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25.03.2015 um 14:15 Uhr

„Wir brauchen Brückenbauer"

Themenforum zu Gesundheitsförderung und kultursensibler Selbsthilfe

Unter dem Motto „Gesundheitsförderung und kultursensible Selbsthilfe" luden das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) und die Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt zu einem Themenforum mit Workshops in den Saalbau Bockenheim.

„Chancengerechtigkeit und Zugang, dies sind wesentliche Aspekte, wenn es um Integrationspolitik geht", betonte Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg in ihrem Eingangsstatement. Ziel der Veranstaltung war es, Migranten-Communities über bestehende Selbsthilfegruppen in Frankfurt am Main zu informieren und Vereine darin zu unterstützen, eigene Selbsthilfegruppen zum Austausch in der jeweiligen Herkunftssprache zu gründen.

Dabei sei es besonders wichtig, dass sich auch bestehende Selbsthilfegruppen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte öffneten, so die zuständige AmkA-Mitarbeiterin im Handlungsfeld Gesundheit, Marguerite Reguigne. Bislang würden Angebote der Vorsorge und Gesundheitsförderung von Zugewanderten viel zu wenig in Anspruch genommen. Gerade Selbsthilfegruppen seien in Migranten-Communities wenig bekannt.

Krankheiten seien unabhängig von Herkunft schmerzhaft, betonte Integrationsdezernentin Eskandari-Grünberg in ihrer Rede. Das Teilen von Leiden und Privatsphäre sei ein schwieriger Schritt, der jedoch durch kleine Gruppen erleichtert werde. Um dies noch mehr Menschen zu ermöglichen sei es besonders wichtig, dass sich Selbsthilfegruppen öffneten. "Wir brauchen Brückenbauer", so Eskandari-Grünberg abschließend.

Maren Kochbeck von der Selbsthilfe Kontaktstelle präsentierte einen in Kooperation mit dem Amka neu entstandenen Flyer. Dieser informiert Bürger in elf Sprachen über Frankfurter Selbsthilfegruppen. Kochbeck wies darüber hinaus auf den 32. Markt der Frankfurter Selbsthilfegruppen am 26.06.2015 im Römer hin, bei dem sich Interessierte Informationen und Unterstützung holen können.

Dr. Uta George vom AmkA referierte zur Notwendigkeit der interkulturellen Öffnung im Gesundheitswesen. Hierzu gehöre auch, dass Ärzte und Pfleger andere Verständnisse von Krankheit und Gesundheit anerkennen. Hilfreich seien mehrsprachige Infoblätter in Arztpraxen, die Verwendung einfacher Sprache sowie eine wertschätzende Kommunikation. Selbsthilfegruppen seien ein wichtiges Bindeglied und übernähmen eine wichtige Funktion, wenn es um Teilhabe und Chancengerechtigkeit gehe.

Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Kulturwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen, sprach über Symptombelastungen von Migrantinnen und Migranten. Zu diesen gehörten etwa Rassismus im Alltag, eine nicht planbare Zukunft aufgrund des Aufenthaltsstatus, Kommunikationsschwierigkeiten, traumatische Erfahrungen und ein mit Migration verbundener Statusverlust. All diese Faktoren wirkten krankheitsfördernd.

Im Anschluss an die Vorträge fanden drei Workshops zu unterschiedlichen Teilaspekten statt, deren Inhalte im weiteren Verlauf der Veranstaltung im Plenum vorgestellt wurden. Es bestand Einigkeit darin, dass es weitere Foren geben sollte, um den Dialog zwischen Migrantenorganisationen und Selbsthilfegruppen zu fördern.

Besonderen Applaus erntete eine Teilnehmerin als sie berichtete: „Die Menschen kommen mit Tränen und sie laufen mit einem Lächeln raus und sind glücklich. Es ist mehr als Geld, wenn man in eine Selbsthilfegruppe kommt."

Adresse

Amt für multikulturelle Angelegenheiten

Lange Straße 25-27
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: amka@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-21241515
Fax: 069-21237946
Web: http://www.amka.de

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