1 Jahr LSBTIQ Koordinierungsstelle im AmkA

© Stadt Frankfurt am Main (Foto: Hartung)

© Stadt Frankfurt am Main (Foto: Hartung)

Ausgrenzung entgegenwirken und Teilhabe fördern, das ist unter anderem der politische Auftrag der Koordinierungsstelle. Etwas über ein Jahr ist es her, dass Elena Barta und Ali Temur im Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) ihren Schreibtisch bezogen haben. Ihr einjähriges Jubiläum im AmkA ist zugleich auch das Jubiläum der 2015 neu geschaffenen LSBTIQ-Koordinierungsstelle der Stadt Frankfurt am Main. Rund ein Jahr nach Schaffung der Stelle blicken Barta und Temur zurück.

Die Koordinierungsstelle trägt dazu bei, das gemeinschaftliche Leben aller in Frankfurt lebenden Menschen zu fördern. „Wir haben im Koalitionsvertrag festgelegt, dass wir die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transgender weiter voran bringen und Diskriminierungen abbauen wollen“, sagt Integrationsdezernentin Sylvia Weber. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* , Inter* und queere Menschen sind nicht in erster Linie nur lesbisch, schwul, bisexuell oder queer sondern interessieren sich für Themen wie Nationalität, Behinderung, Alter, Ankommen in Frankfurt, Gesundheit und gutes Zusammenleben in einer vielfältigen Stadtgesellschaft. Im AmkA, das als Querschnittsamt alle Lebensbereiche von Menschen im Blick hat, werden diese Themen in vielen Projekten und Kooperationen bereits mitgedacht und nun durch Bartas und Temurs Arbeit zusätzlich unterstützt.

Handlungslinien für das vielfältige Miteinander in der Frankfurter Stadtgesellschaft, aus denen sich die Notwendigkeit der LSBTIQ Stelle ergibt, finden sich im Integrations- und Diversitätskonzept für Stadt, Politik und Verwaltung aus dem Jahr 2011. Menschen zusammenbringen, gegenseitige Wertschätzung einfordern, Anlaufstellen schaffen und sozialer Ausgrenzung entgegenwirken, an diesen Vorgaben orientieren sich Barta und Temur. In ihrer Auftaktveranstaltung im Februar „Zwischen Teilhabe und Ausschluss: Lebensläufe und Erfahrungen in Frankfurt“ setzten sie bewusst einen Schwerpunkt auf die Vielfalt der in Frankfurt gelebten Lebensentwürfe. Alter und Transidentität, Rassismus und Homofeindlichkeit, aber auch schwule Emanzipationsgeschichte und queere Familien wurden durch biographische Beiträge thematisiert. Auf dem Christopher Street Day (CSD) im Juli stellte die Koordinierungsstelle ihre Arbeit vor und konnte in den Gesprächen für die Standgäste wichtige Themen erfragen. Ein buntes Glücksrad lockte an den Tisch des AmkA und ermöglicht den Einstieg in Gespräche über Migration, Regenbogenfamilien und die aktuelle Situation der Frankfurter Stadtgesellschaft.

Die Koordinierungsstelle ist vor allem als Schnittstelle zwischen Communitys, der Stadtverwaltung und der Frankfurter Stadtgesellschaft angesiedelt. Eingerichtet wurde die Stelle auch als Reaktion auf die Wünsche der bereits agierenden Gruppen in Frankfurt. Im Magistratsbeschluss aus dem Jahr 2013 ist eine geteilte Stelle vorgeschlagen, um der vorhandenen Vielfalt in der Frankfurter Stadtgesellschaft angemessen zu begegnen. „Eine lesbische Ärztin mit Kindern und ohne deutsche Staatsbürger_innenschaft hat andere Anliegen als ein pensionierter schwuler Mann oder genderqueere Jugendliche in der Schule. Wir verstehen LSBTIQ Themen als Teilbereich von Diversität, denn jeder Mensch hat eine sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität“, erklärt Barta.

Auf ihre öffentlichen Veranstaltungen und in den mehr als 25 direkten Gesprächen mit den Akteur_innen der Szene haben die beiden bisher viele positive Rückmeldungen erhalten. Begrüßt wurde dabei vor allem ihr offensives Zugehen auf die Communitys und ihre konstruktive Vorschläge und Impulse. Viele Gesprächspartner_innen in Frankfurt seien bereit, sich auch für Themen zu öffnen, die in ihrer Arbeit bisher noch keine Rolle spielten. Zum Beispiel die Öffnung von Sportangeboten mit schwul-lesbischem Schwerpunkt auch für Transpersonen und der Blick etablierter Interessenverbände auf Multikulturalität und Zugewanderte.

„Natürlich gab es am Anfang auch Erwartungen an uns oder die Stelle, die zunächst so nicht erfüllt werden konnten“, so Temur. Die Koordinierungsstelle ist primär nicht als Beratungsstelle für Einzelfälle angelegt. Anfragen werden in der Regel an passende Ansprechpartner_innen weiter vermittelt. Dadurch werden mögliche Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Akteur_innen angeregt und unterstützt. Es entstehen neue Kooperationen und kreative Lösungen, um den vielschichtigen Bedarf von Anfragenden noch differenzierter und somit umfassender zu begegnen. Die Weiterentwicklung der Liste therapeutischer Angebote mit LSBTIQ Bezug auf die Merkmale Sprache und Barrierefreiheit ist ein Beispiel.

Ein Hauptanliegen der Koordinierungsstelle ist es auch, Themen kleinerer Communitys in der vielfältigen Stadtgesellschaft sichtbar zu machen und offen über Diskriminierung, Ausgrenzung und Probleme zu sprechen. Nicht nur im Dialog mit der Stadtöffentlichkeit, sondern auch innerhalb der Szenen. Temur merkt hier an: „Nur weil jemand in seinem Leben selbst Diskriminierungserfahrungen gesammelt hat, muss die Person nicht automatisch frei von Vorurteilen sein. Andersbehandlungen finden auch innerhalb von den LSBTIQ-Communitys statt. Toleranz, ein vorurteilsbewusstes Denken und ein Teilhabe förderliches Handeln. Das sind innere Prozesse, die wir begleiten und unterstützen wollen.“

Dieser Text verwendet bewusst eine geschlechtsneutrale und inklusive Sprache. Dabei werden nicht nur die Geschlechter Mann und Frau berücksichtig, sondern auch Personen miteinbezogen, die sich weder als das eine oder andere Geschlecht bezeichnen würden.

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Flyer: Die LSBTIQ-Koordinierungsstelle im AmkA

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