Partizipation und Lebenslage der Bevölkerung

Neues Frankfurter Integrations- und Diversitätsmonitoring erschienen

© pa - picture alliance

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Was im Alltag Tür an Tür oder sogar in der gleichen Wohnung längst zusammengehört, stellt dieses Monitoring noch einmal vergleichend gegeneinander: Die Lebenssituation der sog. Migrantinnen und Migranten steht dabei im Fokus und damit über die Hälfte unserer Bevölkerung.

Wird über Integration gesprochen, ist fast immer von Schwierigkeiten die Rede – und von anderen, die daran schuld seien. Integration ist dann oft ein „soziales“ oder „kulturelles“ Problem – und zwar der jeweils anderen. Es ist dabei häufig die Rede von bildungsfernen Milieus; manchmal werden außerdem fehlende Aspirationen unterstellt und manchmal ein autoritäres patriarchalisches Umfeld, das Emanzipation verhindern möchte und Menschen nicht ihre eigenen Wege finden lässt. Es stimmt, es gibt solche Fälle. Viel weniger Beachtung findet, mit wie viel Kraft und Widerstandsgeist, Fürsorge und Lebensfreude sich Menschen auch in schwierigen Situationen bewegen, gegen Benachteiligungen stemmen und sogar etwas für andere tun. Auch das kann man jeden Tag erleben.

Hinter den Zahlen dieses Integrationsmonitoring stecken Schicksale: Menschen, die gegen ihre Situation angehen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Solche, die es schaffen. Manche, die es immer wieder versuchen. Andere, die dabei sind aufzugeben und wieder andere, denen das nicht aus eigener Kraft gelingt. Es liegt an uns als Gesellschaft, welche Hilfestellungen wir ihnen allen dabei geben. Integration ist nicht in erster Linie als eine volkswirtschafliche Aufgabe wichtig, sondern als ein demokratisches Prinzip.

Integrationsdebatten neigen dazu, der jeweils anderen Seite Schönfärberei oder Ressentiment zu unterstellen. Demgegenüber hat das AmkA die Frankfurter Situation erneut nicht in einem Bericht zusammengefasst, sondern als Datengerüst in einer Weise transparent aufbereitet, die selten ist: Zu jedem Indikator wird nicht nur die Quelle vermerkt, sondern ebenso welche Definitionen und Berechnungen jeweils zugrundeliegen. Für den schnellen Blick ist jeder Indikator in einer Graphik aufbereitet. Weil aber auch Diagramme manches verzerren können, wird zusätzlich immer auch eine Beschreibung gegeben. Bei alledem enthält sich der Text jeder Mutmaßung oder Wertung.

Integration bedeutet daher auch, die Konsequenz daraus zu ziehen, dass unsere Gesellschaft eine andere geworden ist. Frankfurt wächst und verändert sich; unsere Stadt wächst, weil sie sich verändert. Die Mehrzahl der Zuzüge kommt weiterhin aus dem Ausland. Und unsere Kinder sprechen zu 80% mehrere Sprachen. Frankfurt ist inzwischen auch deswegen so facettenreich, weil seine Bevölkerung einen ganz unterschiedlichen Blick auf die Stadt entwickelt hat. Integration heißt also auch: anzuerkennen, dass Dinge komplexer geworden sind. Dieses Monitoring berichtet insbesondere über Aspekte dieser Diversität, mit denen wir uns nicht so einfach zufriedengeben sollten, die wir nicht einfach unter „Vielfalt“ und „Chance“ verbuchen können. Wir legen es in der Absicht vor, in der kommenden Integrationsberichterstattung dann erläutern zu können, dass in der Stadt Frankfurt inzwischen einiges anders läuft.

Sylvia Weber
Dezernentin für Integration und Bildung