Ziele & Handlungslinien auf einem Blick

Alle Ziele und Handlungslinien nochmal zusammengefasst auf einen Blick:

Bei allen städtischen Äußerungen, Regeldiensten und Einzelmaßnahmen ist darauf zu achten, verschiedene Anliegen und Interessen gleichwertig zu betrachten. Es sind bei möglichst vielen Gelegenheiten Angebote zur Information und zur Mitgestaltung zielgruppenspezifisch zu kommunizieren. Wir wollen bei offiziellen Anlässen und Veranstaltungen dafür sorgen, dass unterschiedliche Gruppen angemessen eingeladen und repräsentiert sind, um unsere Stadtgemeinschaft insgesamt sichtbar werden zu lassen.
Bei Veranstaltungen jedweder Art, soll vermittelt werden, welch unterschiedliche Einwohnerinnen und Einwohner in Frankfurt leben. Es sollen zugleich die positive Rolle und die Beiträge unterschiedlicher Gruppen in unserer Stadt verstärkt wahrgenommen und vermittelt werden. In gleicher Weise ist Raum zu schaffen für die Artikulation möglicher Sorgen und Ängste. Wir wollen den Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen und Erwartungen fördern und diese auf gemeinsame Interessen und Bezugspunkte zusammenführen. Gruppen, die bislang eher abseits standen oder passiv blieben, sollen dafür gezielt angesprochen und zur Stellungnahme aufgefordert werden.
Städtische Maßnahmen und Kooperationen sind grundsätzlich so anzulegen, dass eine Einzelförderung stets um eine Förderung von Vernetzung, Öffnung und Dialog ergänzt wird. Dabei sind Kontakte zwischen Mehrheit, Minderheiten wie auch innerhalb einzelner Gruppen gleichermaßen wichtig. In der Gestaltung des öffentlichen Raumes und von städtischen Einrichtungen, aber auch durch Einzelmaßnahmen sollen Anknüpfungspunkte gefördert werden, die einander fremde ins Gespräch bringen. Multiplikatoren und 'Brückenbauer' sollen ebenso gezielt gefördert werden wie Respekt voreinander, einen angemessenen Umgang miteinander und eine gemeinsame Sprache. Deutschkenntnisse sind zur Teilhabe an unserem öffentlichen Leben unverzichtbar. Neue Begegnungen in unserer Stadt können dabei oft am ehesten in einem niedrigschwelligen und auch mehrsprachigen Umfeld gelingen, das unterschiedliche Menschen anspricht.
Beteiligungsmöglichketen sowie Bürgersprechstunden von Mandatsträgern, Ämtern, Gremien sollen regelmäßig und gegenüber unterschiedlichen Gruppen aktiv kommuniziert werden. Nach Möglichkeit sollen Bürgerinnen und Bürger auch informell stärker einbezogen werden, z.B. in der Stadtteilarbeit, in Wohnquartieren oder in Bildungseinrichtungen, aber auch in der Ausarbeitung gesamtstädtischer Konzepte. Der Einsatz neuer Medien ist dabei ebenso zu verstärken wie eine aufsuchende Beteiligung.
Die Stadt Frankfurt wird im städtischen Alltag sowie in abgestimmten Arbeitsprozessen mit anderen politischen Ebenen ihre kommunalen Befugnisse nutzen und verteidigen. Die Stadt Frankfurt wird Hindernisse für die Integration, ob einzelne Regelungen oder strukturelle Rahmenbedingungen aktiv identifizieren und politisch thematisieren, um die zuständigen Gesetzgeber auf in der Praxis auftretende Probleme hinzuweisen. Die Stadtpolitik wird Handlungsspielräume und Möglichkeiten neuer, eigener Wege selbstbewusst und systematisch ausloten.
Integrationspolitik fördert die Befähigung jedes Einzelnen, in einer pluralen demokratischen Gesellschaft in freier Entscheidung als selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Mitglied zu handeln. Dafür sind Informationen bereitzustellen, Gelegenheiten zur Meinungsäußerung und Teilhabe zu bieten und, wo erforderlich, Hilfen zu leisten. Unsere Rechtsordnung nötigt niemanden dazu, sich öffentlich zu beteiligen, hält jedoch uns alle dazu an, die Grundlagen unseres Miteinanders und demokratische Entscheidungen mitzutragen, sowie die gleichberechtigten Ansprüche anderer zu achten, auch wenn diese unsere eigene Meinung nicht teilen, einen anderen Lebensstil haben oder mit einem anderen Akzent sprechen.
Im Umgang miteinander ist jede und jeder nicht in erster Linie als Angehörige von 'Kulturen' oder Gruppen zu behandeln, sondern als handelndes und verantwortliches Individuum. Die Frankfurter Stadtpolitik wird nicht 'kulturalisieren', weder in Datensammlungen, noch in der Begründung von Entscheidungen, in Verlautbarungen oder im Zuschnitt von Maßnahmen. Bestehende Gemeinschaften und individuell kommunizierte Zugehörigkeitsgefühle sind dabei respektvoll als gleichwertige Teile der Stadtgemeinschaft zu betrachten.
