Gedenken bei Feierstunde 25 Jahre Frankfurter Engel

Stadträtinnen erinnern an Einweihung des Mahnmals
Integrationsdezernentin Sylvia Weber bei ihrer Gedenkrede vor dem Frankfurter Engel (© Stadt Frankfurt am Main, Stefanie Kösling)

Integrationsdezernentin Sylvia Weber bei ihrer Gedenkrede vor dem Frankfurter Engel (© Stadt Frankfurt am Main, Stefanie Kösling)

Integrationsdezernentin Sylvia Weber und Kulturdezernentin Ina Hartwig haben in einer Feierstunde am Samstag, 14. Dezember 2019, an die Einweihung des "Mahnmals Homosexuellenverfolgung" vor 25 Jahren erinnert.

"Der Frankfurter Engel hat die letzten 25 Jahre an Menschen erinnert, die im Nationalsozialismus auf Grund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität verfolgt wurden. Gleichzeitig ist er – und das ist mir besonders wichtig – durch seinen zentralen Ort in der Innenstadt, wenige Gehminuten vom Switchboard, dem LIBS, sowie dem KUSS41, immer auch eine community-interne Erinnerung", sagte Weber. "Eine Erinnerung, die dazu auffordert, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen und sich dazu ins Verhältnis zu setzen. Ich danke den vielen engagierten Einzelpersonen und Projekten, die wie die Initiativgruppe in den 80er und 90er Jahren vieles in Bewegung gesetzt haben, um den Frankfurter Engel entstehen zu lassen."

Homophobie im Hier und Jetzt entgegentreten

Stadträtin Hartwig betonte: "Die Diskriminierung queeren Lebens fand im Nationalsozialismus einen besonders barbarischen Ausdruck. Doch war sie weder zeitlich noch örtlich darauf beschränkt. Der Frankfurter Engel verkörpert nicht nur mahnendes Gedenken, sondern auch den unbedingten Appell, jeder Form von Homophobie und Menschenhass im Hier und Jetzt entgegenzutreten."

Das „"Mahnmal Homosexuellenverfolgung" – auch bekannt als Frankfurter Engel – wurde der Öffentlichkeit am 11. Dezember 1994 nach einer Feierstunde in der Paulskirche übergeben. Die Skulptur der Künstlerin Rosemarie Trockel war das erste Denkmal in Deutschland, das ausschließlich der Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus gewidmet ist.

Bruchstelle erinnert an Verfolgung durch NS-Regime

Das Vorbild des Kunstwerks auf dem Klaus-Mann-Platz ist eine neobarocke Skulptur, die ursprünglich als neugotische Giebelfigur das Westportal des Kölner Doms schmückte. Vom Original existiert nur noch ein beschädigtes Gipsmodell mit gebrochenen Flügeln, das Rosemarie Trockel als Ausgangspunkt für ihren Frankfurter Engel nahm.

Sie enthauptete die Figur und brachte den Kopf leicht versetzt wieder auf den Hals, so dass die Bruchstelle sichtbar blieb. Mit dieser erst auf den zweiten Blick sichtbaren, aber fundamentalen Verletzung erinnert die androgyne Figur an die irreparable Narbe der Verfolgung homosexueller Menschen durch das NS-Regime.