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09.09.2016 um 12:15 Uhr

Bahnhofsviertelnacht 2016

Ein Stadtteil öffnet sich

Am 08. September fand bereits zum neunten Mal die von der Stadt Frankfurt am Main initiierte Bahnhofsviertelnacht statt und lud zum Erkunden des pulsierenden Stadtteils ein. Auch in diesem Jahr erwarten die Besucher wieder viele spannende Highlights künstlerischer, kultureller, praktischer und kulinarischer Natur. Unter dem Motto "Ein Stadtteil öffnet sich" gaben rund 46 Initiativen, Vereine, Kultureinrichtungen, Lokalitäten und lokale Gewerbe Einblick in ihre Arbeit und wollten mit den Besuchern in einen Dialog treten. Hier ein kleiner Rückblick in das Programm der diesjährigen Bahnhofsviertelnacht.

Das Bahnhofsviertel. Wohl kein anderer Stadtbezirk in Frankfurt weckt so unterschiedliche Assoziationen wie die Gegend zwischen Hauptbahnhof und Taunusanlage. Eingerahmt von der Mainzer Landstraße im Norden und dem Main im Süden, auf einer Fläche von gerade mal einem halben Quadratkilometer, findet sich die ganze Vielfalt der Stadt. Imbissbuden und Restaurants mit Spezialitäten aus allen Teilen der Welt, internationale Supermärkte reihen sich zwischen Büro- und Wohngebäude an Traditionsgeschäfte, gern besuchte Bars und angesagte Clubs. In einigen Straßenzügen finden sich die Etablissements des ‚Rotlichtviertels‘. Aus dem namensgebenden Hauptbahnhof, neben dem Flughafen das zweite große Tor nach Frankfurt, kommen ständig neue Menschen auf die Straßen des Viertels. Seit einigen Jahren sind auch Geflüchtete darunter. Touristen durchqueren den Stadtteil auf dem Weg zu Römer und Innenstadt, andere eilen zu ihren Büros und Geschäften, vorbei an wohnsitzlosen Menschen und Punkten der Drogenszene. Im zweitkleinsten Stadtteil Frankfurts ist es laut und bunt, für manche zu laut und auch zu dreckig, für viele aber immer spannend und aufregend. Deswegen hat sich die Gegend rund um den Hauptbahnhof in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausgehviertel entwickelt.

Am 08. September fand bereits zum neunten Mal die von der Stadt Frankfurt am Main initiierte Bahnhofsviertelnacht statt und lud zum Erkunden des pulsierenden Stadtteils ein.

Dabei will sich das Ereignis aber nicht als reine Partynacht verstanden wissen. Im Gegenteil. Die Bahnhofsviertelnacht ist eine Plattform, damit die Menschen des Stadtteils, die Initiativen und Künstler, die dort tätig sind, sich und ihre Arbeit sichtbar machen können. Sie will ein Forum sein, und auch den Menschen eine Stimme geben, die sonst eher nicht gehört werden. Manche Initiativen oder Vereine nehmen schon am Programm der Bahnhofsviertelnacht teil, seit es sie gibt, andere waren in diesem Jahr frisch dazu gekommen. Viele Bars und Clubs laden auch direkt zum Feiern ein, gute Laune ist bei der Veranstaltung natürlich nicht verboten. Aber auch abseits von Gastronomie und Partymeile gab es wieder Spannendes zu erleben.

In keinem anderen Stadtteil Frankfurts leben so viele Ausländerinnen und Ausländer wie im Bahnhofsviertel.

Mehr als die Hälfte, nämlich 58 Prozent der dort gemeldeten Bewohner, hat eine andere Staatsangehörigkeit als die deutsche. Besonders häufig sind die Länder Bulgarien, Rumänien und Polen im Melderegister vertreten, 97 verschiedene Nationen wurden in diesem Stadtteil im Jahr 2014 insgesamt registriert. Einen Migrationshintergrund, also entweder eine eigene Zuwanderungsgeschichte oder Vorfahren, die nicht in Deutschland geboren sind, haben sogar rund 65 Prozent – also fast zwei von drei Personen.

Viele Angebote des Stadtteils, auch während der Bahnhofsviertelnacht, haben daher einen multikulturellen Themenschwerpunkt oder sollen den Dialog zwischen allen Bewohnern des Stadtteils fördern. Ein solcher Ort im Programm ist die „Internationale Buchhandlung Südseite in der Kaiserstraße. Vor fast 30 Jahren kam ihr Besitzer, Giuseppe Zambon, selbst als sogenannter Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland. Schnell stellte er fest, dass die hiesigen Bibliotheken und Buchhandlungen nichts für die italienischen Migranten im Programm hatten, und begann fremdsprachige Bücher aus dem Mittelmeerraum zu importieren. Als feste Größe im Bahnhofsviertel verkauft er in seiner Buchhandlung mittlerweile Literatur aus vielen Ländern der Welt.