Das Gefühl, dazuzugehören, entsteht ebenso durch eine freie, allgemein akzeptierte Lebensgestaltung wie auch durch Aufstiegsmöglichkeiten. Auf allen Politikfeldern und im privaten Miteinander wird die Stadt Frankfurt sicherstellen, dass alle ihren Lebensentwurf frei wählen und verfolgen können, ob in Berufswahl, bei der Partnersuche oder Lebensgestaltung und im Ausdruck persönlicher Überzeugungen. Wer Chancen ergreifen will, muss auf angemessene, individuelle und fördernde Unterstützungsangebote zugreifen können, wenn nötig auch gegen Gruppenzwänge. Frankfurt ist eine prosperierende Stadt, nicht zuletzt wegen der ihr eigenen Vielfalt. In der Stadtentwicklungsplanung ist weiterhin darauf achten, einer wachsenden Zahl unterschiedlicher Menschen reale Möglichkeiten zu eröffnen.
Wir benötigen ein besseres Verständnis der sehr unterschiedlichen und einander beeinflussenden Integrationsverläufe und der Veränderungsprozesse der Gesellschaft. Die Stadt Frankfurt wird zu berücksichtigen, dass es kaum „Normallagen“ von Integsration gibt. Bei der Beurteilung der Situation, im Maßnahmenzuschnitt und in unserem Verhalten sind die realen Lebensbedingungen und die jeweilige soziale Lage ernst zu nehmen. Dies verlangt auch, Schwierigkeiten anzuerkennen und Menschen nicht zu überfordern. Zur gebotenen Solidarität miteinander gehört es auch, Menschen Zeit zu geben. Integration oder sozialer Aufstieg verläuft nicht selten über mehrere Generationen und in Übergangsformen, die sich als Milieus ausprägen können und die nicht vorschnell als sich verfestigende 'Parallelgesellschaften' zu beurteilen sind.
Integration ist keine 'Einbahnstraße'. Bei der Politikgestaltung, der öffentlichen Selbstdarstellung und bei konkreten Handlungsplänen wird die Stadt Frankfurt berücksichtigen, dass sich Menschen in mehreren sowie in gemeinsamen Beziehungen sehen und je nach Religion, Zugehörigkeitsgefühl, Interesse oder Stilempfinden auch als Gruppe ein unterschiedliches öffentliches Verhalten äußern. Unsere Stadt ist ein gemeinsamer Rahmen für eine Vielzahl von Gruppenidentitäten, denen die Stadtpolitik Räume zur kreativen Entfaltung schaffen will, von denen wir alle aber auch eigene Beiträge zu einem besseren Miteinander erwarten.
Integrationspolitik hat zu beachten, dass Integration sich nicht nur am Verhältnis von Mehrheit und Minderheiten entscheidet, sondern von den Beziehungen aller Gruppierungen zueinander abhängt. In einer gewachsenen internationalen Stadtbevölkerung haben es alle Einwohnerinnen und Einwohner mit mehr kulturellen Vorurteilen, religiösen Differenzen oder einem stärker divergierenden Geschichtsverständnis zu tun als andernorts. Um dem Problem entgegenzuwirken, dass verschiedene Gruppen sich stereotyp gegeneinander definieren und möglicherweise in anderen Teilen der Welt bestehende Vorbehalte beibehalten, sind mehr Begegnung und Miteinander verschiedener Erfahrungsgemeinschaften, sozialer Schichten und Milieus untereinander zu fördern, mit dem Ziel, Vorbehalte abzubauen und Rahmenbedingungen für mehr Gemeinsamkeiten und dauerhafte Interaktion zu schaffen.
Die Stadt Frankfurt möchte nicht nur die öffentliche Repräsentation von Gruppen, sondern zugleich ihre Öffnung und Teilhabe an unserer Gesellschaft fördern. Erfolglosigkeit oder andere Enttäuschungen haben bei vielen Menschen, ob eingewandert oder nicht, zur Folge, dass sie sich in eine idealisierte eigene oder kulturelle Vergangenheit zurückziehen. Dem ist entgegenzuwirken: Gruppen haben zu akzeptieren, dass sie selbst und ihr Platz in der Gesellschaft veränderlich sind und dass nicht zuletzt jede Generation neue Ansprüche stellt. Religionsgemeinschaften haben zu respektieren, dass es keinen Bekenntniszwang gibt und dass unser gemeinsames öffentliches Leben weltanschaulich neutral ist. Insbesondere sollen 'Kulturen' oder Bekenntnisse nicht als Argument missbraucht werden, weder zur Diskriminierung noch zur Selbstrechtfertigung. Repressionen gegen Einzelne oder gar Gewalt in der Familie werden nach geltender Rechtslage verfolgt.
