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29.11.2013 um 18:30 Uhr

Roma in Frankfurt

Frankfurt diskutiert über Armutszuwanderung

Die Lebenssituation der Roma in Frankfurt war Thema einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 28.12.2013 im Leopoldsaal des Historischen Museums, zu der Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg eingeladen hatte. Zusammen mit vier Experten und einem vollen Saal von Fachleuten und interessierten Frankfurtern wurden Gründe für die Zuwanderung und Perspektiven für Frankfurt diskutiert.

Trickbetrüger, Matratzenlager, Armutsmeile Zeil – das sind nur einige Begriffe, die in den letzten Monaten immer wieder in den Medien zu hören waren, wenn es um die sogenannte Armutszuwanderung von Roma aus Südosteuropa ging. Die Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstag setzte dieser Debatte einen Kontrapunkt entgegen: „Wir wollen heute auf die Schicksale hinter den Schlagzeilen und die Realität hinter den Klischees schauen“, sagte Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg zu Beginn der Veranstaltung. Die Hintergründe der Probleme seien regional sehr vielfältig und reichten tief in die europäische Vergangenheit zurück. Daraus erwachse eine besondere Verantwortung für die EU, für Deutschland und nicht zuletzt für Frankfurt. „Wir wollten daher heute Konflikte im Zusammenleben von Roma und Nicht-Roma beim Namen nennen und fragen, wie es man diesen Menschen helfen kann“, so Eskandari-Grünberg weiter. Vor allem müsse der Zugang zu sozialen Hilfen und Bildung verbessert werden.

Geladen war unter anderem Norbert Mappes-Niediek, Südosteuropakorrespondent und Buchautor, der unter immer wiederkehrendem Applaus des Publikums über den Zusammenhang zwischen der historischen und aktuellen Situation der Roma in Südosteuropa berichtete. So seien viele Roma in Südosteuropa nach jahrhundertelanger Marginalisierung nach dem zweiten Weltkrieg teilweise integriert worden. Die berufliche Biographie vieler Roma habe jedoch mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ein jähes Ende gefunden. Die meisten von ihnen seien bis heute arbeitslos und suchten vor allem nach dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens im Jahr 2007 ein besseres Leben in Westeuropa, so auch in Frankfurt. Das wichtigste, so Mappes, sei, dass man lerne zu differenzieren. Bei der Einwanderung von Roma handle es sich in erster Linie um ein soziales Problem der Armut und der Ausgrenzung. Eine Reduzierung auf kulturelle oder gar ethnische Aspekte führte vor allem zu unproduktiven Vorurteilen. Ein erster Schritt hin zu einem sinnvollen Umgang sei es, ein soziales Mindestniveau für Roma zu garantieren.

Auf welche Weise konstruktiv mit der Situation umgegangen werden kann, zeigte zunächst Daniel Ibrahimovic, selbst Rom und Leiter der Bildungsstätte des Jugendhilfeträgers Aspe. Nachdem in der Harzer Straße in Berlin-Neukölln etwa 300 Roma unter widrigsten Bedingungen in acht Wohneinheiten gehaust hatten, wurden diese in Kooperation mit einer Wohnungsbaugesellschaft und den Bewohnern renoviert. Durch viele soziale Projekte und Engagement auf beiden Seiten wohnten nun alle Roma in einem gepflegten Umfeld, jedes Kind gehe zur Schule. Eine der größten Herausforderungen, so Ibrahimovic, bestehe paradoxerweise vor allem darin Nicht-Roma in den Prozess miteinzubeziehen und Vorurteile abzubauen. Den Nicht-Roma müsse klar werden, dass es sich bei den Roma nicht um eine andere Spezies, sondern auch um ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen handle. Ein solches Projekt wäre mit viel Geduld und Engagement auch in Frankfurt denkbar.

Dass sich auch Frankfurt engagiert, konnten Joachim Brenner, Geschäftsleiter des Fördervereins Roma und Sabine Ernst, Leiterin der dazugehörigen Kita Schaworalle eindrücklich erläutern. Damit Roma von Bildungsangeboten profitieren können, müsste die besondere Lage von Roma reflektiert werden. So hätten beispielsweise viele Roma historisch immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der Schulbesuch der Kinder zu einer Entfremdung von der eigenen Gesellschaft geführt hätte und Schüler immer wieder Diskriminierung ausgegrenzt worden seien. Daher brauche es differenzierte Angebote, bei denen Roma selbst in den Prozess integriert werden. Für sein Engagement wurde der Förderverein zwei Tage zuvor mit dem Frankfurter Integrationspreis geehrt.

Adresse

Amt für multikulturelle Angelegenheiten

Lange Straße 25-27
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: amka@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-212-41515
Fax: 069-212-37946
Web: http://www.amka.de

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