Handlungslinie 58: Religionsgemeinschaften würdigen

Religionsgemeinschaften geben eine grundlegende Orientierung für Denken und Handeln, der viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt eine Sinnstiftung für ihre Weltsicht und ihr gesamtes Leben entnehmen. Neben Lebenshilfe für den einzelnen, – oft in schwierigen und ernsten Lebenssituationen – erfüllen sie auch eine wichtige soziale, stützende Funktion in ihren Gemeinschaften und in ihrem weiteren Umfeld, die wir anerkennen, aber auch einfordern und unterstützen wollen. Anerkannte Religionsgemeinschaften sowie als öffentliche- rechtliche Körperschaften anerkannte Religionsgemeinschaften genießen grundlegende Freiheiten in Ausübung ihres Bekenntnisses, die wir garantieren müssen. Das innere Leben von Religionsgemeinschaften ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Dem Staat obliegt nicht nur strafrechtliche Verfolgung, er kann nicht nur auf Regeln im öffentlichen Bereich bestehen. Auch in der religiösen Kindererziehung oder für die Schulbildung gelten klare gesetzliche Vorgaben. Von religiösen Seelsorgerinnen und Seelsorgern erwarten wir, dass sie ihre Gemeindemitglieder in ihrem Alltagsleben in unserer modernen, heterogenen Gesellschaft, die in der freien Entfaltung der Persönlichkeit ein hohes Gut erkennt, offen begleiten. Es muss einer persönlichen freien Entscheidung entspringen, die eigene Religionsausübung gegenüber eventuellen Nachteilen, z.B. in der Berufsausübung, abzuwägen. Im öffentlichen Miteinander fällt dann aber denjenigen, die aus freier religiöser Überzeugung ein sonst allgemein übliches Verhalten oder Miteinander nicht teilen wollen, eine besondere Aufgabe zu, Missverständnisse zu vermeiden und mit Andersdenkenden respektvoll umzugehen. Wir wollen als Stadt darauf hinwirken, dass die Gemeinden ihr andersgläubiges bzw. säkular geprägtes Umfeld respektieren und von sich aus offen auf ihre Nachbarn zugehen, gerade auch im Fall neu errichteter Sakral- und Versammlungsbauten. Die Stadt Frankfurt wird sich mit allen rechtlichen und politischen Mitteln dafür einsetzen, dass Gruppen aller Art keine weltanschaulichen Trennlinien zu unserer Gesellschaft aufbauen oder gegenüber ihren Mitgliedern betonen, sei es in der Erziehung und Ausbildung, im nachbarschaftlichen Miteinander oder in öffentlichen Verlautbarungen.