Die übergeordneten Ziele von Gleichheit und Chancengerechtigkeit erfordern es, die sozialen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Teilhabe und Integration ernst zu nehmen. Zum Erfolg wird keiner getragen, aber es gibt neben persönlichem auch strukturelles und institutionelles Versagen. Das Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes anerkennt, dass einzelne Mitglieder besonderer Hilfe bedürfen, auf die sie in nicht diskriminierender Weise Anspruch haben. Die Stadt Frankfurt stellt sich außerdem humanitären Verpflichtungen – z.B. gegenüber Flüchtlingen oder Menschen ohne Aufenthaltsstatus, denen z.B. in ihren Zugangsmöglichkeiten zu Gesundheitsleistungen oder zum Bildungssystem geholfen werden soll.
Wir alle müssen uns bewusst sein, dass wir Gemeinsamkeiten und unsere Identität als Gesellschaft nicht einfach vermitteln können, sondern ständig neu herstellen müssen. Jedes Zusammenleben verlangt nicht nur Verständnis für Minderheiten und andere Sichtweisen, sondern den aktiven Umgang mit unterschiedlichen Erwartungen an gegenseitiges Verhalten und an gemeinsam getragene Institutionen, wie z.B. die Schule oder Kultureinrichtungen. Man kann selten in allen Punkten Konsens finden, und Konflikte müssen ausgetragen werden. Es liegt an jeder und jedem Einzelnen, wechselseitige Positionen und Erwartungen klar zu benennen. Im Konfliktfall ist es wichtig zu wissen, aus welchen Voraussetzungen und Erfahrungen die oder der jeweils andere argumentiert.
Die Stadt Frankfurt wird weiterhin eine offene Diskussionskultur pflegen. Konflikte sollen nicht übergangen werden, sondern sind respektvoll zu lösen. Dafür ist auch die politische Bildung zu verstärken und das allgemeine Verständnis für die Regeln und Anforderungen unserer Gesellschaft zu verbessern. Neue Bürgerinnen und Bürger, ob neu Zugezogene oder Heranwachsende, müssen erleben können, woran sie sich orientieren sollen. Vorbilder müssen glaubhaft und erreichbar sein.
Eine aktive Willkommenskultur zu pflegen, betrifft jede und jeden Einzelnen von uns. Dazu gehört, nicht zuerst nach der Herkunft, sondern nach der Persönlichkeit und den Fähigkeiten jeder und jedes Einzelnen fragen. Die Stadtpolitik betrachtet ausländische Einwohnerinnen und Einwohner als mögliche zukünftige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, ermuntert sie zur Einbürgerung und leistet Einbürgerungswilligen Hilfestellungen. Jede Bürgerin und jeder Bürger Frankfurts soll nicht nur andere Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, sondern alle Einwohnerinnen und Einwohner als Mitglieder unserer Stadtgesellschaft ansehen.
Grundlage von Integrationspolitik ist nach unserer Rechtsordnung die grundsätzlich gleiche Offenheit unseres Staates gegenüber allen Religionsgemeinschaften, auch neu entstehenden. Die Stadtpolitik wird eine positive Rolle der Religionsgemeinschaften fördern und einfordern, sowie im öffentlichen Raum die gleichberechtigte Anerkennung und Ausübung religiöser Überzeugungen sicherstellen. Wir wollen das soziale Miteinander von Religionsgemeinschaften ermutigen und fördern. Menschen, die aus Ländern kommen, in denen eine strikte Trennung von Religion und öffentlichem Leben oder eine engere Verbindung einer bestimmten Religion mit Politik und staatlichem Handeln herrscht, ist die Rolle von Religionsgemeinschaften und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in unserer Rechtsordnung zu vermitteln. Spirituelle Begleiter ihrer Gemeinden, die aus anderen Ländern kommen, sind in geeigneter Weise bei der Wahrnehmung ihrer öffentlichen Mittlerrolle zu unterstützen und die Öffentlichkeit über ihre Funktion genauer unterrichten. Wir wollen auch andere, nicht-religiöse Weltanschauungen gleichberechtigt achten und behandeln.
Die Stadt Frankfurt ist für alle gleichermaßen da. Auch Migrantinnen und Migranten sowie Drittstaatsangehörige, die keine Unionsbürgerschaft besitzen, werden durch Grundrechte geschützt. Auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gibt es keine Bevorzugung einzelner Gruppen. Dies muss allen klar sein. Die Stadtpolitik wird aber nicht nur dieses Fundament gleichberechtigter 'Anerkennung' vermitteln, sondern in allen Lebensbereichen Begegnung, wechselseitige Öffnung und ein genaueres Verständnis für andere fördern. Bei der Gestaltung offizieller Anlässe sollen die verschiedenen Gruppen unserer Stadtgesellschaft gleichermaßen angemessen berücksichtigt werden.
Als Stadt von weltweiter Bekanntheit soll Frankfurt in der Integrationspolitik internationale Maßstäbe erreichen und selbst setzen. Die Beziehungen der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger in alle Welt sind auch dafür eine Grundlage. Die Stadt Frankfurt wird diese internationalen Beziehungen, gerade auch in ihre Partnerstädte, fördern und zu einem besseren Verständnis unseres Zusammenlebens nutzen. Die internationalen Erfahrungen unserer Einwohnerinnen und Einwohner sind ein Fundament an Wissen und Fähigkeiten für ein besseres Verständnis des Weltgeschehens, das viele Frankfurterinnen und Frankfurter sogar in ihrer eigenen Familie betrifft.
