Handlungslinie 21: Mehrsprachigkeit berücksichtigen

Angesichts der Frankfurter Realität wollen wir den unverzichtbaren Deutscherwerb und die faktische Mehrsprachigkeit einer wach senden Zahl von Frankfurter Familien nicht als Gegensatz betrachten oder gar argumentativ gegeneinander ausspielen. Muttersprachen sind kostenlose Bildung. Mit den Sprachen, die Eltern am besten können, vermitteln sie erzieherische Autorität, kulturelle Bildung und intellektuelle Werte. Angemessene Deutschkenntnisse sind ein wesentlicher Schlüssel zu Erfolg und Teilhabe an unserer Gesellschaft. Zum erfolgreichen Deutscherwerb gehört, zu mal wenn das Erlernen der deutschen Sprache spät einsetzt, die Begleitung eines kontinuierlichen Lernprozesses. In Frankfurt gehört dazu aber auch oft die Aufgabe, einen Sprachwechsel behutsam und verständnisvoll so zu gestalten, dass der bisherigen Sprache und der mit ihr verbundenen Identität Anerkennung widerfährt. Mehrsprachigkeit gelingt nicht von al lein, im Schulalter ist zumal der Schrifterwerb eine zusätzliche Belastung. Kinder, die mehrere Muttersprachen nicht richtig erwerben, bedauern dies oft später im Leben als verpasste Chancen, können das Versäumte aber nicht mehr ausgleichen. Bildungsstand und Sprachvermögen, Engagement, finanzielle Möglichkeiten und die verfügbare Zeit von Eltern beeinflussen den Erfolg ebenso wie eine geeignete oder fehlende Unterstützung durch die Umgebung und das Bildungssystem. Unerfahrene Eltern sehen in Mehrsprachigkeit nicht nur einen Schatz, sondern auch eine Belastung in der Sorge, etwas falsch zu machen. Erziehungsberechtigte sind daher in der Förderung mehrsprachiger Kinder früh zu unterstützen. Kindertageseinrichtungen und Schulen sind auf einen kompetenten Umgang mit Mehrsprachigkeit vorzubereiten.