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20.11.2018 um 18:00 Uhr

„Du kannst es auch, es lohnt sich!“

Dr. Mariame Racine Sow, bei Integrationspreis-Verleihung 2018 lobend erwähnt, im Interview mit dem AmkA

Durch ihr Engagement trägt Dr. Mariame Racine Sow seit vielen Jahren zur Integration von Menschen aus afrikanischen Ländern bei. Schwerpunktmäßig setzt sie sich für Aufklärung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen ein. Sow zählt zu den Gründerinnen von Forward Germany.

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie und Ihr Projekt?

Die Auszeichnung hat für mich persönlich eine große Bedeutung. Sie ist eine Anerkennung und Belohnung meiner Zeit und Energie, die ich investiert habe. Es hat sich gelohnt, sich zu engagieren und zu kämpfen; das ist für mich eine große Freude. Darüber hinaus ist es auch eine Auszeichnung und ein gutes Signal für die afrikanischen Communities, die lange Zeit das Gefühl hatten, nicht wahrgenommen zu werden – zumindest nicht als potenzielle Entwicklungsakteure. Forward Germany wird dieses Jahr 20, daher ist die lobende Erwähnung durch die Jury ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Wo liegen die alltäglichen praktischen Herausforderungen Ihrer Arbeit?

Unsere Herausforderungen sind vielfältig, etwa wenn wir versuchen, die Zielgruppe zu mobilisieren, Vertrauen in unsere Arbeit aufzubauen, Verständnis zu zeigen und nicht diskriminierend zu sein. Auch die Finanzierung für unsere Arbeit zu sichern gehört dazu. Wir müssen die Räumlichkeiten finden, in denen wir Einzeln- oder Gruppenberatung anbieten können. Eine weitere Schwierigkeit ist es, medizinische Fachleute vor Ort zu finden, die mit dem Thema vertraut sind.


Die Vorstandsmitglieder des Vereins Forward Germany (Foto: Forward Germany)

Gibt es besondere Erfolge Ihres Engagements, auf die Sie gerne zurückblicken?

Ja, allein die Tatsache ist ein Erfolg, dass Female Genital Mutilation (FGM) in Deutschland ein Thema geworden ist. 1998 – als Forward Germany sich gründete – war FGM für viele Vereine kein Thema und die deutsche Öffentlichkeit wurde nur über Bücher oder TV-Reportagen darüber informiert. Dass Betroffene unter uns leben und Beratung, Begleitung sowie medizinische Fürsorge benötigen, war vielen nicht bewusst. Doch die Politik fängt jetzt an, unsere Anforderungen wahrzunehmen. Ein weiterer Erfolg ist die Gründung von INTEGRA – Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung, an dem Forward Germany beteiligt war.

Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht ehrenamtliches Engagement für Frankfurt und für unsere Stadtgesellschaft?

Ehrenamtliche Arbeit ist für die Stadt sehr wichtig. Engagierte Bürgerinnen und Bürger fordern Unterstützung und Solidarität, was wesentlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Vieles würde ohne ehrenamtliches Engagement nicht erreicht. Allerdings hat das Ehrenamt auch sein Limit: ein Thema wie FGM muss von geschultem Fachpersonal behandelt werden. Die Beratung, Begleitung und Schulungen müssen professionell aufbereitet werden. Dies braucht Finanzierung und da liegt oftmals das Problem. Wir bei Forward Germany haben das Glück, dass wir aus einer Gruppe von Pädagoginnen und Pädagogen, Professorinnen und Professoren sowie Betroffenen bestehen, die ihre Fachkenntnis und Kultursensibilität in die Arbeit einfließen lassen.

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft Ihres Projektes?

Wir blicken in eine rosige Zukunft: Uns wurde die Finanzierung für das Projekt „SARABA – Gewaltprävention in den Communities durch Aktivierung und Stärkung der Männer“ durch das WIR-Programm zugesagt. Das Ziel des Projekts ist es, Männer als Multiplikatoren im Kampf gegen Gewalt zu gewinnen. Wir haben bereits zwei Gruppen gebildet.       

Was sagen Sie Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Mit der Arbeit, die ich bei Forward Germany leiste, gebe ich leise leidenden Frauen und Mädchen eine Stimme, die dadurch Gehör finden. Gleichzeitig sende ich ihnen ein Signal, das ihnen zeigt: „Du kannst es auch, es lohnt sich!“ Partizipation und Mitbestimmung sind immer ein Thema in meinen Schulungen. Meine Ansicht ist: statt zu meckern und sich selbst zu bemitleiden, ist es besser, mitzugestalten. Mit dieser Auszeichnung ist es jetzt einfacher, Menschen zu ermutigen sich zu engagieren.

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