Die Pluralität von Geschichtsinterpretationen ist ein Teil unseres Lebens. Die Wahrnehmung von Geschichte – eigener und fremder – ist immer auch ein Ausdruck von Interpretation und Symbolisierung, die aufmerksam aber auch respektvoll zu hinterfragen ist, im Sinne eines Bemühens um objektive Wahrheitsfindung. Die Stadt Frankfurt setzt es sich zur Aufgabe, in der geteilten Wahrnehmung ihrer Bürgerinnen und Bürger die verschiedenen Ansichten Frankfurts als Bürgerstadt, seine Kultur und Ökonomie als Zuwandererstadt und seine weltstädtischen Qualitäten als globales Zentrum zu berücksichtigen und zusammenzuführen. Dabei wird erwartet, dass sich auch neu Hinzuziehende mit der deutschen Geschichte und historischen Zusammenhängen auseinandersetzen.
Bei aller Vielfalt von Erinnerung verpflichtet unsere städtische Geschichte und Kulturgeschichte zu Werten und zu historischer Verantwortung, die von allen anzuerkennen sind und die daher allen vermittelt werden müssen. Um diese zu einem Teil des Selbstverständnisses unterschiedlicher Menschen werden zu lassen, wird die Stadt dafür bei den verschiedenen Gruppen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen geeignete Anknüpfungspunkte schaffen. Dies verlangt eine Erinnerungs- und Verantwortungskultur, die ihrerseits auf Veränderungen und andere Sichtweisen immer wieder neu reagieren muss.
Die besondere historische Rolle unserer Stadt bietet viele Anlässe, sich mit anderen Sichtweisen auf die regionale und internationale Geschichte zu beschäftigen. Die Stadt Frankfurt wird weiterhin Gedenk- und Feiertage unterschiedlicher Gruppen im öffentlichen Leben wie auch im Alltag unserer Bildungseinrichtungen berücksichtigen und vermitteln. Teils widersprüchliche geschichtliche Erfahrungen anderer Länder sind Teil des historischen Bewusstseins unserer Stadtgesellschaft geworden. Das Verständnis für Kultur und Geschichte unserer Stadt schafft zugleich Voraussetzungen dafür, dass neue Bürgerinnen und Bürger diese mitgestalten und weiterentwickeln können.
Frankfurt ist eine Stadt, die wie wenige andere vom Kommen und Gehen vieler Menschen, von der Arbeit und den Biographien neu zugezogener Bürgerinnen und Bürger geprägt wurde. Die Frankfurter Stadtpolitik sieht in einer weltoffenen Politik eine wichtige Tradition der Frankfurter Geschichte und ein zentrales identitätsstiftendes Merkmal der Stadtgesellschaft als internationaler Bürgerstadt, das in der Darstellung unserer Stadtgemeinschaft vermehrt kommuniziert werden soll.
Die Stadt Frankfurt wird in Stadtplanung, Wohnungspolitik und begleitenden Maßnahmen die Vielfalt vor Ort weiter fördern. Ziel ist es, weder Parallelgesellschaften noch einen Gegensatz von 'Zentrum' und 'Peripherie' aufkommen zu lassen. Dazu bedarf es Stätten der Begegnung – ob in der Platzgestaltung, in Wohnungsanlagen, in Stadtteilzentren, in Form von Elterncafés oder in gemeinsamen Veranstaltungen von Bürgerhäusern, Kultureinrichtungen, Vereinen oder Kleinkunstbühnen. Als Instrument eines niedrigschwelligen Zugangs zur Verwendung der deutschen Sprache, und um 'Sprachlosigkeit' zu überbrücken, können auch mehrsprachige Angebote sinnvoll sein.
Die Stadt Frankfurt betont und fördert die Bedeutung und Verantwortung von lokalen Initiativen. Vielfalt soll auch in der unmittelbaren Nachbarschaft grundsätzlich als ein Vorteil und als eine Bereicherung wahrgenommen werden. Dabei hilft es, wenn Vereine, Vereinsringe und Initiativen neue und andere Mitglieder aufnehmen oder verstärkt zusammenarbeiten. Dies erfordert von öffentlicher Seite eine Beratung in der Neuausrichtung von Strukturen, bei der Ansprache neuer Gruppen, der Umstellung von Abläufen und Angeboten sowie ggf. eine veränderte Förder- und Informationspolitik. Dies erfordert umgekehrt die zu fordernde und zu fördernde Bereitschaft von Zielgruppen, von solchen Angeboten Gebrauch zu machen und an Initiativen teilzunehmen.
Veränderungsprozesse in den Frankfurter Stadtteilen werden erfasst, analysiert und begleitet. Die Kleinräumigkeit unserer Stadt kann dabei integrationspolitisch genutzt werden. Ein negatives 'Image' von Stadtvierteln kann eine eigene Dynamik auslösen. Dem soll durch Infrastrukturmaßnahmen, Projekte und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit entgegenwirkt werden.
