Integrationsdezernentin Weber besucht Berufsbildungsprojekt

Integration durch Bildung: Treffen mit Absolvent_innen eines Projekts des Förderverein Roma
Im stadtRAUMfrankfurt (v.l.n.r.): Patrizia Siwak, Andra-Larisa Aurar, Silke Huropp und Sylvia Weber. (© Rainer Rüffler)

Diskriminierung beenden, Menschen helfen und dafür neue Wege gehen, dies betonte Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber bei einem Treffen mit Absolventinnen und Absolventen eines Berufsbildungsprojekts des Förderverein Roma. Alle haben den Hauptschulabschluss und stehen vor dem nächsten Schritt im Leben.

Das 2003 initiierte Projekt begleitet bis zu 18 Jugendliche mit einer großen Bandbreite an Lebens- und Bildungssituationen. Einige Teilnehmende sind erst seit Kurzem in Deutschland, andere hatten Schwierigkeiten im deutschen Schulsystem, einige hatten zu Beginn kaum schulische Vorkenntnisse.

"Die Offenheit und das Engagement der Projektbeteiligten imponieren mir", sagt Weber. "Sie zeigen, wie sehr erfolgreiche Integration davon abhängt, sich auf individuelle Situationen einzulassen und abseits gewohnter Routinen Neues zu versuchen. Es zeigt auch, wie sehr Bildung eine soziale Frage ist."

"Phantastische Ergebnisse erzielt"

Die Teilnehmenden und ihre Familien wohnen häufig schlecht und beengt. Vielfach sind sie in Wohnheimen oder Hotels im Bahnhofsviertel untergebracht. "Die Hoffnungen dieser jungen Menschen, eine gesicherte Existenz für sich und ihre Familien zu erreichen, müssen wir ernst nehmen und begleiten. Auch wenn es ein schwieriger Weg sein kann: Diese vier Absolventinnen und Absolventen zeigen, dass es gehen kann!"

"Wir sind alle sehr zufrieden und sehr stolz", sagt Projektkoordinatorin Silke Huropp. "Die Abschlussprüfung ist geschafft und alle vier haben phantastische Ergebnisse erzielt. Wir haben nicht nur Notendurchschnitte zwischen 1,6 und 2,2, sondern sogar eine glatte 1,0. Aber die Angst vor Enttäuschung, Ablehnung und Versagen auf dem weiteren beruflichen Weg ist groß."

Die Benachteiligungen, denen Sinti und Roma ausgesetzt sind, hat gerade erst die Studie "Ungleiche Teilhabe. Zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland" belegt, die von der Arbeitsgemeinschaft "RomnoKher" Ende Februar vorgelegt wurde. "Wir müssen jede Art von Antiziganismus ebenso klar benennen und bekämpfen wie alle anderen Formen von Ausgrenzung und Rassismus", sagt Sylvia Weber. In Hessen fehle, anders als in Baden-Württemberg, nicht zuletzt ein Staatsvertrag, der die Rechte von Sinti und Roma als geschützte Minderheiten anerkennt.

Eigene Programmlinie im stadtRAUMfrankfurt

"Ich bin froh, dass wir in Frankfurt in den letzten Jahren klar andere Akzente setzen konnten", sagt Weber. "Das Gedenken an 600 Jahre Roma in der Stadt im Jahr 2018 war ein wichtiger symbolischer Akzent. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten widmet der Kultur und Lebenssituation der Sinti und Roma eine eigene Programmlinie in unserem stadtRAUMfrankfurt, wo auch ein Projektbüro zur Kultur der Sinti und Roma eingerichtet wird.

In einer kritischen Studie des AmkA haben wir uns gegen viele Widerstände die Lebenslagen von obdachlosen EU-Bürgerinnen und -Bürger angenommen, viele von ihnen Roma. Und ich bin froh, dass es gelungen ist, dass Frankfurt in der Pandemie-Situation angefangen hat, die bisherige Zurückhaltung zu verlassen und auch diesen Menschen zu helfen. In diese Richtung müssen wir weiterarbeiten", sagt Weber abschließend.