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07.08.2015 um 16:45 Uhr

"Willkommenskultur heißt Menschen stark machen"

Wie steht es um die Willkommenskultur in Frankfurt? Was ist erreicht, was noch zu tun? Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg zu aktuellen Herausforderungen für Stadt und Stadtgesellschaft.

Alle sprechen über "Willkommenskultur". Schon wird Kritik laut, manche finden den Begriff eher nichtssagend. Was meinen Sie?

Unter dem Begriff kann sich jeder etwas vorstellen, das insgesamt passt. Das ist wichtig, denn wir müssen alle, als Stadt und Gesellschaft, aktiv werden und als Stadt an vielen sehr unterschiedlichen Stellen, die wir nicht immer zentral steuern können. Politik- und Sozialwissenschaftler sprechen bei "Willkommenskultur" deswegen von einer "sinnvollen Unschärfe". Ich finde es immer interessant, wenn der Begriff als zu vage kritisiert wird. Oft steckt dann etwas anderes dahinter: dass die Menschen in Wirklichkeit gar nicht willkommen sind.

Oft wird kritisiert, dass mit dem Begriff „Willkommenskultur“ vor allem die privilegierten Zuwanderer in den Blick genommen werden.

Tatsächlich wird Willkommenskultur oft im Zusammenhang mit Demographie und Fachkräftemangel thematisiert. Man kann Zuwanderung ökonomisch betrachten, das ist dann aber gerade nicht Ausdruck einer Willkommenskultur. Wir sind erheblich weiter als vor 50 Jahren, auch als noch vor 10 Jahren. Die Gastarbeiter waren damals eben nicht willkommen, sie wurden in erster Linie als nützlich angesehen. Aber so eine Sichtweise gibt es noch immer. Wir wollen demgegenüber zum Ausdruck bringen, dass die Menschen, die zu uns kommen erwünscht sind. Auch die Flüchtlinge. Die Welle an Hilfsbereitschaft zeigt dies.

Welches sind denn Ihre persönlichen Erfahrungen?

Zweierlei: Ich treffe viele Menschen, die wirklich helfen, die sich engagieren wollen; das gilt ebenso für diejenigen, die hier neu ankommen, auch viele Flüchtlinge wollen hier mit ihrem Können einen Beitrag leisten. Und ich erinnere mich selbst daran, wie es war, als ich 1985 ankam. Ich werde nie vergessen, wie ich auf einer Behörde angeschnauzt wurde: "no English!". Nach Behördengängen sollen sich die Menschen mindestens ernst genommen fühlen. Sie sollen auf eine Haltung treffen: Wir versuchen Ihr Problem zu lösen - und wenn es nicht geht, erklären wir Ihnen mindestens die Gründe. Idealerweise sucht man auch noch nach Alternativen. 

Was kann die Stadt denn konkret machen?

Gesetzliche Regelungen sind politisch zu diskutieren. Das ist das eine. Menschen, die neu nach Frankfurt kommen, müssen sich schnell orientieren können. Sie brauchen Informationen und Kontakte. Hier entwickeln wir gerade neue Angebote. Und wir müssen den Menschen angemessen, offen begegnen. Willkommenskultur ist ein Ausdruck einer Haltung, die wir in unserem Integrations- und Diversitätskonzept als städtisches Politikziel formuliert haben: Vielfalt zuzulassen, zuzulassen, dass sich unsere Stadt von Generation zu Generation und mit ihren Einwohnerinnen und Einwohnern stetig wandelt. Damit haben viele Menschen Schwierigkeiten. Das ist auch keine Frage von Bildung oder sozialer Schicht. Oft sind Ausgrenzungsmechanismen subtiler. Menschen haben sehr feine Antennen für so etwas, insbesondere dann, wenn sie schwächer sind. Dies ist die Situation vieler, die hier neu ankommen. Willkommenskultur heißt Menschen stark machen.

Adresse

Dezernat XI - Integration und Bildung

Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main

E-Mail: integrationsdezernat@stadt-frankfurt.de
Telefon: 069-21233112
Fax: 069-21230722
Web: www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de

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