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17.05.2017 um 18:15 Uhr

IDAHOT 2017: Ansprache und Kranzniederlegung der Dezernentin für Integration und Bildung

Heute fand der Internationale Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit statt.

Auch in Frankfurt haben an diesem wichtigen Datum viele Menschen ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt. Um 16 Uhr versammelten sie sich zu einem Moment des Gedenkens und Feierns am Mahnmal gegen Homosexuellenverfolgung, dem Frankfurter Engel.

Ansprache der Dezernentin für Integration und Bildung 

Wir stehen heute am internationalen Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit gemeinsam am Frankfurter Engel. Der Frankfurter Engel erinnert an Menschen, die während des Nationalsozialismus auf Grund ihrer Sexualität, ihrer Art zu lieben und zu leben verfolgt wurden. Das Mahnmal erinnert aber auch an die Verfolgung und Verachtung von Schwulen und Lesben nach 1945.

 

Erst im März diesen Jahres beschloss das Bundeskabinett die Rehabilitierung der unter dem Paragraf 175 StGB verfolgten Menschen. Das Justizministerium geht davon aus, dass es zwischen 1949 und  1994 in der Bundesrepublik 64.000 Strafverfahren gab, ein Großteil der Fälle bis 1969 als der Paragraf verändert wurde. Der aus dem Jahr 1871 stammende Paragraph wurde während dem Nationalsozialismus massiv verschärft und ist ein Beispiel für die Kontinuität mit der Menschen auf Grund ihrer Sexualität verfolgt wurden. Heute wissen wir welches Unrecht homosexuelle Menschen durch diese Haltung erfahren mussten.

 

Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich das Landesgericht Frankfurt am Main. An diesem Gericht eröffnete der Richter Dr. Kurt Romini im Oktober 1950 eine Reihe von Strafprozessen gegen homosexuelle Männer. Er hatte hierfür rechtswidrig eine eigene Kammer eingerichtet. Zuvor waren gegen  ca. 200 Frankfurter Bürger Ermittlungen geführt worden. Sie basierten maßgeblich auf der Denunziation eines Zeugen, der selbst durch die Staatsanwaltschaft erpresst wurde. Diese Verfolgungswelle erhielt zu Beginn breite Zustimmung durch die Medien und die Bevölkerung. Erst nach internationalen Reaktionen und den ersten Schuldsprüchen änderte sich die öffentliche Meinung. 1952 wurde der Richter versetzt und die Sonderkammer aufgelöst. Die verfolgten Männer blieben aber verurteilt. Sie verloren ihre Existenzen. Manche verließen die Stadt für immer oder nahmen sich das Leben.

 

Der internationale Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit erinnert uns an die Stigmatisierung und Verfolgung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen durch die Medizin und Psychiatrie. Er markiert den Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation 1990 beschloss Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen. Noch heute finden sich in diesem Land Menschen, die denken Homosexualität wäre eine Krankheit und „heilbar“.

 

Wir dürfen so eine Haltung nicht akzeptieren: Homosexualität ist keine Krankheit sondern die Vielfalt sexueller Orientierungen! Frankfurt steht für Vielfalt und Lesben, Schwule und Bisexuelle sind Teil unserer Stadt! Frankfurt ist nur mit und durch Sie alle eine so lebenswerte Stadt!

 

Die Idee, dass Menschen deren Geschlecht oder Sexualität nicht der Norm entsprechend psychisch krank seien wurde 1990 aber nicht abgeschafft.  Tatsächlich ist es so: Wenn Menschen ihren Geschlechtseintrag oder ihren Namen vor Gericht anpassen wollen, werde auch heute noch psychiatrische Gutachten von ihnen verlangt. Dahinter steht die Vorstellung, das Medizin und Psychiatrie besser über Menschen Bescheid wissen, als sie selbst. „Haltung zeigen“ bedeutet in diesem Fall, Menschen in ihrer Geschlechtsidentität ernst zu nehmen. Es muss selbstverständlich werden Menschen mit ihren korrekten Namen anzusprechen und Transidentitäten sichtbar zu machen.

 

Trotz der Verbesserungen und der gesetzlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten ist Homophobie und Transfeindlichkeit nicht aus unserem Alltag verschwunden. Menschen werden auf Grund ihrer Art zu lieben, zu leben, sich zu kleiden oder sich zu verhalten ausgegrenzt, beleidigt und verletzt. Wir alle können diese Stadt offener gestalten – In der S-Bahn, am Markt, im Kino, dem Sportverein, der Schule oder dem Arbeitsplatz. Wir alle können uns aktiv gegen Homophobie und Transfeindlichkeit einsetzen!

 

Der internationale Schwerpunkt des diesjährigen IDAHOT ist „Regenbogenfamilien“. In Frankfurt leben lesbische Großmütter, schwule Paare mit Kinderwunsch, Trans-Kinder und queere Jugendliche in Familien. Und sie sind Familien. Sie streiten und lachen wie alle Familien, obwohl ihre Fürsorge und Verbindung zueinander nicht immer staatlich anerkannt ist. Kindheit, Jugend, Elternschaft und Familie sind Themen die besonders von konservativen Vorstellungen geprägt sind. Wir müssen diese Vorstellungen verändern und alle Familienformen sichtbar machen! Das Amka veranstaltet daher von 17.-23. Mai eine Filmreihe zu Kindheit, Jugend und Familie unter dem Regenbogen.

 

Gemeinsam mit der Kinothek Asta Nielsen, Kita Frankfurt, der Initiative Lesbisch-Schwuler Eltern im LSVD, dem Jugendzentrum KUSS41, der Junglesbengruppe von LIBS e.V., dem Asta der Frankfurt University of Applied Science und dem Lesbisch-Schwulen Kulturhaus werden in der kommenden Woche acht Dokumentationen und Filme gezeigt. Hierzu möchte ich Sie alle sehr herzlich einladen, denn Kinder und Jugendliche sollen in einem Umfeld aufwachsen, dass sie unterstützt und wertschätzt. In Frankfurter Kitas und Schulen, aber auch in der gesamten Stadt sollen Regenbogenfamilien Akzeptanz erfahren.

 

Die unterschiedlichen Blumenfarben des Kranzes symbolisieren die Vielfalt der Menschen in unserer Stadt. Nur gemeinsam und gleichberechtigt ergeben Sie einen so wunderschönen Regenbogen! Ich möchte mich bei Ihnen allen für ihren täglichen Einsatz gegen Ausgrenzung und Diskriminierung bedanken.  Ich wünsche Ihnen einen motivierenden Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit und viel Kraft für ein gleichberechtigtes Miteinander!

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Adresse

Dezernat XI - Integration und Bildung

Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: integrationsdezernat@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-21233112
Fax: 069-21230722
Web: www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de

Kontakt

Sylvia Weber

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