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20.11.2017 um 09:00 Uhr

TDOR: Aktiv gegen Transfeindlichkeit

Jährlich wird am 20. November, dem Transgender Day of Remembrance, weltweit der Opfer transfeindlicher Gewalt und Hassverbrechen gedacht. Das Datum erinnert an den Todestag Rita Hesters – eine transsexuelle afroamerikanische Frau, die 1998, am 20. November, erstochen in ihrem Appartement in Allston (Massachusetts) aufgefunden wurde. Schon wenige Tage nach ihrem Tod kam es zu öffentlichen Aktionen von Vereinen und Einzelpersonen, die die Aufmerksamkeit auf Verbrechen und Gewalt gegen Trans*-Menschen richteten. Hesters Geschichte mobilisierte eine ganze Bewegung, die weltweit bis heute aktiv ist.

Transfeindliche Gewalt weltweit  

Der Dachverband Transgender Europe (TGEU) publiziert in einem Monitoring die Zahl der bekannt gewordenen Morde zwischen dem 1. Oktober 2016 und dem 30. September 2017. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Morde um 30, also auf 325, gestiegen. Die meisten Morde wurden in Brasilien (171), Mexiko (56) und den Vereinigten Staaten (25) verzeichnet. Zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 30. September 2017 wurden in 71 Ländern von 2,609 Morden an Trans*-Personen berichtet. Dass diese Fälle der Öffentlichkeit bekannt werden konnten ist vor allem ein Indiz für die Stärke der lokalen Trans*-Communities,  die die Namen und Zahl der Toten sichtbar machen. In den meisten Ländern existieren diesbezüglich keine Daten oder Schätzungen, weshalb diese in der Liste nicht auftauchen. Jährlich werden auf den Gedenkveranstaltungen die Namen derjenigen verlesen, die im vergangenen Jahr durch Transfeindlichkeit ihr Leben verloren. 

Transfeindliche Übergriffe, ob körperlich oder auch verbal, zum Beispiel durch verletzende und demütigende Aussagen, sind keine Seltenheit. Auch auf rechtlicher Ebene werden Trans*-Personen diskriminiert: So zum Beispiel, wenn ein Nachweis von Gutachten zur Änderung des Personenstandes benötigt wird oder individuelle gesundheitliche Bedarfe nicht abgedeckt werden. Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung zeichnen das Leben vieler Trans*-Personen, was die Notwendigkeit von Aktionen, die auf diese Problematik aufmerksam machen, erklärt.

Trans*-Sein durch Kunst stärken

FaulenzA (Musikerin, Trans*-Aktivistin und Buchautorin) bringt ihre Erfahrungen und Gefühle in ihren Texten auf offene und  intime Weise zum Ausdruck. In  ihrem Song „Eher so geht so“ thematisiert sie alltägliche Diskriminierungen, von denen Trans*-Personen betroffen sind:

„So mit Trans, sagt er dann weiter, das verunsichert ihn schon

Er wurd' sogar mal angeflirtet von 'ner Transperson

Da wusst' er ihr Geschlecht nicht, da wär er gleich gefloh'n

Irritation, ich möchte weg aus der Situation

Sonst hätt' er wohl mit Trans und Homos wirklich kein Problem

Ist ja schön, sag ich, doch ich muss mal langsam weitergeh'n.“ 

Schon diese Zeilen bringen die Tragweite und den Charakter transfeindlicher Diskriminierung zum Ausdruck. FaulenzA drückt mit ihren Liedern Wut und Enttäuschung aus und gleichzeitig spricht  sie sich, ihren Zuhörenden und Leser_innen Mut zu, gegen Diskriminierungen zu kämpfen. Sie thematisiert Schönheitsideale, Verzweiflung, Traurigkeit und gleichzeitig zerschlägt sie die Normalität mit ihren Worten, wie in ihrem Lied „Schönheitsideale“ deutlich wird:

„Ich sehe mich als Frau, auch wenn's dein Weltbild nicht erfasst

Vielleicht ist das nur die Schublade, die besser zu mir passt

Nie mehr hör ich auf die Werbung, dann fühl ich mich stärker

Und hasse Schönheitsideale so viel mehr als meinen Körper“ 

FaulenzA arbeitet mit Künstler_innen zusammen, die mit ihrer Musik ähnliche Anliegen verfolgen und Diskriminierung bekämpfen wollen; so zum Beispiel die queer feministische Rapperin Sookee, Msoke aus Zürich, Lady Lazy, Jennifer Gegenläufer, Carmel Zoum, und Riva von Anarchist Academy. Ob durch Musik, Bücher, Workshops oder Gedenktage, wichtig ist, dass das Problem der Transfeindlichkeit erkannt und gesellschaftlich thematisiert wird; dass jede Form der Diskriminierung und Gewalt zum Thema gemacht und dagegen angekämpft wird. 

 

Veranstaltungen und Beratung in Frankfurt 

Das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in Frankfurt bietet am diesjährigen Transgender Day of Remembrance ab 18:00 ein offenes Treffen an, bei dem es darum geht, sich kennenzulernen, auszutauschen und die Opfer transphober Gewalt nicht zu vergessen. Von 17:00 bis 18:00 findet am Brockhausbrunnen auf der Zeil eine Mahnwache statt.

 

Wer sich mehr mit der Thematik auseinandersetzen möchte oder selbst Erfahrungen mit Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder Identität machen muss, kann sich in Frankfurt an verschiedenen Orten, wie dem queeren Jugendzentrum KUSS41, der Selbsthilfegruppe des Trans-Ident e.V. oder der Beratungsstelle Gewaltfreileben, zum Austausch, zur Beratung und zur Information treffen.

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