Um 20 Uhr lud die „Werkstatt Bahnhofsviertelzum multireligiösen Friedensgebet ein. Im gemeinsamen Hof der Weißfrauen Diakoniekirche und des Diakoniezentrums WESER5 sollte so ein Zeichen für ein friedliches und tolerantes Miteinander gesetzt und die Vielfalt der Religionen gefeiert werden. Während die evangelische Kirche in diesem Jahr auf Grund einer anstehenden, aufwändigen Ausstellung geschlossen blieb, öffnete die „Merkez Moschee“ ihren Gebetsraum für alle Interessierten.

Auch kulinarisch kann man im Bahnhofsviertel durch die Welt reisen.

Jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 9 Uhr und 19 Uhr sorgt der Kaisermarkt auf der Kaiserstraße für das leibliche Wohl der Gäste, während der Bahnhofsviertelnacht waren die Stände sogar bis tief in die Nacht geöffnet. Neu dabei in diesem Jahr war das „Simit Café“, das eine typisch Istanbuler Nacht mit Livemusik und Sesamkringel-Workshop versprach. Im „Yumas“ lockten Burritos und das traditionell mexikanische Agavengetränk Mezcals.

Die Bahnhosviertelnacht will aber auch nicht über die Probleme des Stadtviertels hinweg täuschen. Auffällig ist seine besondere soziale Struktur. Die meisten Menschen, die das Viertel tagsüber bevölkern, arbeiten hier, wohnen aber in anderen Stadtteilen. Im Bahnhofsviertel leben vergleichsweise wenige Familien, Kinder und Jugendliche. Überdurchschnittlich viele Einwohner im Viertel sind auf Arbeitslosengeld oder Beihilfe angewiesen. Auffallend hoch ist auch die hohe Wanderungsrate des Stadtteils, also die Anzahl der Menschen, die jedes Jahr ins Bahnhofsviertel ziehen oder es verlassen. Die Stadtteilbevölkerung verändert sich jedes Jahr um rund zwei Drittel (66,6 Prozent) und mit ihm dieser pulsierende Teil der Stadt.

Drogenkonsum und Rotlichtviertel bereiten vielen weiterhin Probleme.

Verschiedene Programmpunkte der Bahnhofsviertelnacht beschäftigten sich damit. Der „Druckraum in der Niddastraße (ein Ort an dem Drogenabhängige unter sauberen und „geschützten“ Bedingungen Drogen konsumieren können) zum Beispiel öffnete in der Bahnhofsviertelnacht im laufenden Betrieb seine Türen. Die Führungen waren schon im Vorfeld ausgebucht, am Abend selber konnten sich die Besucher über Arbeitsaufträge, Arbeitsweisen und rechtliche Aspekte der Einrichtung informieren. Auch die“ Bahnhofsmission bot wieder Führungen an, auf Rundgängen um und durch den Hauptbahnhof erfuhren die Besucher viel Spannendes zur Geschichte und dem Auftrag der fast 80 Mitarbeitenden. Einen Besuch lohnt auch das Stadtteilbüro, in dem sich Interessierte über die sichtbaren und unsichtbaren baulichen Maßnahmen erkundigen können, mit denen die Wohnqualität im Stadtviertel erhöht werden sollen.

Wie schon in den letzten Jahren waren auch wieder die „Bahnhofsviertelbotschafter“ der Stadt in den Straßen unterwegs, sie verteilten Programmhefte und beantworteten Fragen zum Programm. Ein neues Leitsystem erleichterte zusätzlich den persönlichen Rundgang durch das Viertel. Alle Programmstationen waren durch große Fahnen gekennzeichnet, zudem gab es mehr mobile Toiletten und Abgabestationen für Müll und Getränkeflaschen. Damit reagierte die Stadt auf die Entwicklung der letzten Jahre. Als Partner arbeitete das Presse- und Informationsamt in diesem Jahr mit der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main zusammen um den gesamten organisatorischen Aufwand zu stemmen. Für das inhaltliche Programm sorgten aber nach wie vor die Menschen und Initiativen des Quartiers.

 

 

Adresse


Am Hauptbahnhof
60329 Frankfurt am Main

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