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26.09.2013 um 12:30 Uhr

Stadt der Vielfalt. Internationalität und Diversity Management in der Stadt Frankfurt am Main

Beitrag von Dr. Nargess Eskandari-Grünberg im neuen Dossier „Weltoffen = Zukunftsfähig?! Diversity Management und Internationalität“ der Charta der Vielfalt

Frankfurt am Main ist eine Stadt der Vielfalt. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Biografie haben hier das Zusammenleben von jeher kulturell bereichert und Frankfurt zu einer weltoffenen Metropole gemacht.

Mit der Gründung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten, der bundesweit ersten Institution dieser Art, hat Frankfurt eine Vorreiterrolle im Bereich der Integrationspolitik eingenommen. Ein weiterer Meilenstein ist das 2010 von der Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit angenommene Integrations- und Diversitätskonzept. Die Stadt Frankfurt bekennt sich damit zu einer modernen Integrationspolitik, in der es nicht mehr darum geht, Minderheiten in eine vermeintlich homogene Mehrheit zu integrieren, sondern um die Frage, wie wir in einer durch Vielfalt geprägten Gesellschaft die Zukunft gemeinsam gestalten. Rund 50.000 Bürger/-innen haben sich in Online-Foren sowie in zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächsrunden an der Erstellung des Konzepts beteiligt.

Das erstmals im August 2012 vorgelegte „Integrations- und Diversitätsmonitoring“ für Frankfurt wiederum hat die Möglichkeit geschaffen, integrationspolitische Entwicklungen und Ziele zu quantifizieren. Es hat Fortschritte in Bereichen wie Bildung, Arbeit und Einkommen gezeigt, aber auch deutlich gemacht, dass das Ziel der gleichen Teilhabe noch lange nicht erreicht ist.

In Frankfurt schneiden Menschen mit Migrationshintergrund in allen Bereichen schlechter ab als andere. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund haben mit erheblichen Sprachdefiziten zu kämpfen, zu viele von ihnen schaffen den Hauptschulabschluss nicht und zu wenige machen Abitur. In politischen Ämtern sowie in der Verwaltung sind Zuwanderinnen und Zuwanderer unterrepräsentiert und bei Frauen mit Migrationshintergrund ist die Erwerbstätigenquote anhaltend niedrig, um nur einige wichtige Beispiele zu nennen.

Auch in Zukunft müssen wir deshalb jeder Form von Diskriminierung und Ausgrenzung in unserer Stadt aktiv entgegentreten. Wir wollen einen respektvollen Umgang mit Vielfalt sowie Solidarität und Anerkennung fördern und alle Menschen befähigen, an gesellschaftlichen Prozessen aktiv Teil zu haben.

Folgende integrationspolitische Leitgedanken sind dabei für uns maßgeblich:

Mit Vielfalt professionell umgehen

Diversitätsmanagement arbeitet im Spannungsverhältnis, dass alle gleichberechtigt und gerade deswegen einige differenziert zu behandeln sind. Vielfalt darf nicht nur als unerwünschte Komplikation angesehen werden. Wenn sie stattdessen zusätzlichen Nutzen bringen soll, sind Unterschiede zum gemeinsamen Besten fruchtbar zu machen.

Die grundlegenden Ziele von Chancengleichheit und Gleichberechtigung erfordern es, bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben jeweils zu prüfen, wie den unterschiedlichen Bedürfnissen und dem Gemeinwohl einer vielfältigen Bürgerschaft am besten entsprochen werden kann.

Das Ziel ist dabei nicht eine Zunahme besonderer Einzelmaßnahmen, sondern in erster Linie eine strukturelle Öffnung regulärer Angebote. Eine offene Gesellschaft, die auf der Grundlage unserer Rechtsordnung einzelne Bevölkerungsgruppen nicht als anzupassende Minderheiten, sondern als Teilhabende betrachtet und ihnen eine Vielzahl geeigneter Anknüpfungspunkte bietet sowie Möglichkeiten einräumt, fördert am ehesten den sozialen Zusammenhalt und Gemeinsinn.

Ziel von „Diversitätsmanagement“ ist es daher, Unterschiede ernst zu nehmen und produktiv aufzugreifen.

Effizientes Diversitätsmanagement ist dabei weder als Zusatzaspekt zu bisherigen Abläufen zu begreifen noch einfach durch ergänzende Maßnahmen umzusetzen, sondern soll als integraler Bestandteil von Aufgabenbeschreibung und Aufgabenerfüllung an jedem Arbeitsplatz unserer Stadtverwaltung wirksam werden. Dem öffentlichen Dienst kommt in Organisation, Tätigkeit, Personalentwicklung und Kooperationen eine Vorbildrolle zu.

