Lebensgrundlagen: Wirtschaft und Arbeitsleben

Die wirtschaftliche Entwicklung und sozio-ökonomische Gesamttrends haben einen wichtigen Einfluss auf Integrationsverläufe und das Zusammenleben in unserer Stadt. Dieses Konzept reagiert auf die neuen Herausforderungen und gestiegenen Anforderungen durch Globalisierung, durch wirtschaftlichen Strukturwandel und durch gesellschaftliche Veränderungen in Familien und Bevölkerung. Wir wollen als internationale Stadt mit integrationspolitischen Maßnahmen zu einem intelligenten nachhaltigen Wachstum beitragen.

Das Berufsleben prägt jeden von uns. Ein erfolgreicher Werdegang hat viele Gründe, ein Scheitern ebenso. Durch verstärkte Kooperation aller beteiligten Dienststellen und Partner wollen wir die Erwerbstätigenquote unserer Bevölkerung erhöhen, Beiträge zur Kreativität und Innovationsfähigkeit unserer Unternehmen und Betriebe leisten sowie einem Fachkräftemangel als größter Gefahr für die wirtschaftliche Situation der Region entgegenwirken.

Handlungslinie 33: Ausbildungsreife sicherstellen.

Übergeordnetes Ziel aller beteiligten Fachverwaltungen ist es, durch ergänzende Maßnahmen die Ausbildungsfähigkeit (bzw. die Studienreife) aller Absolventinnen und Absolventen in Frankfurt sicherzustellen. Wir wollen durch Netzwerkarbeit und mit besonderen städtischen Projekten die Kooperation von Schulen mit externen Partnern aus der Berufswelt in unserer Stadt flächendeckend unterstützen, zentral koordinieren und dabei insbesondere zielgruppen- bezogene, integrationspolitische Aspekte berücksichtigen. Eltern, Lehrende und Lernende sollen für Stärken und Interessen sensibilisiert, eine passende Berufsberatung soll sichergestellt und eine erfolgreiche Vermittlung durch direkte Kontakte erleichtert werden, um ein Verweilen in Übergangsystemen zu verhindern. Auf diese Weise kann zugleich ein Beitrag zur arbeitsweltbezogenen und sachübergreifenden Gestaltung von Bildungsgängen geleistet werden. Alle Ämter können dabei helfen, den Berufswahlhorizont unserer Frankfurter Schülerinnen und Schüler zu weiten und durch die Unterstützung von Übergängen in eine flexible Berufsausbildung Ausbildungsabbrüche zu vermindern. Auch erfolgreiche Kampagnen und Begegnungen mit erreichbaren Vorbildern können wichtige Beiträge leisten.

Handlungslinie 34: Berufsausbildung begleiten.

Der Übergang in einen Beruf ist für viele Jugendlichen ein großer Schritt, der sie zugleich aus ihrem vertrauten Umfeld heraus- führt. Wir wollen Auszubildende, die sich ihres Erfolgs unsicher sind, in Kooperation mit ihren 'Communities' und mit Arbeitgebern durch Mentorenprogramme stärken und zugleich ihre Eltern, die Familie und den Freundeskreis einbeziehen. Für unsere Arbeit wie auch bei Kooperationen in Projekten bieten die hessenweiten Qualitätsstandards zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit (OloV) eine einheitliche Grundlage. Durch vernetzte Maßnahmen kann am ehesten Perspektivlosigkeit überwunden und Auszubildenden geholfen werden, eine selbständige und sichere Persönlichkeit, Teamfähigkeit, Leistungs- und Lernbereitschaft sowie Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Auch die Stadt ist ein Arbeitgeber, der selbst vorbildlich handeln und beim Abschluss von Ausbildungsverträgen auch berücksichtigen sollte, benachteiligten Gruppen eine Chance zu geben.

Handlungslinie 35: Weiterbildung vernetzen.

Das Berufsleben unterliegt starkem Wandel, zumal in unserer Stadt: Frankfurt ist durch viele internationale und im Ausland aktive Unternehmen sowie durch Auslandsvertretungen, diverse 'business communities' mit aller Welt verbunden und auch innerhalb der Stadtbevölkerung von einer Vielfalt an Erwartungshaltungen, Geschäftsideen und Kundenwünschen geprägt. Wir wollen diese Vielzahl von Möglichkeiten, gerade in Frankfurt eigene Qualifikationen und Erfahrungen zu nutzen, stärker kommunizieren und dies zugleich als Aufforderung, dass sich Weiterbildung lohnt, verwenden. Wir wollen uns in Kooperation mit Arbeitgebern und Vereinen bemühen, Weiterbildungsmaßnahmen in unserer Stadt zu erfassen und auf eine Weise zu bewerben, die unterschiedliche Zielgruppen erreicht. Eine wichtige Rolle spielt der modulare Ausbau der stadtweiten Angebote für berufsbezogenes Deutsch für alle Altersstufen. Auf dem Arbeitsmarkt benachteiligte Gruppen verdienen in allen Maßnahmen besondere Förderung. Wir wollen auch dazu beitragen, den Übergang zwischen den Integrationskursen und den auf ihnen aufbauenden Fördermaßnahmen der Arbeitsagenturen zu strukturieren und zu erleichtern.

Handlungslinie 36: Integration im Berufsleben fördern.

