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24.03.2017 um 09:45 Uhr

Zwischen Main, Wein und sozialem Miteinander

Volksfeste und Events in Frankfurt am Main

Das AmkA sprach mit Kurt Stroscher, dem Geschäftsbereichsleiter für Volksfeste und Veranstaltungen der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt, über die Tradition Frankfurter Volksfeste und ihren besonderen Reiz.

Die Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main (TCF) ist die Vermarktungsgesellschaft der Stadt Frankfurt in den Segmenten Tourismus und Kongresse. Sie ist Veranstalter der städtischen Volksfeste und damit für Planung, Organisation und Durchführung stadtbekannter Feste wie Dippemess, Wäldchestag, Museumsuferfest und Weihnachtsmarkt zuständig. Im Interview mit dem AmkA spricht Kurt Stroscher, Geschäftsbereichsleiter für Volksfeste und Veranstaltungen, über sein Aufgabengebiet, Frankfurts Volksfeste und das internationale Flair der Stadt.

AmkA: Herr Stroscher, haben Sie ein Lieblingsfest?

Stroscher: Ich bin in Frankfurt für verschiedene Feste zuständig. Manche sind aus alten Traditionen erwachsen und damit im Jahreskalender vorgegeben, der Weihnachtsmarkt oder Wäldchestag etwa. Andere Feste, wie zum Beispiel das Apfelweinfestival, habe ich selbst mitkonzipiert. Hinzu kommt, dass wir auch außerhalb von Frankfurt, in Großbritannien, Weihnachtsmärkte veranstalten, vor allem in Birmingham und Leeds. Die mag ich auch sehr gerne.

AmkA: Was ist der Kern von einem gelungen Fest?

Stroscher: Was ein Fest zu einem gelungenen macht, ist eigentlich, wenn die Menschen dieses Freizeitangebot nutzen. Als sozialen Treffpunkt, um mal abzuschalten. Wir wollen, dass die Besucherinnen und Besucher Freude haben können und überhaupt nicht merken und wahrnehmen, dass ein solches Fest richtig viel Arbeit für uns bedeutet.

© Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main: Dippemess im Frühjahr

AmkA: Was macht die Frankfurter Volksfeste besonders?

Stroscher: Natürlich unsere besondere Situation und Stadtstruktur. Räumlich zum Beispiel beim Museumsuferfest, die Kulisse zwischen Fluss und Museumsmeile, gleichzeitig mitten in der Stad. Das ist schon außergewöhnlich und trägt zur Stimmung bei. Aber natürlich auch die ungemein bunte, vielfältige, pulsierende Stadtgesellschaft, in der über 180 Nationen miteinander zusammen leben und die viel internationalen Tourismus hat. Die Besucherstruktur ist sehr faszinierend, auf unseren Festen begegnen sich alle sozialen Schichten. Der Flughafen funktioniert dabei als Drehkreuz, den viele Menschen zum Beispiel auch in der Weihnachtszeit aktiv nutzen zum Bummeln und für ihre Einkäufe.

AmkA: Feiern die Frankfurter gerne?

Stroscher: Also da bin ich fest von überzeugt, sonst könnte es diese Vielzahl von sehr unterschiedlichen Festen in Frankfurt gar nicht geben. Wenn man sich die Besucherzahlen anschaut, finde ich keinen Grund das zu bezweifeln. Manche Feste sind vom Image her so bedeutend für Frankfurt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, es gäbe sie nicht mehr. Oder sie bringen viel Nachfolgegeschäft, wie zum Beispiel der Weihnachtsmarkt. Was der allein an Tagestourismus in die Stadt trägt, ist unglaublich. Auch diese Faktoren muss man eben mitbewerten.

AmkA: Gibt es beim Feiern Moden, die man entdecken kann?

Stroscher: Also es gibt definitiv so etwas wie neuzeitliche Feste. Zum Beispiel Frankfurts Innenstadtfeste, wo man natürlich eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV hat. Der soziale Kernraum der Stadt wird intensiver genutzt, neue kulturelle Veranstaltungen kommen dazu, alte Traditionen in Abwandlungen werden wiederentdeckt. Nehmen Sie zum Beispiel das Apfelweinfestival. Auch das entspringt einer solchen Motivation. Frankfurts Nationalgetränk, wenn man so will, ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen in den Hintergrund geraten. Das fanden wir schade und haben mit dem Apfelweinfestival versucht, das alles ein bisschen neuzeitlich zu formulieren. Da kann man dann zum Beispiel Apfelweincocktails trinken. Natürlich kriegt man aber auch den traditionellen Äppler.

© Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main: Main-Festival

AmkA: Welche Bedeutung haben Feste für den Jahreskalender der Stadt?

Stroscher: Natürlich spielen touristische Gründe und die Repräsentation nach außen eine Rolle. Allein der Weihnachtsmarkt ist ein gutes Beispiel dafür oder das Museumsuferfest, das weit über Frankfurt hinaus bekannt ist und Besucher aus der ganzen Region anzieht. Aber auch das Begegnen im öffentlichen Raum, das zusammen Feiern, sind wichtig für die Identifikation der Frankfurterinnen und Frankfurter mit ihrer Stadt. Feste machen den Wohlfühlfaktor aus, überhaupt bereichern sie das Leben in der Stadt. Und das Schöne ist ja, dass man im öffentlichen Raum zusammenkommt mit Menschen aus allen Schichten. Das passiert ja wirklich, dass dann im Zweifelsfall die Putzfrau mit dem Direktor das Gläschen Wein trinkt, weil keiner weiß, wer der andere ist. Soziale Grenzen können bei Volksfesten mal völlig vernachlässigt und überwunden werden.
Gleiches gilt natürlich auch für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit multikulturellem Hintergrund. Gemeinsam zu feiern ist essentiell für dieses oft ungemein vielfältige Miteinander im Alltag, was wir ja in Frankfurt ohne Frage haben. Das hat natürlich auch eine immens hohe Bedeutung für das Image der Stadt. Wir wollen weg von dem Bild dieser kalten, unnahbaren Banken-City und hin zu mehr Gemütlichkeit und Miteinander.

AmkA: Gibt es Bestrebungen, multikulturelle Feierlichkeiten in den Kalender aufzunehmen?

Stroscher: Wissen Sie, das Problem ist, solche Feiern sollte man meiner Meinung nach nur veranstalten, wenn man auch entsprechendes Know How über den Kulturraum hat. Mir fehlt der manchmal.

Eine Sache muss ich dazu aber noch sagen, das ist mir sehr wichtig: Mögen manche Feste auch mal auf christliche Ursprünge zurückgehen, da ist als erstes Beispiel natürlich der Weihnachtsmarkt zu nennen, ist es trotzdem immer unser Anspruch, niemanden von solchen Feierlichkeiten auszuschließen. Zusammenfassend kann man sagen, die Feste, die die TCF veranstaltet, speisen sich jetzt nicht aus einer religiös motivierten Geisteshaltung, sondern eher aus dem, was die Stadt Frankfurt speziell an Örtlichkeiten und Traditionen zu bieten hat, immer unter dem Aspekt: Wie sprechen wir alle Frankfurterinnen und Frankfurter an, egal ob neu zugezogen oder alteingesessen.

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