Es ist Ziel Frankfurter Politik, Menschen zum Bleiben zu bewegen und Abwanderung zu verhindern, ob junge Familien, Studierende, Auszubildende oder Menschen, die nur für einen Lebensabschnitt nach Frankfurt kommen. Die Stadt Frankfurt soll auch denen eine Heimstätte sein, die andernorts verfolgt werden und Asyl erhalten. Es gilt anzuerkennen, dass sich mit wechselnden Rahmenbedingungen auch Gesellschaften verändern. Dies wird in Frankfurt wahrscheinlich zu einer weiter zunehmenden Vielfalt führen, die uns alle immer wieder vor neue Situationen stellen wird, die jedoch durch viele Anknüpfungspunkte auch selbst integrativ wirken kann. Sie ist daher als Ressource der Stadtentwicklung zu sehen und zu nutzen.
Alle Einwohnerinnen und Einwohner sollen Frankfurt als den Ort erleben, an dem sie zuhause sind. Aber wir alle haben zugleich anzuerkennen, dass es auch andere Bindungen und Zugehörigkeitsgefühle gibt, aufgrund familiärer Beziehungen, durch Freundschaften, als Folge eines beruflichen Lebenswegs, eines religiösen Bekenntnisses oder privater Interessen. Im vielfältigen Alltag einer lebendigen Metropole finden wir in vielen Bereichen ein 'Sowohl-Als auch' – und zunehmend empfinden auch einzelne Bürgerinnen und Bürger so. Die vielfachen und zum Teil engen Bezüge unserer Nachbarn in alle Welt sollen für unsere Stadt und für unser gemeinsames Selbstverständnis als Frankfurterinnen und Frankfurter produktiv werden können.
Nicht nur die städtische Politik und Verwaltung haben sich im Sinne der Chancengleichheit und eines effektiveren Handelns auf einen systematischen Diversitätsansatz zu verständigen. Die Stadt Frankfurt wird auch ihren städtischen Partnern gegenüber die Grundsätze und Vorgehensweise dieses Konzepts vermitteln, um neben einer genaueren Zuwendung zugleich die gemeinsame Umsetzung zu fördern. In diesem Sinne ist den unterschiedlichen Gruppen den Zugang zu unseren Einrichtungen zu erleichtern und insbesondere die Partizipation selten beteiligter Gruppen zu erhöhen. Diese Prinzipien – sowie die Möglichkeiten und die Bereitschaft unterschiedlicher Zielgruppen zur Partizipation – sollen auch als Förderkriterien und als Grundlage städtischer Kooperationen Anwendung finden.
Die Stadt Frankfurt erweitert auf allen Politikfeldern den Kreis der Beteiligten und gewinnt in der Kooperation mit der städtischen Öffentlichkeit neue Partner. Politik und Verwaltung gehen auf Menschen, die bislang schwer zu erreichen waren, oder auf Gruppen, die unbeteiligt oder gar abgeschottet erscheinen, auf eine ansprechende Weise zu. Politik und Verwaltung werden in Zusammenarbeit mit den Institutionen Maßnahmen und Möglichkeiten anbieten, die zu einer höheren Vertrauensbildung und Identifikation mit unserer Stadt beitragen.
Die städtischen Ämter und Betriebe sollen in geeigneter Weise für unterschiedliche Formen von Diskriminierung sensibilisiert werden. Selbsthilfepotentiale der Bürgerinnen und Bürger sind zu fördern. Durch bessere Angebote und Vernetzung von Beratungsstellen sollen Betroffene schnell und kompetent durch eine mit einem entsprechenden institutionellen Mandat ausgestattete städtische Antidiskriminierungsstelle unterstützt werden. Diese soll zugleich Fälle dokumentieren, einordnen und jährlich berichten.
Die Stadt Frankfurt fördert Anlässe und schafft Räume für Kontakte und regelmäßige Begegnungen. Zugleich soll der Zugang zu Informationen erleichtert und auch der Bekanntheitsgrad geltender Richtlinien und Gesetze erhöht werden. Wir wollen Kooperationen und Kontakte in den Stadtteilen und zwischen einzelnen Vierteln fördern. Mit Hilfe des Einsatzes neuer Kommunikationsmedien sollen auch die Menschen informiert und zusammengebracht werden, die sich durch ihr Berufsleben, andere Verpflichtungen oder durch eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten daran gehindert sehen, an Veranstaltungen teilzunehmen. Auf vielfalt-bewegt-frankfurt.de können neue Möglichkeiten für eine vermehrte Bürgerbeteiligung über das Internet geschaffen werden: als aktuelle Informationsquelle wie auch als Möglichkeit zur schnellen gegenseitigen Vernetzung.
