werden soll. Anderen Muslimen mag die Seelsorge von Salam e.V. gar obsolet vorkommen, da sie lieber den Antworten der jeweiligen religiösen Autorität folgen möchten. Muslime, die sich zwischen diesen beiden Polen wiederfinden, sind im Wesentlichen unsere Zielgruppe.

Wie gehen Sie mit schwierigen Situationen um?
Organspende ist beispielsweise ein sehr schwieriges Thema, auf das Seelsorger gut reagieren müssen. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team und machen regelmäßig Supervisionen. In diesen besprechen wir mit den Ehrenamtlichen besonders fordernde und schwierige Fälle. Gerade bei der Arbeit im Krankenhaus stehen wir als Seelsorgeteam oft zwischen den Ärzten und Patienten. Manchmal ist es schwer den Patienten zu vermitteln, dass wir nicht für das Krankenhaus sondern für sie da sind. Gerade das darf man aber in der Seelsorge nie vergessen und deshalb werden besonders solche Rollenkonflikte dann in der Supervision reflektiert. So profitieren und lernen wir gegenseitig von unseren Erfahrungen.

Welche Rolle spielt die Religion in Ihrer Arbeit?
In unserer Gesellschaft besteht der Bedarf nach Seelsorgern, die den Islam nicht nur von außen betrachten, sondern auch selbst innerhalb dieser Religion leben. So erst werden ein ausreichendes Verstehen des Gegenübers sowie genügend Sensibilität möglich. Ein muslimischer Seelsorger sollte zum einen ausreichend Kenntnisse der islamischen Religion besitzen und diese in konkreten Situationen anwenden können. Andererseits ist es aber auch wichtig, die Werte-Basis der Betroffenen innerlich zu verstehen und die Situation aus den Augen des Betroffenen „sehen" zu können.

Wieso braucht es für Seelsorgearbeit einen unabhängigen Verein wie Salam e.V.? Können das nicht auch Moscheegemeinden übernehmen?
Ein unabhängiger Verein ist gerade für eine vielfältige Gesellschaft sehr wichtig. Er ist wichtig für die Menschen, die ihre Religion praktizieren aber nicht an eine Gemeinde gebunden sein möchten. Außerdem ist unsere Unabhängigkeit auch wichtig für die Muslime, die ihre Religion nicht praktizieren.

Auf welche Eigenschaften legen Sie in der Ausbildung von Ehrenamtlichen wert?
Im Auswahlverfahren wird bereits darauf geachtet, was für ein Religionsverständnis die Interessierten mitbringen. Wichtige Faktoren sind Geduld, die eigene Gesundheit, psychische Stabilität und die Fähigkeit, sowohl die eigene als auch und auch die Fremdwahrnehmung angemessen reflektieren zu können. Es darf niemals eine Absicht bestehen, eine Person für die eigenen Überzeugungen zu gewinnen. Unsere Seelsorger werden nach keiner bestimmten Ausprägung des Islam oder einer bestimmten Rechtsschule ausgebildet. Es gibt innerhalb des Islam unterschiedliche Ansichten und wir erwarten von unseren Seelsorgern, diese stets zu respektieren.

 

Adresse


Bahnhofstr. 39
63303 Dreieich

E-Mail: seelsorge@salamev.de
Telefon: 0176 / 694 240 79
Web: salam-ev

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Kontakt

Rabia Bechari

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