News News date:
13.11.2014 um 16:45 Uhr

Trauma gestern und heute

ZWST-Fachtagung befasst sich mit der Betreuung von Schoah-Überlebenden.

Wie wirken sich Traumata aus der Jugend im Alter aus? Welche Folgen hat das für die Familien der Betroffenen? Mit diesen Fragen befasste sich eine Fachtagung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Integrationsdezernentin Dr. Eskandari-Grünberg forderte, die Ergebnisse der Tagung auch traumatisierten Flüchtlingen von heute zu Gute kommen zu lassen.

Wenn der sprichwörtlich gepackte Koffer, auf dem viele deutsche Juden jahrzehntelang gesessen haben, für einen Menschen Realität statt Metapher bleibt, wird es für die Angehörigen kompliziert. Davon berichtete Christiane Oriah Faschon in Frankfurt während der Auftaktveranstaltung zur 5. Internationalen Konferenz »Betreuung und Belastung. Herausforderungen bei der psychosozialen Versorgung von Überlebenden der Shoah« der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

Durch Schilderungen der Nachkommen von Überlebenden der Shoah waren die rund 170 Teilnehmer – etwa 30 davon aus dem Ausland, für die simultan ins Russische und ins Englische übersetzt wurde – nach einer theoretischen Einführung zur Geschichte und Definition des Begriffs »Trauma« mitten im Konferenzthema. Dank der plastischen und freimütigen Schilderungen konnte jeder Anwesende nachvollziehen, wie schwierig der Umgang mit Überlebenden sein kann. Denn mittlerweile ist es die zweite und die dritte Generation, die ebenfalls Hilfe, Unterstützung und Zuspruch benötigt.

Man müsse daher den Nachkommen nicht nur eine Möglichkeit bieten, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen, sagt der Ebi Lehrer, Vorsitzender des ZWST, sondern den noch Bleibenden »eine möglichst gute Qualität der Versorgung bieten«. Noch immer würden viele Überlebende erst heute, mehr als 70 Jahre nach dem Schrecken, mit dem Erzählen beginnen. »Sie reden nicht über die Zeit und das Erlebte, schon gar nicht mit einer Deutschen«, berichtet eine Pflegerin des Jüdisches Altersheims in Frankfurt. Wenn dann aber die Demenz einsetze und »sie nicht mehr steuern können, kommen plötzlich die ganzen Geschichten umso vehementer hoch«.

Nargess Eskandari-Grünberg, Integrationsbeauftragte der Stadt Frankfurt, mahnt nicht nur ein »Nachdenken über die Spätfolgen für die Gesellschaft« an, sondern fordert auch, »die Ergebnisse der Tagung zu nutzen, um den Flüchtlingen von heute zu helfen«. Denn diese Menschen hätten zumeist Furchtbares erlebt. »Die erste Erfahrung, die sie in unserem Land machen sollen«, sagt Eskandari-Grünberg, müsse die sein, »dass bei uns die Würde des Menschen unantastbar ist«.

Adresse


Hebelstrasse 6
Frankfurt am Main

E-Mail: zentrale@zwst.org
Telefon: 069 944371-0
Fax: 069 494817
Web: www.zwst.org

Artikelinformationen

Stadtteile: Alle
Zurück