Integrationsdezernentin verleiht Frankfurter Integrationspreis 2020

Erstmals Anti-Rassismus-Preis vergeben
Das Team der Huayin Chinesische Sprachenschule bei der Verleihung des Integrationspreises mit Stadträtin Sylvia Weber (4.v.li.).

Mit der diesjährigen Integrationspreisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römers hat die Stadt Frankfurt gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. In diesem Jahr gab es erstmals keine so genannten lobenden Erwähnungen mehr, sondern nur noch mit Geld dotierte Integrationspreise und einen neuen Anti-Rassismus-Preis. 

Integrationsdezernentin Sylvia Weber sagte: "Wir hatten in diesem Jahr so viele Einsendungen mit Vorschlägen wie nie zuvor. Das zeigt: Die Zivilgesellschaft lebt und sie wird gebraucht. Das Engagement der Vereine und Initiativen ist aktuell so wichtig wie nie. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit zusammenhält."

Das enorme Engagement sei ein wichtiger Grund dafür, dass es von nun an keine so genannten lobenden Erwähnungen mehr gebe, sondern nur noch mit einem Preisgeld versehene Integrationspreise, erklärt Weber. "Wer mit dem Integrationspreis ausgezeichnet wird, soll auch ein Preisgeld erhalten und nicht nur Dankesworte."

"Diskriminierung sichtbar machen und abbauen"

Ein weiteres Novum ist der Anti-Rassismus-Preis, der in diesem Jahr erstmalig vergeben wird. Der Preis ist eine Maßnahme des Aktionsplans gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Weber erklärt: "Natürlich machen alle unsere Integrationspreisträger auch Anti-Rassismus-Arbeit. Aber das Thema Rassismus verlangt es, noch einmal besonders berücksichtigt und hervorgehoben zu werden. Integration ist ein zweiseitiger Prozess. Menschen müssen aufeinander zugehen, sich kennenlernen und erfahren, was dem anderen wichtig ist. Rassismus zu bekämpfen ist jedoch ein einseitiger Prozess. Es kann keinen Kompromiss zwischen Rassismus und Nicht-Rassismus geben. Projekte, die dem Ziel dienen, rassistische Diskriminierung und weiße Machtstrukturen gezielt sichtbar zu machen und abzubauen, bekommen von diesem Jahr an den Anti-Rassismus-Preis der Stadt Frankfurt."

"Setzen sich für ihre Stadt und ihr Viertel ein"

Die diesjährigen Preisträger sind die Bildungsstätte Anne Frank, die Huayin Chinesische Sprachenschule Frankfurt am Main, der Verein Infrau und die Junge Akademie Frankfurt. Die Initiative "Frankfurt Postkolonial" wurde erstmalig im Rahmen des Preises für Antirassismus-Arbeit gewürdigt. Sie erhalten alle jeweils ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.

Integrationsdezernentin Weber sagt: "Die Preisträgerinnen und Preisträger setzen sich für ihre Stadt und ihr Viertel ein, sie sind Brückenbauer für Menschen und die Zivilgesellschaft. Dieses Jahr war es besonders schwierig, füreinander da zu sein und Engagement möglich zu machen. Aber die Projekte und Initiativen zeigen, dass auch das möglich ist! Sie haben auch 2020 unermüdlich Einsatz gezeigt, für Bildungs- und Aufklärungsarbeit, für ihre Nachbarschaft, für mehr Solidarität in der Stadtgesellschaft. Dafür möchte ich ein großes Dankeschön aussprechen! Sie halten unsere Gesellschaft auch in schweren Zeiten zusammen."

Weil die Ehrung aufgrund der Kontaktbeschränkungen diesmal nicht mit einem Festakt, sondern in einem kleinen, feierlichen Rahmen stattfand, wurde die Verleihung aufgezeichnet. Alle Videos sind hier abrufbar.

Die Ausgezeichneten und ihre Engagements

Die unabhängige Bildungsstätte Anne Frank engagiert sich für die aktive Teilhabe Jugendlicher und Erwachsener. Als Bildungsinstitution setzt sie sich seit Jahren gegen Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus ein. Sie fördert Jugendliche und junge Erwachsene, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Die Huayin Chinesische Sprachenschule Frankfurt am Main setzt sich mit Sprachbildung und kulturellem Austausch für eine multikulturelle Gesellschaft ein. Die Schule bietet seit über 20 Jahren ein vielfältiges Kursangebot, um so die chinesische Sprache und Kultur in Frankfurt am Main zu stärken.

Das Interkulturelle Beratungs- und Bildungszentrum für Frauen, Mädchen und Seniorinnen Infrau bietet eine Anlauf- und Informationsstelle sowie Freizeitangebote für Frauen und Mädchen. Integration und Teilhabe von Frauen und Mädchen sind seit jeher die übergreifenden Ziele des Vereins.

Mit einem einjährigen Stipendienprogramm bietet die Junge Akademie Frankfurt alljährlich 30 Menschen Raum für Austausch zu verschiedenen Themen aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Sie setzt sich für ein besseres Zusammenleben ein und baut Brücken in einer offenen, demokratischen Gesellschaft.

Mit dem erstmalig verliehenen Preis für Antirassismus-Arbeit wurde die Initiative Frankfurt Postkolonial und ihre kritische Auseinandersetzung mit den lokalen Frankfurter Spuren der deutschen Kolonialgeschichte geehrt. Bei Stadtrundgängen thematisiert die Initiative den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit.

Vorschlag für den Integrationspreis 2021 einreichen

Vorschläge nimmt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) entgegen. Eine kurze, aussagekräftige Begründung sollte darin enthalten sein.

Vorschläge können per E-Mail an integrationspreis.amka@stadt-frankfurt.de eingereicht werden oder per Post an: 

Stadt Frankfurt am Main
Amt für multikulturelle Angelegenheiten
Mainzer Landstraße 293
60326 Frankfurt am Main