Wir wollen verstärkt übergreifende Themen finden, zur Diskussion stellen und zum Anlass für Treffen machen, die verschiedene Gruppen und Menschen gleichermaßen betreffen und so ihr Engagement herausfordern. Die Stadt Frankfurt wird die Anerkennung der gesellschaftlichen Vielfalt in demokratischer Weise auch bei der Auswahl von Kooperationspartnern sowie in der qualifizierten Zusammensetzung städtischer Gremien, Kommissionen und Jurys spiegeln. Auch bei privaten Netzwerken in den Stadtteilen sollten gemeinsame Repräsentation und Entscheidungsfindung unterschiedlicher Gruppen unterstützt werden.
Die gut vernetzte Präventions- und Mediationsarbeit, insbesondere in den Frankfurter Stadtteilen, wird unterstützt und soll dazu beitragen, in Spannungen die sachliche Dimension von der emotionalen zu trennen und Konflikte handhabbar zu machen. Jede und jeder ist aufgefordert, durch ein offenes und zuvorkommendes Verhalten Missverständnissen vorzubeugen. Alle Bürgerinnen und Bürger sind gefordert, durch frühzeitige und transparente Information denen entgegenzutreten, die Gerüchte streuen oder Ängste schüren. Im Konfliktfall werden von allen Beteiligten klare Worte, ein verständnisvoller, fairer Umgang miteinander und eine sachliche Begründung bzw. vollständige Klärung gegenseitiger Vorwürfe erwartet.
Alle städtischen Stellen werden über Grundsätze und Ziele dieses Konzepts informiert, um auf ihrer Grundlage in Projektgruppen – und in Kooperation Maßnahmen abzustimmen und zu operationalisieren. Dabei sollen zugleich Aussagen über erforderliche Ressourcen getroffen werden und außerdem dargestellt werden, wie durch Vernetzung bessere Ergebnisse und ein besserer Mitteleinsatz erzielt werden können. Die Leitlinien dieses Konzepts sollen auch bei der Umsetzung städtischer Maßnahmen, bei der Förderung Dritter und bei drittfinanzierten Modellprojekten berücksichtigt werden.
Die Abstimmung verschiedener Dienststellen untereinander, Informationen über Kooperationen, Förderungen und Projekte wird über das Amt für multikulturelle Angelegenheiten als koordinierendes Fachamt unterstützt. Auf der Grundlage dieses Konzeptes können in Abstimmung mit den Fachämtern und Betrieben Kriterien für Zielvereinbarungen und Förderkriterien vereinbart werden, die zugleich Definitionen von Zielerreichung und Erwartungen an ein angemessenes Berichtswesen formulieren. Bei Modellprojekten sollten von vornherein Voraussetzungen für ihre Übertragbarkeit auf andere Fälle oder für die Zwecke einer flächendeckenden Versorgung berücksichtigt werden.
In dreijährigem Turnus koordiniert und redigiert das Amt für multikulturelle Angelegenheiten eine ämterübergreifende Integrationsberichterstattung, die über erzielte Erfolge und fortbestehende Aufgaben informiert sowie ggf. auf notwendige Änderungen in Zielsetzungen und Organisation hinweist. Die Integrationsberichterstattung sollte als Entscheidungsgrundlage für die Fortschreibung oder Neufassung von Handlungsplänen dienen können. Ein jährlicher Zwischenbericht, der vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten auf der Grundlage des Protokolls der Lenkungsrunde der Amtsleiter erstellt wird, informiert über zwischenzeitliche Zielsetzungen, Entwicklungen und möglicherweise erforderlichen Abstimmungsbedarf.
Eine vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten organisatorisch koordinierte Arbeitsgruppe begleitet mit Unterstützung der städtischen Fachämter und Betriebe eine einheitliche Konzeption, Weiterentwicklung und zentrale Dokumentation des städtischen Berichtswesens. Dies gilt auch für Kooperationen und Fördermaßnahmen. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten ist für das stadtweite Informationsmanagement im Bereich Integration und Diversität zuständig, mit dem Ziel, Vergleichbarkeit herzustellen und dem Auftrag, auftretende Lücken zu schließen.
Die Integrationsberichterstattung der Stadt Frankfurt wird durch ein Monitoring anhand ausgewählter Indikatoren ergänzt, das, soweit möglich und sinnvoll, die Anschlussfähigkeit zu Datensätzen von Land und Bund herstellt. Im Rahmen einer ämterübergreifenden Zusammenarbeit trägt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten koordinierend dazu bei, den Datenbestand zusammenzuführen, statistische Erhebungen und Auswertungen zu verbessern und zu vereinheitlichen, sowie ggf. sozialräumlich aufzubereiten.
Die Frankfurter Fachämter und Betriebe sollten die Ziele und Grundsätze dieses gesamtstädtischen Konzepts berücksichtigen. Eine abgestimmte und nach Möglichkeit gemeinsame Konzeption kann methodisch und inhaltlich Anschlussfähigkeit sicherstellen. Unter Federführung vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten werden im Rahmen einer organisatorisch koordinierten ämterübergreifenden Zusammenarbeit werden Studien und Gutachten gesammelt und gemeinsam auf Vergleichbarkeit und inhaltliche Lücken hin bewertet. Als zentrales Fach- und Informationsamt zu integrationspolitischen Fragestellungen fungiert das Amt für multikulturelle Angelegenheiten zugleich als zentrale Schnittstelle zur wissenschaftlichen Arbeit des Landes und des Bundes sowie anderer Einrichtungen.
