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12.03.2021 um 14:15 Uhr

Spracherwerb auch in Zeiten der Pandemie fördern

Integrationsdezernentin Weber fördert Austausch der Fachkräfte in Frankfurter Bildungseinrichtungen

Wie lassen sich bildungssprachliche Kompetenzen auch in Zeiten der Pandemie fördern? Welchen Herausforderungen begegnen Kitas und Schulen derzeit und wie können Kinder erreicht werden, die in der Pandemiesituation nicht über sprachliche und andere Ressourcen verfügen, um im Homeschooling gut zurecht zu kommen? Diesen Fragen widmete sich die Online-Veranstaltung „Bildungssprache fördern – in und nach der Pandemie“, mit der der Arbeitskreis Sprachbildung im Dezernat für Integration und Bildung den Fachkräfteaustausch fördern und kreative Wege in der Sprachförderung voranbringen will.

Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber sagte: "In Zeiten des Lockdowns fallen unsere mühsam erarbeiteten Strategien für den Spracherwerb weg. Darauf müssen wir reagieren. Bildungssprachliche Fähigkeiten bilden die wesentliche Grundlage für erfolgreiche Bildungswege. In Frankfurt, wo fast zwei Drittel der Kinder mehrsprachig aufwachsen, können wir uns nicht leisten, diese Kinder zu verlieren.“ Die Zeit der Pandemie müsse als Chance genutzt werden, sagte die Stadträtin. Alternative Konzepte, die Kinder und Eltern besonders aus mehrsprachigen Familien beim Spracherwerb unterstützen, müssten jetzt entwickelt werden. Dabei gebe es in Frankfurt bereits viele gute Ideen, Ansätze und Projekte, die bekannt gemacht, vernetzt und verstetigt werden könnten.

Vorteile der Mehrsprachigkeit nutzen 

Keynote-Sprecherin Prof. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg stellte in ihrem Vortrag die aktuelle KWIK-Studie vor, in der Schulen und Lehrkräfte nach ihren Erfahrungen und Strategien in der Pandemie befragt wurden. Bildungsverlierer sind demnach mehrfach benachteiligte Kinder, die meist aus bildungsfernen Familien in schlechten sozialen Verhältnissen und oft ungeeigneter Lernumgebung kommen. Die dabei häufig vorherrschende Mehrsprachigkeit in der Familie dagegen sei nicht prinzipiell ein Nachteil für einen erfolgreichen Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen, so Gogolin, die für Konzepte der Sprachbildung warb, die die Vorteile der Mehrsprachigkeit nutzen und gleichzeitig Nachteile ausgleichen.

In der Pandemiesituation tritt noch deutlicher als zuvor zutage, dass sprachlernenden Kindern Sprachpartner_innen fehlen, ohne die zu wenige Gelegenheiten zum wichtigen dialogischen Sprachgebrauch bestehen. Im Lockdown kommt daher Eltern eine besondere Rolle zu, die ein Annähern der Kinder an den richtigen Gebrauch der Bildungssprache auch in der Herkunftssprache fördern können. Eine wichtige zusätzliche Unterstützung für die Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen kann etwa ein die Regelangebote flankierendes Tutorensystem darstellen, bei dem ausgebildete Tutorinnen und Tutoren Kinder in möglichst festen Kleingruppen kontinuierlich unterstützen. Ein solches Angebot sei zunächst auch in digitaler Form vorstellbar, sagte Prof. Gogolin, die sich für die Zeit nach der Pandemie für eine feste Etablierung eines Tutorenangebots an den Schulen aussprach.

Nützliche Netzwerke für einen erfolgreichen Spracherwerb

Eine zentrale Rolle für eine funktionierende Strategie erfolgreichen Spracherwerbs spielen funktionierende Netzwerke der Bildungspartner, sowohl im kleinräumigen Austausch in regionalen Bildungslandschaften, als auch auf überregionaler Ebene. Auch hierbei sind Eltern stets mit einzubeziehen, zusätzlich aber etwa auch die zahlreichen Anbieter, die das vielfältige nachmittägliche Angebot der Ganztagsschulen mitgestalten und als Partner auch in der Sprachförderung unterstützen können.

Mit der Situation in Frankfurt und guten Ideen und Ansätzen beschäftigte sich eine Gesprächsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern von Frankfurter Bildungsreinrichtungen. Während die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ihr DeutschSommer-Angebot und das Diesterwegstipendium für Familien im vergangenen Jahr erfolgreich auf digitale Formate umstellen konnten, rollt der Frankfurter Bücherkoffer des Vereins Chancenreich bewusst ganz analog in das Zuhause von Familien aus mittlerweile elf Frankfurter Grundschulen. Sowohl für die Berthold-Otto-Schule als auch die deutsch-türkische Kita dOSTluk stellte die Zeit im ersten Lockdown die größte Herausforderung dar. Mit Handy-Erklärvideos, Zoom-Konferenzen mit Kita-Kindern und Eltern und ähnlichen Maßnahmen konnte es jedoch erfolgreich gelingen, den so wichtigen direkten Kontakt mit Eltern und Kindern aufrecht zu erhalten.

Wünsche für die Zeit nach der Pandemie waren kleine und intensive Lerngruppen, Fortbildungen für Fachkräfte sowohl im Sprachbildungsbereich als auch im Erwerb digitaler Kompetenzen. Einig waren sich alle Beteiligten mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, dass die Pandemie einen anderen Blick auf Bildung und Sprachbildung ermögliche. Neue Konzepte könnten jetzt vorangetrieben werden, bräuchten finanzielle Unterstützung, Koordination und fachlichen Austausch.

Für alle Interessierten wird die Veranstaltung, ebenso wie die vorhergehenden aus der Reihe "Sprache und Sprachbildung", unter http://www.sprachbildung-in-frankfurt.de im Internet eingestellt. Dort finden sich auch zahlreiche weiterführende Informationen über bestehende Angebote, interessante Links und Downloads.

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