Stadtteile: ein gutes Zusammenleben

Dieses Konzept beschreibt Integrationspolitik als eine Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer Aufenthaltsdauer. Das Konzept betont dabei die Bedeutung vertrauter Räume, kurzer Wege und von Strukturen und Anlässen für Begegnung, Integration und Sicherheitsempfinden. Neben einem erfolgreichen Lebensweg ist die gute Verbundenheit mit der eigenen Nachbarschaft die wichtigste Voraussetzung für gute Integration.

Für die Umsetzung dieser Ziele wollen wir in den einzelnen Quartieren wichtige Initiativen und das große private Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger unterstützen, die politische und bürgerschaftliche Partizipation vor Ort erhöhen, soziale und ethnische Segregation verhindern und unsere Stadtteilarbeit so anlegen, dass sie gesamtstädtische Bedeutung gewinnt.

Handlungslinie 16: Anlaufstellen schaffen.

Es ist sicherzustellen, dass sich Menschen schnell und wohnortnah informieren und beteiligen können. Dafür wollen wir in Kooperation mit Ortsbeiräten, ehrenamtlichen Engagierten und Stadtteilinitiativen gemein- same Anlaufstellen in den Stadtteilen an öffentlichen und oft besuchten Orten ausbauen, die eine regelmäßige Ansprache gewährleisten, im Bewusstsein der Einwohnerinnen und Einwohner präsent, gut erreichbar und angemessen ausgestattet sind. Dafür sind geeignete Orte in den Stadtvierteln zu identifizieren, an denen Menschen sich regelmäßig und auf Augenhöhe begegnen können, solche Plätze auszugestalten, in Maßnahmen verstärkt zu nutzen und auch anderweitig zu fördern. Auch die barrierefreie virtuelle Kommunikation und Information gilt es verstärkt zu ermöglichen, die nicht nur für jüngere Generationen, sondern auch für Berufstätige oder für Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten wichtig ist. In der Kommunikation der Stadtpolitik mit der Öffentlichkeit kommt den Ortsbeiräten, ihren Bürgersprechstunden und öffentlichen Sitzungen eine besondere Bedeutung zu. Auch die öffentliche Rolle von Stadtbezirksvorsteherinnen und Stadtbezirksvorstehern als Ehrenbeamten des Magistrats und sowie die bestellter Schiedspersonen ist zu stärken; unterschiedliche Menschen sind für solche Ämter zu gewinnen. Ergebnisse einer sozialräumlich ausgelegten Datenerhebung und Forschung sind geeignet, die Willensbildung vor Ort zu unterstützen.

Handlungslinie 17: Segregation entgegenwirken.

Viele Themen bieten Gelegenheit, dafür zu sorgen, dass in Stadtteilen und bei allen Einwohnerinnen und Einwohnern das Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung entsteht, in der jede und jeder mit Respekt am Leben der Nachbarn Anteil nimmt. Gefühlte, wahrgenommene und tatsächliche 'Parallelgesellschaften' sollen verhindert werden. Dabei ist zwischen selbst gewählter und unfreiwilliger Segregation zu unterscheiden: Sog. 'ethnische' Segregation ist häufig nicht die Ursache, sondern eine Auswirkung sozialer Benachteiligungen oder eine Folge der Lage auf dem Wohnungsmarkt. Menschen suchen sowohl die Nähe derjenigen, die ähnliche Erfahrungen teilen, wie auch ihren eigenen Lebensweg und beruflichen Aufstieg in die Gesellschaft, der sie aus dem eigenen Umfeld wegführen kann. In der Planung gestalterischer Ansätze oder politischer Einzelmaßnahmen und Projekte wollen wir mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten und dabei unterschiedliche Gruppen zur gleichberechtigen Teilnahme ermuntern. Viele Menschen sehen in unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten eine besondere Hürde oder Belastung des gemeinsamen Zusammenlebens. Information und die Unterstützung von Begegnung können dazu beitragen, dass andersgläubige Menschen einander offen begegnen und sich nicht in verschlossene Räume zurückziehen. Von den Religionsgemeinschaften erwarten wir Respekt gegenüber einem andersgläubigen Umfeld und dem neutralen öffentlichen Raum und seiner gewachsenen sozialen Struktur und Geschichte. Da Begegnungen in der Nachbarschaft weitergehende Kontakte oft nur bedingt befördern oder beeinflussen, haben wir diese Arbeit gezielt um gesamtstädtische Ansätze in allen Handlungsfeldern zu ergänzen. Eine erwiesenermaßen zentrale Rolle spielt ein gemeinsamer Besuch von Eltern-Kind-Gruppen, Kindertagesstätten, Schulen und Freizeitangeboten, die wir dabei unterstützen werden, sich ihrerseits an der gewachsenen Vielfalt im Familienleben zu orientieren.

Handlungslinie 18: Netzwerke stärken und bilden.

Wir wollen anerkennen und abwägen, welche produktive Rolle traditionelle oder ethnische Netzwerke in Integrationsprozessen spielen können. Verwandtschaft, Freunde und langjährige Bekannte bieten Gefühle der Geborgenheit und Anerkennung. Vereine und Netzwerke sind jedoch zu ermuntern, neue und andere Mitglieder aufzunehmen und ihre Angebote, Aktivitäten und Strukturen entsprechend weiterzuentwickeln. Durch die Zahl ihrer Mitglieder und ein viele Menschen ansprechendes Angebot haben die Sportvereine eine besondere Rolle, die wir weiter fördern wollen. Aber auch im Sport ist Diskriminierungen wegen Herkunft, sozialem Status, Religion oder sexueller Orientierung entgegenzuwirken. Auch nicht vereinsgebundene Sportarten und Individualsportarten kleinerer Gruppen sind in ihrer gemeinschaftsbildenden Funktion zu unterstützen. Auch beliebte Sportarten aus anderen Ländern sollten bei der Suche nach Spielflächen, in Nutzungskonflikten, durch Veranstaltungen und öffentliche Anerkennung unterstützt werden.

Abstimmung mit anderen Akteuren.

In der Stadtteilarbeit sind organisierte Interessen auch mit den Anliegen derer abzuwägen, die sich nicht äußern. Gerade Gruppen oder Menschen, die sich verunsichert auf sich selbst zurückziehen, finden oft nicht den Weg zu Beratungsstellen oder zu städtischen Einrichtungen. Die Arbeit der vielen Verbände, Gemeinden und Stadtteilinitiativen, Elterngruppen und Kulturzentren, der Präventionsräte und nicht zuletzt der Polizei ist für unser Zusammenleben als Unterstützung und Informationsquelle unverzichtbar. Aber auch Mieter- und Eigentümervereine, Ladeninhaber und Arbeitgeber, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen können wichtige Unterstützung leisten. Zum Wohle unserer Stadtteile haben wir alle gemeinsam Gerüchten oder von Vorurteilen geprägter Aufregung sachlich entgegenzutreten.