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02.05.2017 um 11:15 Uhr

Neue Broschüre „Sprachförderung im Museum“

Eine Kooperation zwischen ExperiMINTa und AmkA

Kinder experimentieren und lernen dabei spielend Deutsch. Wie das funktionert, dokumentieren AmkA und ExperiMINTa in der neuen Handreichung.

An einem Dienstag im 2. Obergeschoss der ExperiMINTa: Erwachsene stehen im Halbkreis um zwei Schülerinnen herum und lassen sich von ihnen die ausgestellten Experimente vorführen. Eine Schülerin steht auf einem feuchten Gitter, das aussieht, als ob es den Zugang zur Kanalisation verschließt. Sie zeigt den Besuchenden, wie man in dieser Position ein Seil zieht, das von der Decke des mysteriösen Apparats herunter hängt. Die Erwachsenen lauschen konzentriert den Ausführungen der beiden Mädchen. Verkehrte Welt im Museum? Bei der Führung handelt es sich um das Sprachförderprojekt „experimentieren – begreifen – sprechen“, getragen von der ExperiMINTa und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA).

Das Sprachförderprojekt wird von Dr. Marianne Wiedenmann von der Goethe-Universität Frankfurt koordiniert und zusammen mit Studierenden und zugewanderten Jugendlichen aus Intensivklassen in der ExperiMINTa www.experiminta.de durchgeführt. Brigitte Loreth und Marianne Spohner haben im Schuljahr 2015/16 das Projekt begleitet und im Auftrag des AmkA praktische Beispiele in der Lehrerhandreichung „Handlungsorientierte Sprachförderung im Museum“ zusammengestellt. Die Broschüre ist kostenlos als Druck und als download verfügbar.

Spielend Lernen

Ziel des Kooperationsprojekts ist es, Kinder und Jugendliche, die zum Teil erst seit wenigen Jahren Deutsch lernen, den Spaß am Experimentieren und am gegenseitigen Austausch zu vermitteln. Dafür dürfen sie sich eigenständig in Kleingruppen durch das Museum bewegen und frei an den Exponaten experimentieren. Dieser spielende Lernprozess soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler begreifen, wie sich die physikalischen Gesetze auf ihre Umgebung auswirken. Die Freude am eigenen Verstehen, kombiniert mit dem natürlichen Mitteilungsbedürfnis soll dazu führen, dass die Lernenden miteinander sprechen. Dabei werden ganz automatisch auch komplizierte Sachverhalte und fachliche Vorgänge von den Schülerinnen und Schülern erklärt und so der Wortschatz vergrößert. Sprache wird aktiv in das Erleben eingebunden und mit Spaß am Erzählen verknüpft.

Schwieriger Zugang – muss das sein?

Das Projekt dient aber nicht nur der Sprachförderung. Es ist außerdem Teil einer ganzen Reihe von Ansätzen um den Zugang zu Kunst und Kultur niedrigschwellig für alle Menschen zu öffnen. Denn nicht nur Menschen, die Deutsch als Zweit- oder Drittsprache lernen, stehen häufig vor Verständnisproblemen. Komplizierte Texte, lange Ausführungen und kleine Schrift können auch für Menschen mit Sehschwierigkeiten, Menschen mit Behinderung oder fachfremde Personen schwierig zu verstehen sein. Darüber, dass diese Hürden verringert werden müssen, wenn die Öffnung von Kulturangeboten in einer multikulturellen Stadtgesellschaft wie in Frankfurt am Main gelingen soll, sind sich die Museen und die Stadtverwaltung einig. In einer Lernumgebung wie einem Museum sollte immer im Vordergrund stehen, dass jeder Besucher den Inhalten folgen kann und Spaß am Entdecken hat.

© Stadt Frankfurt am Main

Diese Prozesse interkultureller Öffnung und der Abbau von Barrieren aller Art sowie die Öffnung für neue Zielgruppen beschäftigen die Museen in Frankfurt am Main. Dr. Armin von Ungern-Sternberg, Amtsleiter des AmkA, sieht darin eine positive Entwicklung der letzten Jahre. Für ihn ist das Projekt ein viel versprechender Lösungsansatz der zeigt, wie die Verknüpfung von Museumsbesuchen und Sprachförderung gelingen kann: „Unter dem Titel Experimentieren - Sprechen – Begreifen eignen sich Sprachanfänger spielerisch wichtige neue Begriffe und Strukturen der deutschen Sprache an. Hierfür waren die Experimentierstationen des ScienceCenters hervorragend geeignet.“

Erkannte Zugangsbarrieren, wie etwa die schwer verständliche Sprache, werden durch das Übersetzen von Fachtexten zu zehn Exponaten in leichte Sprache und anschließend in neun verschiedene Fremdsprachen abgebaut. Eine weitere Besonderheit, auf welche die Geschäftsführerin der ExperiMINTa, Astrid Jaschek hinweist und welche die beschriebenen Herausforderungen lösen soll: Das Museum gibt keinen Weg durch die Ausstellung vor und fördert somit das selbstbestimmte Lernen.

Leichte Sprache – Schwere Materie

Die Publikation „Handlungsorientierte Sprachförderung im Museum“ dokumentiert die Ansätze und Hintergründe des Projekts und gibt praktische Anleitungen für die Planung und Durchführung eines Museumsbesuchs. Als Modellprojekt wird das Sprachförderprojekt von AmkA und ExperiMINTa ausführlich beschrieben und daraus didaktische Materialien abgeleitet. Für Jaschek ist die Veröffentlichung der Broschüre ein Meilenstein: „Im Bereich des Bildungsprozesses entsteht Erfolg dort, wo der Rahmen klar gesetzt ist. Die ExperiMINTa ist ideal, da verschiedenste Akteure auf Augenhöhe zusammen kommen.“

Die Handreichung wird zukünftig in Museen und Schulen verfügbar sein. Sie können die Veröffentlichung auch in digitaler Form hier erhalten.

Adresse

EXPERIMINTA - ScienceCenter FrankfurtRheinMain

Hamburger Allee 22-24
60486 Frankfurt am Main

E-Mail: info@experiminta.de
Telefon: 069-71379690
Web: http://www.experiminta.de

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