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07.08.2015 um 15:15 Uhr

Campus international

Für Frankfurter Hochschulen wird Internationalität und Willkommenskultur immer wichtiger. Dabei wird den unterschiedlichen Bedürfnissen internationaler Studierender und Wissenschaftler durch ein breit gefächertes Beratungs- und Betreuungsangebot begegnet.

„12471 Studierende, 108 Nationen, Vielfalt stärken“ – dieses  Motto schmückt seit Februar 2015 eine der Fassaden der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Botschaft ist eindeutig: Internationalität und Vielfalt werden als Chance gesehen, Studierende oder Wissenschaftler aus dem Ausland gerne willkommen geheißen. Eine Perspektive, die für immer mehr Hochschulen in Frankfurt gilt. So heißt etwa die  Johann Wolfgang Goethe-Universität, als zahlenmäßig größte Universität mit in etwa 47.000 Studierenden, 7.500 internationale Studierende aus aller Welt willkommen. Auch für fachlich spezialisierte Hochschulen, wie die philosophisch-theologische Sankt Georgen Hochschule, spielt Internationalität eine große Rolle. Hier sind es derzeit vor allem junge Katholiken aus Indien und Afrika, die etwa an Priesterseminaren teilnehmen.

Bedürfnisse internationaler Studenten und Wissenschaftler

Ob internationaler Studierender, Gastwissenschaftler oder neuberufener Professor aus dem Ausland – alle Neuankömmlinge sind im ersten Moment mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehören direkt nach der Ankunft zunächst Visumsangelegenheiten sowie das Thema Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Besonders wichtig ist für viele internationale Studierende und Wissenschaftler jedoch direkt nach der Ankunft die Frage nach dem Wohnraum. All diese Probleme werden zusätzlich durch Sprachbarrieren erschwert, wodurch es schwierig wird andere Kommilitonen, Wissenschaftler und Menschen in der Stadt kennenzulernen. Um diese soziale Kontaktaufnahme zu erleichtern sieht Jürgen Schwan, zuständig für die Betreuung ausländischer Studierender an der University of Applied Sciences, auch die Hochschulen in der Verantwortung: „Interkulturelle Integration innerhalb und außerhalb der Hochschule findet statt, wenn grundsätzliche Bedürfnisse befriedigt sind. Erst dann öffnen sich Studierende.“

Beratung und Betreuung an Hochschulen

Auf viele Fragen von Studierenden und internationalen Wissenschaftlern haben sich die Frankfurter Hochschulen bereits eingestellt und bieten ein breites Beratungsangebot, um internationale Studierende und Wissenschaftler willkommen zu heißen. Das Goethe Welcome Centre widmet sich seit Mai 2013 als Teil des International Office konkret der Integration von internationalen Wissenschaftlern in die Universität und Stadt. Für Florian von Bothmer, Leiter dieses Zentrums, geht gelebte Willkommenskultur über den Hochschulbereich hinaus: „Die soziale, kulturelle und sprachliche Integration zu fördern ist ein Kernbestandteil unserer Arbeit. Wir bieten zahlreiche Exkursionen an, damit sich die neu hinzugezogenen Wissenschaftler mit dem Arbeitsort und der Region identifizieren können, wenn sie für ein, zwei Jahre oder für ein ganzes Arbeitsleben hier her gekommen sind.“ Ein Beispiel dafür ist das Goethe Welcome Center Host Programme. Ein Mentor steht dabei jedem neu hinzugezogenen internationalen Wissenschaftler persönlich und ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite.
Erste Einblicke in die deutsche Kultur und Lebensart bietet die Frankfurt University of Applied Sciences internationalen Studenten mit ihrem interkulturellen Workshop: „Living & Studying in Germany“.  Dieser Workshop gibt ausländischen Studierenden die Möglichkeit ihre Erfahrungen in Deutschland zu reflektieren. Ergänzend wird ein Bewerbungstraining angeboten, um einen möglichen Arbeitseinstieg zu erleichtern. Doch auch auf Freizeitgestaltung wird Wert gelegt:  „Unser hochschulübergreifender Kamerun-Cup in Zusammenarbeit mit den Evangelischen Hochschulgemeinden ist unter Fußballfans sehr beliebt und ermöglicht ein Kennenlernen in lockerem Rahmen“, so Jürgen Schwan.

Zukunftsthema Internationalisierung

Wie ausländische Studierende und Wissenschaftler in Zukunft empfangen und sowohl universitär als auch städtisch integriert werden, ist ein großes Zukunftsthema. Denn immer mehr Hochschulen sind international miteinander vernetzt und kooperieren in der Forschung interdisziplinär und grenzüberschreitend mit anderen Hochschulen weltweit. Wie dieser Entwicklung begegnet werden kann, wird in den Hochschulen unter dem Begriff Internationalisierung viel diskutiert. Die Entwicklung einer Internationalisierungsstrategie sei momentan ein Kernanliegen der University of Applied Sciences, so Andrea Janßen, Leiterin des International Office. Dabei spiele die Leitlinie der „third mission“ eine zentrale Rolle. Es gehe darum, dass Hochschulen über Forschung und Lehre hinaus auch eine gesellschaftliche Verantwortung tragen und dabei das Leben in Städten aktiv mitgestalten möchten.
Einen ähnlichen Weg geht die Goethe-Universität Frankfurt, die im vergangenen Jahr ein Internationalisierungskonzept vorgelegt hat, in dem sie sich dem Thema Willkommenskultur intensiv widmet. Für Florian von Bothmer ist der Weg hin zu mehr Internationalisierung nicht zuletzt auch eine strategische Entscheidung für die eigene Hochschule: „Wir sind auf der Suche nach den besten Talenten für Frankfurt“. Daher werde es immer wichtiger über die eigenen Landesgrenzen hinauszublicken. Eine Integrations- und Willkommenskultur zu etablieren sei jedoch nicht allein Aufgabe von Universitäten, sondern auch eine städtische Querschnittsaufgabe.

Herausforderungen für eine Willkommenskultur

Die Bedürfnisse und Probleme ausländischer Neuankömmlinge an Universitäten spiegeln künftige Herausforderungen einer städtischen Willkommenskultur wieder. So sei es nach wie vor der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, der ein Ankommen erschwere, so Florian von Bothmer: „Es ist etwa für einen internationalen Wissenschaftler nicht sehr attraktiv, wenn er mit seiner Familie nach Bad Vilbel oder noch weiter weg ziehen muss, um sich eine Wohnung leisten zu können.“ Auch Kathrin Ackermann, Leiterin des International Office der Frankfurter International School of Management sieht in einigen Bereichen Nachholbedarf: „Eine engere Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen der Stadt Frankfurt, Universitäten und Wohnheimträgern, könnte die Problemlage hinsichtlich des Wohnraums etwas entschärfen.“ Ein weiteres bekanntes Problem seien auch sprachliche Schwierigkeiten in der Stadtverwaltung, so Jürgen Schwan: „Die Förderung von Zweisprachigkeit und eine englischsprachige Belegschaft in den Ausländerbehörden, die mit den Belangen internationaler Studierender vertraut sind, würde eine Willkommenskultur ebenso erleichtern.“

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