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Frankfurter Integrationsstudie 2008

Die Studie ist ein von der Stadt Frankfurt in Auftrag gegebenes unabhängiges wissenschaftliches Gutachten zum Stand der Integration von Migranten in Frankfurt. Sie wurde erstellt vom Europäischen Forum für Migrationsstudien (efms) der Universität Bamberg unter fachlicher Leitung von Prof. Dr. Friedrich Heckmann. Sie basiert auf Forschungen der Jahre 2007/08 und ist die Fortschreibung einer Studie aus dem Jahr 2001.

Methodik
Neben den Ergebnissen ist auch die Herangehensweise der Studie interessant. Im Auftrag der Stadt Frankfurt kombiniert die Untersuchung verschiedene Ansätze: Neben einer Auswertung amtlicher Statistiken stehen eine schriftliche Befragung sowie Interviews zur Situation in sechs ausgewählten Stadtteilen (Bornheim, Gallus, Frankfurter Berg, Eckenheim, Bonames, Preungesheim). Bei der Stadtteiluntersuchung konnten 1.700 Personen (Angehörige der zweiten Migrantengeneration und einer Vergleichsgruppe ohne Migrationsgeschichte) beteiligt werden. Dies kann als repräsentative Befragung bewertet werden. 
In der Auswertung der amtlichen Statistik arbeitet die Studie mit vorhandenen Daten und den ihnen jeweils zugrunde liegenden Definitionen. Dabei stehen unterschiedliche Ansätze nebeneinander. Weite Teile der amtlichen Statistik arbeiten mit dem ungenügenden Kriterium ‚Deutsch/Ausländer’. Ansätze des Mikrozensus sind differenzierter, seine Ergebnisse sind jedoch nicht ohne weiteres auf die städtische Situation zu übertragen. Die Stadt Frankfurt arbeitet daher an Indikatoren für ein Integrationsmonitoring sowie an einer Neufassung ihrer Integrationsberichterstattung. Die Studie liefert hierzu weiteres Material. 

Gliederung und Inhalt 
In der Auswertung amtlicher Statistiken analysiert die Studie Bevölkerungsentwicklung und Wanderungsbewegungen, rechtliche Integration, die Entwicklung binationaler Eheschließungen, die Bereiche Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Sicherung, die politische Mitwirkung von Migranten und die Stadt Frankfurt als Arbeitgeber für Migranten. 
Die Befragung in ausgewählten Stadtteilen berücksichtigt die Bereiche Bildung, Arbeitsmarkt, rechtliche Integration, Sprachkenntnisse, soziale Beziehungen, Ehrenamt und freiwilliges Engagement, persönliche Diskriminierungserfahrungen und Zugehörigkeitsgefühle. 
Die Studie gibt Handlungsempfehlungen und einen umfangreichen statistischen Anhang. Eine Kurzfassung ist erhältlich. 

Ausgewählte Ergebnisse 

Allgemein: In den Jahren 2006/07 war bei 37% der Frankfurter Bevölkerung eine Migrationsgeschichte nachweisbar, in der Altersgruppe der 10 bis 35 Jährigen sogar bei rund der Hälfte. 25% der Einwohner hatten ausschließlich einen ausländischen Pass; 76% der Ausländer hatte einen dauerhaften Aufenthaltsstatus.. Im Vergleich zu 2001 hat der Integrationsprozess in der Stadt Fortschritte gemacht. Die Zunahme der Zahl deutscher Staatsbürger und deutscher Kinder ist auch auf das neue Staatsangehörigkeitsrechts aus dem Jahr 2000 zurückzuführen. Nach wie vor besteht ein dauerhaft starker Bedarf für Integrationspolitik und Integrationsmaßnahmen. Dies bedingen auch die anhaltend hohen Zuzugszahlen aus dem Ausland (2006: 16.000) bei gleichzeitig hohen, aber etwas niedrigeren Abwanderungszahlen. 

Diskriminierung: Über die Hälfte der Befragten mit Migrationshintergrund hat nach eigenem Verständnis schon einmal oder mehrfach aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Religion Benach-teiligung erfahren. Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2001, bei denen erfahrene Benachteiligungen durch städtische Behörden und Polizei an erster Stelle standen, werden solche Situationen 2008 wesentlich seltener berichtet. Schulungen in interkultureller Kompetenz und Sensibilität zeigen Wirkung.

