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29.09.2016 um 11:45 Uhr

"Viel mehr als Diktatur und Salsa"

Siebte Lateinamerikanische Woche vom 6. bis 16. Oktober in Frankfurt

Ein vielfältiges Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher der siebten Lateinamerikanischen Woche in diesem Jahr. An zehn Tagen präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik ihre Herkunftsländer, ihre kulturellen Wurzeln sowie neue identitätsstiftende Formen und Entwicklungen des Kontinents. Das Recht auf Chancengleichheit, der Zugang zu Bildung und Gesundheit, Ernährungsfragen und generell das Recht, in Würde zu leben werden auch dieses Jahr wieder thematisiert, außerdem gibt es musikalische Darbietungen, ein spezielles Programm für Kinder und Familien sowie die Möglichkeit, den Kontinent kulinarisch zu erkunden.

Bereits zum siebten Mal findet die Lateinamerikanische Woche in Frankfurt statt. Zum großen Teil auf dem Unicampus Westend, aber auch im Instituto Cervantes und dem Konzertsaal der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Für Iván Barbaric, Sozial- und Ausländerreferent der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) und Koordinator sowie Mitbegründer der Veranstaltung, eine tolle Gelegenheit, diesen vielfältigen Kulturraum nach außen zu präsentieren. An der Goethe Universität Frankfurt kümmert er sich vor allem um die ausländischen Studierenden, hilft ihnen bei Problemen mit der Sprache oder den Behörden, manchmal auch in finanziellen Notlagen. Darüber hinaus geht es dem gebürtigen Chilenen aber auch darum, den Studierenden fernab von ihren Heimatländern das Gefühl zu geben, angekommen zu sein und in Frankfurt ein Zuhause auf Zeit zu haben. Durch Musik und Tanz, aber auch durch inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Kontinent und ihren verschiedenen Herkunftsländern will er den Studierenden ein Forum geben, sich und ihre Kommilitonen kennen zu lernen und besser zu verstehen.

Mit den Lateinamerikanischen Wochen soll dieses Erleben nach außen getragen werden. „ Wir wollen in Frankfurt, dieser internationalen Stadt, keine exklusive Community sein, sondern gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen“, beschreibt Barbaric den Geist der Woche. Geschichte, Entwicklungen, aktuelle Probleme und Lösungsversuche sowie Kultur und Lebensstil Lateinamerikas sollen durch den Austausch untereinander sowie mit Künstlerinnen und Künstlern aus den jeweiligen Ländern erfahrbar gemacht werden. Lange sei Lateinamerika in der Weltöffentlichkeit nur wegen seiner Kriege, Diktatoren und Aufstände präsent gewesen. Dabei gehe es um so viel mehr als Diktatur und Salsa. Natürlich spielten Folklore, Tanz und Musik für das Lebensgefühl der Menschen eine entscheidende Rolle, es präge ihre Identität und ihr Selbstverständnis. Wichtig sei aber auch, den kulturellen und historischen Ursprung dieser Rituale zu erklären, die nicht losgelöst existierten, sondern aus einem politischen und sozialen Kontext erwachsen seien.

Begonnen hat alles im Jahr 2010, als Argentinien Gastland der Frankfurter Buchmesse war. Viele Schriftsteller waren damals in der Stadt, das Interesse hierzulande an dem südamerikanischen Land bereits geweckt. Für Barbaric die optimale Gelegenheit, auch außerhalb der Buchmesse das Thema Lateinamerika in Frankfurt publik zu machen. In nur sechs Wochen und mit der Unterstützung vieler Freiwilliger stemmte er damals die erste Lateinamerikanische Woche, lud Künstler und Interessierte aus der Umgebung ein, organisierte Veranstaltungen und Konzerte. Seitdem stellt die Veranstaltung jedes Jahr ein anderes Land in den Mittelpunkt, Bolivien, Peru, Kolumbien, Chile, Mexiko und Brasilien waren schon darunter. Dass die Wahl des Gastlands in diesem Jahr auf Kuba gefallen ist, ist ebenfalls kein Zufall. In den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit ist der karibische Inselstaat vor allem durch zwei Ereignisse in 2016 getreten: Den Besuch des Papstes und den Staatsbesuch Barack Obamas, der als erster Präsident der USA nach 88 Jahren Funkstille zwischen den beiden Ländern die sozialistische Republik betreten und die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen hat. Der erste Samstag der Festwoche, der 8. Oktober, ist wie in den vergangenen Jahren auch, ganz dem Gastland gewidmet.

Mittlerweile arbeitet Barbaric mit vielen Partnern, Sponsoren und Freiwilligen zusammen, ohne deren häufig unbezahltes Engagement, viele Programmpunkte nicht stattfinden könnten. Auch in diesem Jahr können die Besucherinnen und Besucher wieder zehn Tage lang Diskussionen und Vorträge, musikalische Darbietungen und Filmvorführungen besuchen. Eintritt müssen sie dafür nicht bezahlen, alle Veranstaltungen sind kostenlos und finden in deutscher Sprache oder mit deutscher Übersetzung statt.

Im engeren Sinne gehören zu Lateinamerika alle Länder auf dem amerikanischen Kontinent, in denen Spanisch oder Portugiesisch dominiert, 20 Länder aus Nord-, Zentral- und Südamerika sowie der Karibik sind es insgesamt. Über die Definition des Kulturraums herrscht allerdings keine Einigkeit, andere Möglichkeiten beziehen auch die französisch-sprachigen Länder und Territorien des Kontinents mit ein. Natürlich könne man alle diese Länder mit ihren eigenen Bräuchen, ihrer Folklore und ihrem politischen und historischen Werdegang nicht gleichsetzen, so Barbaric, aber gerade in der Fremde mache es die geteilte Sprache und in gewissem Sinne auch ähnlichen Entwicklungsschritte (von der „Entdeckung“ und Kolonialisierung durch die Europäer über die Unabhängigkeitsbewegungen im 19. Jahrhundert bis hin zu ähnlichen Erfahrungen mit Militärdiktaturen) einfacher, eine gemeinsame kulturelle Herkunft zu definieren. Auch nach ihren geographischen und klimatischen Gegebenheiten unterscheiden sich die Länder mit ihren zusammen genommen rund 500 Millionen Menschen stark. Karibische und pazifische Küstengebieten, die Anden mit Bergen bis knapp 7000m Höhe, Gletscher und tropische Regenwälder sowie Steppen und Megacitys prägen die Mentalität und Kultur der jeweiligen Bewohner.

Das vollständige Programm mit allen Veranstaltungen und Terminen der Lateinamerikanischen Woche können Sie auf der Website oder am Ende dieses Artikels herunterladen.

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