News News date:
17.09.2015 um 14:00 Uhr

Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig: "Kein Mensch soll ohne medizinische Versorgung bleiben"

Frankfurt startet Modellprojekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

In den Notunterkünften für Flüchtlinge in Frankfurt ist es bisher nicht zu schwerwiegenden Krankheiten gekommen. Das berichtete Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig am 17. September im Ausschuss für Soziales und Gesundheit. Zugleich dankte sie den Sanitätern der Hilfsorganisationen und des Katastrophenschutzes, die bereits am Hauptbahnhof darauf achten, ob ankommende Flüchtlinge ärztliche Hilfe benötigen.

Heilig zufolge wird auch in den mittlerweile fünf eingerichteten Notunterkünften die medizinische Versorgung durch Rettungsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz und vorübergehend auch durch Ärzte des Gesundheitsamtes gewährleistet. „Das Gesundheitsamt hat einen konsiliarischen Notdienst für direkte medizinische Fragen von Patienten in den Flüchtlingsunterkünften eingerichtet und führt vorübergehend dort auch tägliche Visiten durch“, berichtete die Stadträtin.

Außer der genannten Hilfe in Notfällen und bei akuten Erkrankungen konzentriert das Gesundheitsamt seine Kräfte vor allem auf die große Zahl von Kindern und Jugendlichen, die ohne Begleitung Erwachsener in Frankfurt eintreffen. Sie werden von den Mitarbeitern des Jugend- und Sozialamtes ins Gesundheitsamt vermittelt und dort von der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin untersucht (inklusive Zahnstatus) und geimpft. Aktuell sei ausreichend Impfstoff vorhanden, um den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kompletten Impfschutz zu geben. Die weitere medizinische Versorgung der Kinder und Jugendlichen erfolgt über niedergelassene Ärzte.

Traumata erkennen und behandeln

„Gerade diese Kinder und Jugendlichen, die alleine in Deutschland ankommen, benötigen jedoch eine viel weitergehende psychosoziale Betreuung“, betonte Heilig. Neben individuellen Erkrankungen, Verletzungen oder Behinderungen hätten viele von ihnen politische oder religiöse Verfolgung und Bedrohung im Herkunftsland erlitten. Hinzu kämen traumatische Erlebnisse auf der Flucht und nun auch Anpassungsprobleme an eine völlig neue soziale und kulturelle Umgebung. „Nicht Infektionskrankheiten, sondern die vielen, oft unerkannten Verletzungen der Seele sind die größte Herausforderung für das medizinische und psychosoziale Netzwerk in Frankfurt“ sagte Heilig.

Die Abteilung Psychiatrie des Gesundheitsamtes hat aus diesem Grund ein Vier-Säulen Konzept erarbeitet, das als Modellprojekt im Oktober 2015 starten soll. Es besteht aus Informationsveranstaltungen über psychiatrische Themen für die versorgenden Einrichtungen, Fallgesprächen in den Einrichtungen durch eine externe Fachkraft, zeitnahe Diagnostik und Beratung durch den kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes, Psychoedukation für Betroffene in Kooperation mit der Verhaltenstherapieambulanz der Goethe-Universität.

Heilig zufolge ist die Finanzierung zunächst für ein Jahr gesichert und eine Evaluation geplant. Die Gesundheitsdezernentin hob hervor, dass in Frankfurt kein Mensch durchs medizinische Netz fallen dürfe. So gebe es auch für Flüchtlinge ohne Aufenthaltstitel eine Anlaufstelle. Für diese Gruppe wird eine kostenlose, anonyme medizinische Versorgung in der humanitären Sprechstunde des Gesundheitsamtes angeboten. Die Finanzierung teilen sich Gesundheitsamt und Sozialamt.

Adresse

Dezernat X – Umwelt und Gesundheit

Alte Mainzer Gasse 4
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: gesundheitsdezernat@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-21245310
Fax: 069-21245309
Web: http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2779&_ffmpar[_id_inhalt]=9799443

Artikelinformationen

Stadtteile: 
Sprachangebote: 
Zurück