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08.11.2016

„Erinnerung, Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit“

Tag der Solidarität mit intergeschlechtlichen Menschen

Am 8. November findet der Internationale Tag der Solidarität mit intergeschlechtlichen Menschen statt, denn intergeschlechtliche Menschen sind nicht selten, nur unsichtbar. Ziel ist es, die Probleme, Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen, die Inter*-Personen erfahren, in den Fokus zu rücken. Gemeinsam mit dem Tag zur Sichtbarkeit von Intergeschlechtlichkeit (Intersex Awareness Day) am 26. Oktober bilden die beiden Tage die „16 Inter*-Tage“.

Der 8. November markiert den Geburtstag der französischen Inter*-Person Herculine Adélaîde Barbin. Barbin wurde 1838 in Saint-Jean d'Angély geboren und zunächst dem weiblichen Geschlecht zugewiesen. Im Zuge ihrer Arbeit in einer katholischen Mädchen-Schule ging sie eine Beziehung mit einer anderen Lehrerin ein. Durch eine medizinische Untersuchung wurde bei ihr schließlich Intergeschlechtlichkeit diagnostiziert. Ihr wurde durch ein Gerichtsurteil ein männlicher Status zugewiesen. Ab dem Zeitpunkt nahm sie den Vornamen Abel und das männliche Pronomen an. Im Alter von 30 Jahren nahm sich Barbin das Leben.

Durch die Veröffentlichung ihrer Memoiren, wurde Barbins Schicksal bekannt. Daran anlehnend versuchen Inter*-Vereine und Einzelpersonen seit Mitte der 1990er Jahre, auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Inter*-Personen sind Menschen, deren genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich männlich noch ausschließlich weiblich sind, sondern gleichzeitig typisch für beide oder nicht eindeutig als eins von beiden definiert sind.
Intergeschlechtlichkeit kann bei der Geburt, während der Kindheit, in der Pubertät oder im Erwachsenenalter sichtbar werden. Sie sind häufig geschlechtsverändernden Eingriffen im Kinder-und Jugendalter ausgesetzt, die ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung verletzt. Diese medizinisch nicht notwendigen Operationen sind häufig unumkehrbar und bedeuten einen Verlust der Empfindungsfähigkeit der Geschlechtsorgane. Zugleich war es lange Zeit Praxis, Inter*-Kindern nichts von ihrer Intergeschlechtlichkeit zu erzählen. Intergeschlechtlichkeit wurde und wird auch noch heute stigmatisiert und tabuisiert.

Die wachsende Anzahl an Inter*-Personen, die dieses Tabu brechen und ihre Erfahrungen öffentlich machen, hat Prozesse in juristischen und medizinischen Fachkreisen angestoßen.

Das Aufwachsen von Inter*-Kindern ohne kosmetische Operationen zeigt, dass eine gute Entwicklung auch ohne Festlegung eines eindeutigen Geschlechts möglich ist. Die Kinder können ihre eigene Geschlechtsidentität entwickeln und sich gegebenenfalls selbst für Hormone oder Operationen entscheiden. Wie alle anderen Menschen können sich Inter*-Personen als zwischengeschlechtlich, nicht-geschlechtlich, weiblich oder männlich empfinden und erleben.

Der Internationale Tag der Solidarität mit intergeschlechtlichen Menschen bietet die Möglichkeit, sich und Andere über Intergeschlechtlichkeit zu informieren, Webseiten von intergeschlechtlichen Interessenverbänden zu besuchen und dabei zu helfen, Intergeschlechtlichkeit sichtbar zu machen.

 

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