Bürgerkontakt ausweiten

Die überwiegende Zahl öffentlicher Dienstleistungen, so etwa die gesamte alltägliche Daseinsfürsorge, wird von den Kommunen erbracht. Zur Kundenorientierung der öffentlichen Dienste gehört die Kenntnis sowohl der realen sozialen Vielfalt wie auch der Möglichkeiten, mit diesen Unterschieden konstruktiv umzugehen. Wir haben daher nicht nur darauf zu achten, dass diese Angebote wirklich alle Bürger/-innen erreichen, sondern sollten die Bürger/-innen unserer Stadt schon bei der Gestaltung von Maßnahmen beteiligen, damit Produkte, Strukturen und Prozesse so niedrigschwellig wie möglich wahrgenommen werden können. Dazu gehört es auch, Fremdsprachenkenntnisse von Beschäftigten zu fördern und zu nutzen, wenn dadurch Anliegen von Bürger/-innen effizienter behandelt werden können. Dies gilt nicht nur für dringendes Hilfeersuchen in Konfliktfällen oder sozialen Notlagen, sondern auch beim regelmäßigen Kundenkontakt. Die Stadt Frankfurt erweitert daher auf allen Politikfeldern den Kreis der Beteiligten und gewinnt in der Kooperation mit der städtischen Öffentlichkeit neue Partner/-innen. Politik und Verwaltung gehen auf Menschen, die bislang schwer zu erreichen waren, oder auf Gruppen, die unbeteiligt oder gar abgeschottet erscheinen, auf eine ansprechende Weise zu. Politik und Verwaltung werden in Zusammenarbeit mit den Institutionen Maßnahmen und Möglichkeiten anbieten, die zu einer höheren Vertrauensbildung und Identifikation mit unserer Stadt beitragen.

Partner/-innen gewinnen

Es ist ein erklärtes Anliegen der städtischen Politik, die Anstrengungen für ein gleichberechtigtes Miteinander unserer vielfältigen Stadtgesellschaft nicht nur auf den eigenen Verwaltungsbereich zu beschränken, sondern dafür institutionelle und private Partner/-innen zu gewinnen. So haben etwa anlässlich des 1. Deutschen Diversity-Tages am 11. Juni 2013 die Frankfurter Wohlfahrtsverbände die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Damit setzen der DRK Bezirksverband, die Jüdische Gemeinde, der Evangelische Regionalverband und das Diakonische Werk, der Caritasverband, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Arbeiterwohlfahrt ein gemeinsames Zeichen für die Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt. Insgesamt sind bei den unterzeichnenden Wohlfahrtsverbänden weit über 6.000 Menschen beschäftigt.

Kooperationen ausbauen

Die Vielfalt der Bevölkerung ist in Frankfurt über das gesamte Stadtgebiet verteilt. In einzelnen Stadtteilen und Quartieren bestehen dabei je besondere Verhältnisse. Überall unterscheiden sich Menschen nicht nur nach Herkunft oder Sprache, sondern ebenso in ihrem sozialen Status, Berufsleben, Alter, Geschlecht und in ihrer sexuellen Orientierung. Menschen verändern sich mit ihren Überzeugungen und gewählten Lebensformen, und mit ihnen verändern sich unser Zusammenleben und wir selbst.

Gleichbehandlung ist daher nicht einfach durch zentrale, einheitliche Angebote zu gewährleisten, sondern ist auch durch strukturelle Änderungen, aufsuchende Arbeit oder besondere Zugänge zu ermöglichen. Dazu bedarf es ergänzend zur Arbeit des öffentlichen Dienstes der besonderen Arbeitsweise, der Kontakte und auch des Fachwissens von Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern oder Stiftungen sowie der Arbeit von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an vielen Stellen der Gesellschaft, etwa in Eltern-, Mieter-, Eigentümer- und Belegschaftsversammlungen, in Vereinen und Vereinsringen und Gemeinden. Fachleute sowie Bürger/-innen haben die unterschiedlichen Fähigkeiten der anderen zu berücksichtigen, Stärken zu nutzen und Schwächen auszugleichen.

Menschen und Organisationen vernetzen

Unterschiede ernst zu nehmen, heißt auch, unterschiedliche Kompetenzen anzuerkennen und bei allen Formen der Zusammenarbeit, ob in einer Arbeitsgruppe oder im Elternbeirat einer Schule, die Fähigkeiten anderer zu sehen und zu nutzen. Integrationspolitik fördert den Austausch fachlicher Meinungen oder persönlicher Ansichten, den Ausgleich unterschiedlicher Vorstellungen und Interessen.

In einer Zusammenarbeit werden natürlich eher Meinungsunterschiede deutlich als bei einer Trennung von Aufgaben. Im Zusammenleben entstehen eher Konflikte als bei getrennten Lebenswelten. Doppeltes oder isoliertes Arbeiten ist indes nicht erstrebenswert. „Parallelgesellschaften“ in unterschiedlichen Vierteln widersprechen unserer Vorstellung von städtischer Gemeinschaft. Es ist wichtig, andere Sichtweisen und Fähigkeiten kennenzulernen, zu verstehen, zusammenzuführen und zu nutzen, wenn Teilhabe und Integration gelingen sollen.

Handlungspläne und stadtweite Vermittlung des Integrations- und Diversitätskonzeptes

Frankfurt ist eine Stadt der friedlichen Unterschiedlichkeit, wie sie in dieser Form und auf so engem Raum deutschlandweit einzigartig ist. Darauf sind wir stolz. Diese Frankfurter Realität muss Auswirkungen haben auf unsere städtische Politik. In der Umsetzung des Integrationskonzepts, das zu den modernsten Deutschlands gehört, wollen wir das städtische Handeln für alle Bürger/-innen Frankfurts öffnen.

Dazu werden ämterübergreifende Projektgruppen gebildet, die Maßnahmen beschreiben, erforderliche Ressourcen feststellen sowie Vorschläge zur Priorisierung und zu Leitprojekten machen und in einem regelmäßigen Turnus tagen.

Adresse

Dezernat XI - Integration und Bildung

Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: integrationsdezernat@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-21233112
Fax: 069-21230722
Web: www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de

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