Wohnen: Die Studie bewertet die signifikant höhere innerstädtische Mobilität von Migranten als positiven Ausdruck des Suchens und Findens von besserem Wohnraum: In den Gebieten mit einer höheren Konzentration von Migranten sind sowohl Wegzüge wie Zuzüge von Migranten zu beobachten. Wegzüge können dabei auch als Integrationsprozesse gewertet werden.

Bildung: Integrationsprozesse sind auf Grundlage der Schulstatistik nur schwer festzustellen, da die amtlichen Zahlen weiterhin nur nach ‚Deutscher/Ausländer’ unterscheiden. Damit versteckt die Statistik sowohl Bildungserfolge z.B. von Eingebürgerten wie auch Bildungsprobleme wie etwa von als Deutsche eingereisten Zuwanderern. Ergebnisse der schriftlichen Befragung und Interviews geben Hinweise auf Angleichungstendenzen der schulischen und beruflichen Bildungsprozesse. 

Arbeitsmarkt: Im Vergleich zu 2001 haben bei der Beschäftigungsquote Angleichungsprozesse stattgefunden. Dennoch bleibt die Arbeitslosenquote von Ausländern höher als bei deutschen Staatsangehörigen. Ausländer melden signifikant mehr Gewerbe an als deutsche Staatsangehörige. Neben unternehmerischer Initiative ist auch Arbeitslosigkeit als Ursache anzunehmen. Ausländische Bürger beziehen immer noch wesentlich häufiger Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz IV) und Grundsicherung im Alter.

Identität: Mit der Aufenthaltsdauer steigt das Zugehörigkeitsgefühl der Befragten zu Frankfurt. Die Stadt Frankfurt bleibt ein starker Bezugspunkt des individuellen und kollektiven Zugehörigkeitsgefühls. Mehrfachidentitäten, die sich auch Herkunftsländer der Familie und oder auf Europa beziehen, sind stärker ausgeprägt als eine überwiegende Identifikation mit Deutschland oder ein Selbstverständnis als Deutscher.

Zusammenleben/Deutschkenntnisse: Amtliche Daten zu Deutschkenntnissen existieren nicht. In der Befragung der Studie berichten fast alle von „guten“ Sprachkenntnissen. Beim Sprach-gebrauch zeigen sich dabei deutliche Unterschiede je nach Gesprächspartner: Mit den Eltern spricht man überwiegend die Sprache des Herkunftslandes, mit den Freunden und Partnern Deutsch. Analog dazu sind familiale Strukturen weiterhin stark intraethnisch bestimmt, die weite-ren sozialen Verkehrskreise der Migranten jedoch gerade nicht durch Segregation, sondern interethnisch geprägt. Weite Teile des Frankfurter Alltagslebens sind in den untersuchten Stadtteilen international geprägt.

Beziehungen in einzelnen Stadtteilen: In Bornheim bewertet die Mehrheit der Befragten die Beziehungen als „gut bis sehr gut“. In den Stadtteilen Eckenheim, Bonames, Frankfurter Berg und Gallus bewertet der Großteil der Befragten die Beziehungen als „durchschnittlich“ und sieht mehr ein Neben- als ein Miteinander. In Preungesheim wird das Zusammenleben unterschiedlich beurteilt: Migranten bewerten die Beziehungen viel positiver als Befragte ohne Migrationshintergrund. In den nördlichen Stadtteilen (Bonames, Preungesheim, Eckenheim, Frankfurter Berg) gibt es einzelne soziale Brennpunkte, die das Image des jeweiligen Stadtteils und seiner Bewohner insgesamt belasten.

Empfehlungen:. Die Studie unterstreicht u.a. die Bedeutung von Bildungsprogrammen für Familien, den Wert öffentlicher Begegnungsstätten und Veranstaltungen sowie die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement, städtischer Vereinsförderung, Wohnungspolitik und Informations- und Imagekampagnen. Die Verbesserung der Datenlage in Statistik und Monitoring ist eine wichtige Aufgabe der nächsten Jahre.

Frankfurter Integrationsstudie 2008. Im Auftrag des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main erstellt von Judith Halisch unter Leitung von Prof. Dr. Friedrich Heckmann, Europäisches Forum für Migrationsstudien Institut an der Universität Bamberg (318 S.). Statistischer Anhang (80 Seiten). Kurzfassung (34 S.).

Die Studie sowie den Anhang können Sie in der Kurzfassung und in der Langfassung als pdf-Datei herunterladen.

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