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24.11.2016 um 09:00 Uhr

Zwischenbilanz nach 100 Tagen

Stadträtin Sylvia Weber zu Integration und Vielfalt in Frankfurt

Seit der Kommunalwahl im Sommer ist Sylvia Weber Dezernentin für Integration und Bildung. Traditionell zog sie nach 100 Tagen eine Zwischenbilanz über bisher Geleistetes und zukünftig Geplantes und stellte ihr Programm für die kommende Amtszeit vor.

Voraussetzung für gelungene Integration, so die Dezernentin, sei immer ein Wollen von beiden Seiten. Auf der einen Seite müsse die Bereitschaft der Zugewanderten stehen, in wenigstens zwei Kulturen zu leben und heimisch zu werden, auf der anderen müssten: „Institutionen des öffentlichen Lebens, Verwaltung, Kultureinrichtungen und Vereine bereit sein, für ein erfolgreiches Zusammenleben in der Gesellschaft einzustehen und Chancen und Möglichkeiten für alle Frankfurterinnen und Frankfurter einzuräumen.“

Einen Schwerpunkt legt Weber darum auf die Umsetzung des 2011 beschlossenen Integrations- und Diversitätskonzepts der Stadt. Konkrete Ziele wie zum Beispiel die Umsetzung des 10-Punkte Plans, der die interkulturelle Öffnung der Verwaltung beinhaltet oder die Einführung eines jährlichen „Dialogtags“ am 23. Mai, dem Tag des Inkrafttretens des deutschen Grundgesetz, stehen dabei neben der einheitlichen Erfassung und Auswertung städtischer Berichte und Analyse auf der Agenda.

Um die Benachteiligung von Migrantinnen und Migranten zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt abzubauen, will die Stadträtin die beiden Bereiche Bildung und Integration noch stärker als bisher vernetzen. Weitere Themenfelder sind neben Bildung auch Chancengleichheit, Antidiskriminierung, Vernetzung mit den Communities, Dialog der Religionen und der Informationsaustausch in der Stadtgesellschaft. Die Stärkung von interkulturellen Kompetenzen für Führungskräfte und die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, Deutschkurse für Geflüchtete, Kindergarten und Vorschulprogramme sind Bausteine ihrer Arbeit. Weber ist es dabei auch wichtig, den Anteil der beschäftigten Migranten in der Stadtverwaltung auf lange Sicht zu erhöhen und mit weiteren Maßnahmen wie Schulungen und Fortbildungen in direkter Zusammenarbeit mit Personaldezernent Stefan Majer für kontinuierliche Verbesserungen des kulturellen Verständnisses bei den Angestellten zu sorgen.

Diskussionen, vor allem solchen, die das Zusammenleben der Stadtgesellschaft beträfen, will Weber nicht aus dem Weg gehen, aber dafür sorgen, dass sie richtig geführt würden. Die Debatte über vollverschleierte Frauen etwa trifft in ihren Augen nicht den eigentlichen Kern der Thematik, stattdessen will sie sich für Frauenrechte und Emanzipation stark machen. Themenkonferenzen und der Dialog mit allen Communities sollen dabei helfen, dass die Anliegen aller Frankfurterinnen und Frankfurter sichtbar werden. Dazu gehören auch LSBTIQ* Themen, die in 2017 einen wichtigen Teil von Webers Integrationspolitik ausmachen. „Eine große Errungenschaft der Stadt Frankfurt“, sagt die Stadträtin, „ist die Tatsache, dass hier beinahe jeder Lebensentwurf gelebt werden kann, solange er mit den geltenden Gesetzen in Einklang steht.“

Statt gelungene Integration an den wenigen in Frankfurt lebenden Extremisten festzumachen, kündigte Weber an, einen Schwerpunkt auf den Austausch mit all denen zu legen, die es nicht seien. „Religion“, so die Dezernentin, „ist  schließlich nur ein Merkmal eines Menschen oder einer Kultur, eine Reduzierung ausschließlich darauf empfinde ich als problematisch.“ Stattdessen will sie die Gemeinsamkeiten der hier lebenden Menschen stärker in den Fokus rücken und den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft stärken. Dies soll sich auch in öffentlichen Veranstaltungen im Rathaus widerspiegeln. Exemplarisch für alle in Frankfurt ansässigen Religionen soll ab nächstem Jahr in den Römerhallen jeweils ein hoher Feiertag im Jahr begangen werden. Welcher das sein soll, kann von den Glaubensgemeinschaften selbst bestimmt werden.

Weiterhin stark beschäftigen wird Weber das Thema "Geflüchtete Menschen in Frankfurt", das sie in enger Kooperation mit der Stabstelle Flüchtlingsmanagement und Stadträtin Daniela Birkenfeld begleitet. Hier sei es wichtig, so Weber, nach der Erstversorgung der vergangenen Monate nun einen Zugang zu Kultur-, Bildungs- und Arbeitsangeboten zu schaffen, um den Menschen das Ankommen zu erleichtern. Neben dem bereits sehr umfassenden Netz an Sprachförderung und Bildungsmaßnahmen heißt es für die Integrationsdezernentin jetzt auch, kleinere, speziellere Zielgruppen in den Blick zu nehmen. Kommunikation funktioniere eben nicht alleine über die gesprochene Sprache, sondern umfasse auch Kultur- und Sportangebote. Und wer sich als Person angenommen und wertgeschätzt fühle, dem gelinge es auch schneller, eine Heimat in Frankfurt zu finden und sich nicht von extremen Angeboten vereinnahmen zu lassen.

Um all diese Projekte zu realisieren will Sylvia Weber Geld und Ressourcen investieren. So wird das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) personell verstärkt und neue Aufgaben dazu bekommen. Verschiedene Programme wie Mama spricht Deutsch, Sprachentdecker, DeutschSommer in Kooperation mit der Stiftung Polytechnik, Projekt Ankommen und Veranstaltungen wie der Anne-Frank-Tag am 12. Juni 2017 werden gefördert und ausgebaut.

Die Kommunikation mit allen Gruppen in Frankfurt ist für die Dezernentin ein wichtiges Element um die genannten Ziele zu realisieren. Sie steht in engem Kontakt mit den einzelnen Communities und setzt auf die Zusammenarbeit mit vielen Partnern in Frankfurt. Dabei gelte das Gleiche wie beim Thema Integration: Um gute Gespräche zu führen, müsste von beiden Seiten Offenheit und Interesse signalisiert und ein gelungener Austausch angestrebt werden. Aber auch zu schwieriger zugänglichen Gesprächspartnern will Weber den Kontakt auch in Zukunft nicht abreißen lassen.

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