Unsere Frankfurter Unternehmen leisten nicht nur durch ihre internationalen Kontakte, sondern auch durch zahlreiche betriebsinterne Antidiskriminierungsmaßnahmen, durch Teilzeitmodelle und durch ei- ne Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie durch Projekte im Bereich der sog. 'Corporate Social Responsability' wichtige Beiträge zur Integration in unserer Stadt und zu ihrer erfolgreichen betrieblichen Weiterentwicklung. Diese Arbeit ist als Vorbild und Anregung öffentlich zu würdigen. Zugleich gilt es, in Kooperationen weiter zu einer interkulturellen Öffnung der relevanten Arbeitsmarktakteure und der Personalverantwortlichen beizutragen. Dazu gehört eine Sensibilisierung in Personalabteilungen, in Arbeitsvermittlung und in Aus- und Weiterbildung für die Bedeutung, aber auch die besondere Lernsituation eines Unterrichts in der Zweitsprache Deutsch. Spracherwerb braucht Zeit. Wir wollen daher außerdem eine verstärkte Nutzung von Mehrsprachigkeit und Fremdsprachigkeit im Berufsleben dort anregen, wo dies möglich und sinnvoll ist, z.B. in einigen Bereichen von Erziehung und Pflege.

Handlungslinie 37: Beurteilung ausländischer Abschlüsse erleichtern.

Wir wollen Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Abschlüsse bei Zuwanderinnen und Zuwanderern, bei Verbänden, Ämtern, Beratungsstellen, und Migrantenorganisationen bekannter machen. Verfahren zur Anerkennung sind oft kompliziert und werden zunehmend durch europäische Regelungen bestimmt. In unserer Stadt können aber auch in Zusammenarbeit mit den relevanten Institutionen Alternativen zu einer förmlichen Anerkennung geschaffen werden, z.B. in Netzwerken für die informelle Anerkennung, zur schnellen Rücksprache in Einzelfällen sowie zum Aufbau verlässlicher Kompetenzprofile. Solche Möglichkeiten sind für einzelne Branchen differenziert zu überprüfen.

Handlungslinie 39: Selbständigkeit unterstützen.

Viele Menschen – und zumal Migrantinnen und Migranten – gründen eigene Betriebe, aus unternehmerischem Geschick ebenso wie aus einem Mangel an anderen Möglichkeiten, z.B. aufgrund einer fehlenden Anerkennung ihrer Qualifikation. Daher arbeiten gerade viele Migrantinnen und Migranten in zulassungsfreien Berufen wie z.B. im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in Reisedienstleistungen. Wir wollen die erfolgreiche städtische Existenzgründungsberatung und -begleitung weiter ausbauen und weiterhin auf unterschiedliche Zielgruppen ausrichten. Dazu gehören auch Angehörige Frankfurter Universitäten, zumal ausländische Studierende und Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler, die wir zum Bleiben bewegen wollen. Durch das Ausscheiden erfolgreicher Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber aus dem Berufsleben wird es in den nächsten Jahr- zehnten zu immer mehr Betriebsübernahmen kommen, auf die wir geeigneten Nachwuchs vorbereiten müssen, der immer mehr eine andere Lebenserfahrung und ggf. auch persönliche Migrationsgeschichte haben wird.

Handlungslinie 40: Fördernetzwerke ausbauen.

Wege in die Selbständigkeit können Wege zum dauerhaften Erfolg sein. Es liegt in unserem städtischen Interesse, dass Betriebe wachsen, Unternehmen sich weiterentwickeln, und dass bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht in sog. 'Branchen-Ghettos' verharren. Die Betriebsentwicklung soll auch weiterhin durch eine gruppengenaue und aufsuchende Beratung und Netzwerkwerkarbeit unterstützt werden. Wir wollen nicht zuletzt Zugänge zu den vorhandenen Förderangeboten, Finanzdienstleistern und Beratungsprojekten vermitteln und Netz- werke und Informationsplattformen zum Austausch aufbauen. Dazu kann es hilfreich sein, in Kooperation mit Verbänden und den jeweiligen 'Communities' etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer als 'Brückenbauer' zu gewinnen. Als Ansporn, aber auch als ein Beitrag für ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl kann es sinnvoll sein, die Leistungen bestimmter Gruppen, ihre Branchen und Erfolge zu untersuchen und öffentlich positiv zu vermitteln.

Abstimmung mit anderen Akteuren.

Eine wichtige Voraussetzung künftiger Maßnahmen ist eine verbesserte Datenlage zur Situation und Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen am Frankfurter Arbeitsmarkt, von internationalen Unternehmen und den Leistungen der sog. 'ethnischen Ökonomie'. Dazu benötigen wir die Unterstützung von Landes- und Bundesbehörden, Kammern und Wirtschaftsverbänden. Wir wollen uns in gleicher Weise um Hilfe bei der formellen und informellen Anerkennung ausländischer Abschlüsse bemühen, z.B. durch die Unterstützung einer lokalen Kommunikationsplattform für Bildungssysteme, Abschlüsse, Berufszuschnitte anderer Länder. Die Vernetzung städtischer Einrichtungen mit ausländischen Unternehmerverbänden, mit internationalen 'business communities' und anderen Bevölkerungsgruppen und mit der allgemeinen Öffentlichkeit ist weiterhin zu befördern, um ein stärkeres Bewusstsein für die Vielfalt der Angebote und für die Qualifikationen und Kompetenzen der Bevölkerung am Standort Frankfurt zu schaffen.