Ein Integrationskonzept für Frankfurt am Main

Wie wenige andere deutsche Städte ist Frankfurt weltweit ein ‚Begriff’. Die Lebensgrundlage unserer Stadt war und ist ihre offene Ausstrahlung als eine Wegekreuzung von wirtschaftlichem und kulturellem Austausch. Frankfurt ist durch die Jahrhunderte stets durch Zuwanderung gewachsen. Die Grenze dessen, was als 'fremd' empfunden wird, ist dabei immer weiter in die Ferne gerückt. Heute kommen Menschen zu uns aus aller Welt: In den letzten Jahrzehnten ist die Herkunft unserer Bevölkerung sehr viel internationaler geworden. Zugleich haben jüngere Generationen in unserer Stadt seltener eine eigene, persönliche Migrationsgeschichte und empfinden sich selbstverständlich als Frankfurterinnen und Frankfurter.

Die Vielfalt unserer Bevölkerung beschränkt sich aber nicht auf Herkunftsgeschichten, sondern umfasst zugleich die Lebenserfahrungen mehrerer Generationen, eine große Spannbreite beruflicher Werdegänge und sozialer Lagen, sehr unterschiedliche Interessen und Wünsche für ein selbstbestimmtes Leben, mannigfache Erwartungen an Familie, an einen Beruf und an unser Zusammenleben. Eine solche Vielfalt gehört zu jedem Zusammenleben. In Ballungsräumen wie Frankfurt, die viele Menschen anziehen, ist sie jedoch besonders ausgeprägt. Das macht Städte für viele attraktiv. Deshalb finden manche das Leben in Städten anstrengend.

Menschen unterscheiden sich nicht nur, sie ändern sich auch im Laufe ihres Lebens und von Generation zu Generation. Und nicht nur das – wir beeinflussen auch einander mit allen unseren Unterschieden. Wir haben das Glück, in einem freien Land zu leben. Andere Lebensentwürfe und divergierende Erwartungen werden heute offener ausgelebt als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch in einer 'multikulturellen' Stadt wie Frankfurt sind Menschen ganz andere Beziehungen vielleicht viel wichtiger als ein wie auch immer empfundenes 'kulturelles' Zugehörigkeitsgefühl. Dies ist ein Ausdruck von Integration. Die Vielfalt in unserer Stadt wird dadurch aber nicht geringer. In einer Demokratie haben wir immer wieder die Fragen zu beantworten: Was hält unsere Gesellschaft zusammen und was macht sie zukunftsfähig?

Eine Integrationspolitik, die Menschen wirklich erreichen will und verbindliche Grundlagen des Zusammenlebens vermitteln und fördern soll, hat all dies zu berücksichtigen: unseren vielschichtigen, abwechslungsreichen Alltag. Daher beschreibt dieses Konzept eine Politik der Vielfalt, die die urbane Realität ernst nimmt.

Aber nicht nur das tägliche, enge Miteinander in einer Metropole verändert jede und jeden von uns. Auch unsere Umgebung hat sich gewandelt: Technische Neuerungen, ökonomischer Wandel, politische Zusammenhänge und Umwelteinflüsse wirken zusammen und auf unser Leben. Das vergangene 20. Jahrhundert brachte von Jahrzehnt zu Jahrzehnt besonders viele Veränderungen. Neue Dimensionen der Arbeitsmigration, das Phänomen der 'Globalisierung', ein tiefgreifender ökonomischer Strukturwandel – all das ist selbst an unserem Privatleben nicht spurlos vorbeigegangen.

Doch jede Gesellschaft braucht eine von allen geteilte Sicht von Wirklichkeit, Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft, Formen und Symbole der Zugehörigkeit, eine Verständigung über Pflichten, Rechte und Möglichkeiten der Teilhabe. Bei allen Unterschieden stellt sich uns immer neu die Frage: Wie wollen wir zusammenleben?