Stabile Lösungen für die Wohngemeinschaft Bonameser Straße

Planungsdezernent Josef und Integrationsdezernentin Weber fordern eine andere Praxis im Umgang mit Familien
Darbietung des Circus Oriental der Wohnsiedlung Bonameser Straße auf einem Stadtfest (© Heidi Fletterer, 1991)

Der Ortsbeirat 9 hat angeregt, einen Runden Tisch zur Situation der Wohngemeinschaft Bonameser Straße zu organisieren. Die Federführung wurde dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) übertragen. Coronabedingt konnte sich dieser Runde Tisch noch nicht konstituieren. Zur Vorbereitung hat das AmkA inzwischen Akteneinsicht genommen und Gespräche mit verschiedenen Stellen geführt, auch mit Bewohnerinnen und Bewohnern.

"Rings um die Wohngemeinschaft Bonameser Straße ranken sich viele Fehlinformationen und falsche Behauptungen, besonders von denjenigen, die die Menschen dort weg haben möchten", sagt Integrationsdezernentin Sylvia Weber. Mehr als einen Runden Tisch brauche es eine Rückbesinnung darauf, was die Verantwortung und die Beschlusslage der Stadtpolitik sei.

"Kein Beschluss, die Wohngemeinschaft zu beenden"

"Wir sehen die Schwierigkeiten, die sich der Wohnheim GmbH mit der Verwaltung des Geländes stellen. Es gibt jedoch keinen Beschluss, weder des Magistrats noch der Stadtverordnetenversammlung, mit dem Ziel, die Wohngemeinschaft zu beenden und das Gelände einer anderen Nutzung zuzuführen. Es bestehen auch keine Absprachen gegenüber dem Regierungspräsidium oder anderen Stellen, die das nahelegen. Die Übertragung der Verwaltung an die Wohnheim GmbH erfolgte vielmehr mit der Absicht und dem Auftrag, die Lebensverhältnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern und die Situation vor Ort zu stabilisieren", stellt Weber richtig.

"Dies ist auch die Absicht der 1995 erteilten Baugenehmigung für das Gelände. Es ist eine rechtskräftige Bestandsgenehmigung. Sie gilt personenunabhängig, solange ein sozialer Bedarf für diese Nutzung besteht", erläutert Planungsdezernent Mike Josef.

"Diese Familien gehören zu Frankfurt"

Weber sagt: "Und wir wissen doch: der Bedarf ist da. Stattdessen werden aber Kinder daran gehindert, auf leere Nachbarparzellen zu ihren Eltern zu ziehen oder die Wohncontainer ihrer Eltern zu übernehmen. Das widerspricht nicht nur dem erklärten Willen des Magistrats, es wird auch der historischen Verantwortung der Stadt Frankfurt nicht gerecht. Diese Familien gehören zu Frankfurt, und das seit Jahrhunderten. Sie haben eine Geschichte von Ausgrenzung und Verfolgung, zumal im Nationalsozialismus. Und auch ihre Ansiedlung an der Bonameser Straße erfolgte 1953 nicht freiwillig. Die Entscheidung wurde damals durch die Stadt Frankfurt so getroffen."

"Wir möchten, dass aus dieser Haltung heraus langfristig tragfähige Lösungen gefunden werden", so Mike Josef und Sylvia Weber, "und wir werden das in der kommenden Wahlperiode weiter verfolgen. Die Stadt Frankfurt hat die Arbeit der Familien sehr gerne in Anspruch genommen, etwa bei Entsorgungen. Wir alle freuen uns auf unseren Stadtteilfesten über ihre Schaustellergeschäfte. Die Wohngemeinschaft hat inzwischen Nachbarinnen und Nachbarn, die für ihren Fortbestand eintreten. Es muss aufhören, den Familien ihre Wohnverhältnisse weiter zu erschweren und Familienzusammenführungen zu hintertreiben."

Wer mehr über die Wohngemeinschaft Bonameser Straße erfahren möchte, sieht sich das Video der Livediskussion zum Thema vom September 2020 auf amka.de und noch bis 12. März die virtuelle Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart der Siedlung an.