Die Stadt Frankfurt wird in den Stadtteilen bestehende Veranstaltungs- und Beteiligungsformen weiter intensivieren und neue Möglichkeiten, bei unterschiedlichen Gruppen Interesse zu wecken, aktiv erproben und untersuchen. In Kooperation mit dem jeweiligen Ortsbeirat sollen Stadtteilkonferenzen, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenbringen, aktuelle Themen aufgreifen, die Selbstorganisation und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Stadtteil fördern, Missverständnisse und mögliche Konflikte abbauen sowie Leistungen und Veränderungen positiv vermitteln.
Ein jährlich vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten veranstalteter und umfassend angelegter 'Dialogtag' der Stadt Frankfurt soll sich in Anhörungen, Präsentationen und öffentlichen Angeboten dem Zusammenleben in unserer Stadt widmen, die Vernetzung der beteiligten Institutionen und ihren Kontakt zur Öffentlichkeit fördern sowie das Bewusstsein für Zusammenhänge und wechselseitige Abhängigkeiten in unserer Stadt stärken. Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verwaltung, die Freien Träger, Verbände, Vereine und bürgerschaftlichen Initiativen sind eingeladen, über Handlungsziele, Selbstverpflichtungen, Erfolge und Erfahrungen zu informieren.
Die Zusammenarbeit mit Frankfurter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, z.B. durch gemeinsame Forschungsprojekte, Studienkollegs und die Unterstützung von Studienvorhaben, kann die Arbeit der Stadtverwaltung unterstützen. Auch in Fachkonferenzen können lokale Entwicklungen in einem internationalen Bezug bewertet und Frankfurter Erfahrungen und Erfolge der internationalen Fachöffentlichkeit vermittelt werden. Die Stadtpolitik wird darauf hinwirken, dass Frankfurter Universitäten und Institute die Zusammenarbeit mit städtischer Politik und Verwaltung in ihren internen Leistungsbeurteilungen angemessen würdigen. Wir wollen ein regionales Kompetenznetzwerk aufbauen, nutzen und fördern, das geeignet ist, die Frankfurter Stadtentwicklung sowie die Umsetzung und Weiterentwicklung dieses Konzepts beratend zu begleiten.
Die Fachämter und Betriebe sollen vermehrt interdisziplinär und ämterübergreifend zu arbeiten, die Kompetenzen des Amts für multikulturelle Angelegenheiten bei allen Berichten, Angelegenheiten und Modellversuchen, die den Umgang mit Integration und Diversität betreffen, nutzen und seine Beteiligung sicherzustellen. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten berät in seiner Querschnittsarbeit Fortbildungsveranstaltungen und thematische Tagungen sowie den Erfahrungsaustausch der Stadtverwaltung mit anderen Einrichtungen.
In einer jährlichen Konferenz der Amtsleiter können strategische Ziele der einzelnen Fachämter und Betriebe, vorhandene Ressourcen, geplante und laufende Kooperationen und Fördermaßnahmen abgestimmt werden. Dabei können auch Jahresvorhaben und Berichte von Projektgruppen beraten werden, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Jahresbericht an die Stadtverordnetenversammlung vorzubereiten. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten leistet in Abstimmung mit den Fachämtern und Betrieben die Vor- und Nachbereitung und dokumentiert offene Fragen.
Handlungsfeldbezogene Projektgruppen der Stadtverwaltung sollen regelmäßig tagen und bei Bedarf externe Partner und Fachleute einbeziehen. Die strukturierte und ständige Kommunikation der verschiedenen Ämter sollte in einen kurzen Jahresbericht jeder Gruppe an die Lenkungsrunde der Amtsleiterinnen und Amtsleiter münden, der neben Erfolgen insbesondere auch offene und zu entscheidende Fragen beinhaltet. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten übernimmt als zentrale Geschäftsstelle der Frankfurter Integrationspolitik die Koordination und führt die Berichte fachlich zusammen.
Eine effiziente technische Unterstützung zur Information und Dokumentation, z.B. eine Intranet-Plattform, die in Teilen auch für externe Partner und die Öffentlichkeit zugänglich sein kann (z.B. auf www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de), soll die Kooperation und Koordination durch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten unterstützen. Die Maßnahmen städtischer Ämter und Kooperationspartner sollen dabei zentral und einheitlich dokumentiert werden. Die fachliche Abstimmung über die Kriterien kann in der Lenkungsrunde auf Amtsleitungsebene erfolgen.
Für die nötige Umsetzung der Grundsätze dieses Konzepts als einheitliche Kriterien für den Umgang mit Diversität in den einzelnen Dienststellen sollen die Fachämter und Betriebe für sie geeignete organisatorische Maßnahmen und Verfahren zu entwickeln und regelmäßig zu überprüfen. In seiner koordinierenden Querschnittsfunktion berät und unterstützt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten die Fachämter und Betriebe, wertet ihre Erfahrungen aus und berichtet im Rahmen der Integrationsberichterstattung.
Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten ist die koordinierende Fach- und Informationsstelle bei Fragen der Integration und Diversität mit einer koordinierenden Querschnittsfunktion. Es ist daher sinnvollerweise frühzeitig und umfassend zu informieren. Seine Arbeit mündet in die Koordination und Herausgabe des Integrations-und Diversitätsberichts als Berichterstattung über die Umsetzung dieses Konzepts. Durch eigene befristete Projektarbeit und Pilotverfahren erprobt das Amt neue Ansätze mit dem Ziel, Erfahrungen und Ergebnisse in die Regeleinrichtungen zu überführen.
In Umsetzung seiner koordinierenden Querschnittsfunktion bei Fragen der Integration und Diversität berät und unterstützt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten die Fachämter und Betriebe bei der Planung, Organisationsentwicklung und Aufgabenerfüllung. Es unterstützt organisatorisch und fachlich Projektgruppen und Sitzungen der Amtsleitungen zur Abstimmung von Vorhaben, von gemeinsamen Zielvereinbarungen und von Ressourcen. Das Amt unterbreitet dem Magistrat bei Bedarf und in Abstimmung mit den zuständigen Zentralämtern Vorschläge zur Ausgestaltung neuer Verwaltungsverfahren oder zur Veränderung bestehender Strukturen.
Mit seinen Fachleuten für verschiedene Sachfragen, Bevölkerungsgruppen und Religionsgemeinschaften ist das Amt für multikulturelle Angelegenheiten eine zentrale Anlaufstelle für neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger. Das Amt betreibt zudem als Antidiskriminierungsstelle Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit und geht gemeldeten Fällen von Diskriminierung nach. Mit neuen und zielgruppengerechten Formen der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, wie Hearings und kulturellen Veranstaltungen, leistet das Amt Beiträge zur Information der Bürger und zum Selbstverständnis Frankfurts als einer internationalen Bürgerstadt.
In den regelmäßigen Arbeitskontakten mit benachbarten Kommunen und Landkreisen soll ein eventueller Abstimmungsbedarf in integrationspolitischen Fragen früh erkannt werden. Die Gremien regionaler Kooperation und der kommunalen Interessenvertretung im Land Hessen wollen wir weiterhin für die wechselseitige Information und die Anliegen Frankfurts nutzen. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten wird die Kooperation mit Landesbehörden und dem Landesamt für Verfassungsschutz in Arbeitskreisen weiter intensivieren, um Erfahrungen auszutauschen und Regelungsbedarf wechselseitig anzumelden.
Wir wollen unsere Beteiligung an der Arbeit des Deutschen Städtetages nutzen, um integrationspolitische Erfahrungen und Anliegen zu kommunizieren. Fachliche Angebote und Arbeitsgruppen kommunaler Gemeinschaftseinrichtungen, wie der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) in Köln und des Instituts für Urbanistik in Berlin, wollen wir verstärkt nutzen und mitgestalten. Auch die Kooperation mit Forschungsinstituten und Universitäten aus dem ganzen Bundesgebiet trägt dazu bei, Frankfurter Positionen und Erfolge nach außen zu vermitteln. Integrationspolitische Hindernisse, die durch eine Gesetzgebung des Bundes oder eine veränderte Verwaltungspraxis der Bundesbehörden überwunden werden könnte, wollen wir identifizieren und thematisieren.
Die Stadt Frankfurt wird ihre integrationspolitischen Erfahrungen und kommunalpolitischen Interessen in den Gremien und Netzwerken kommunaler Selbstverwaltung vertreten. Der Erfahrungsaustausch mit unseren Partnerstädten und in internationalen Städtenetzwerken soll gestärkt und für die eigene Arbeit genutzt werden. Wir wollen die internationale Rolle und Bekanntheit Frankfurts als weltoffenen Standort stärken und vermitteln.
Die Stadt Frankfurt wird die institutionelle Zusammenarbeit mit privaten Partnern weiter vertiefen und in einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch verstetigen. Die ständige Zusammenarbeit mit Verbänden, Kammern und Religionsgemeinschaften soll auch dazu dienen, allen bewusst zu machen, dass es im öffentlichen Raum der Stadt Frankfurt nicht Auftrag der öffentlichen Verwaltung ist, das gesamte Leben der Bürgerinnen und Bürger zu regeln und zu prägen. In der Zusammenarbeit mit deutschen und fremdsprachigen Medien wollen wir eine transparente Informationspolitik fortsetzen und auf eine ausgewogene Berichterstattung hinwirken.
Zwischen den beteiligten Ämtern und Kooperationspartnern werden Maßnahmen, Förderungen und Kooperationen regelmäßig daraufhin überprüft, inwiefern sie die Vielfalt unserer Stadt, ihr öffentliches Leben und ihre Geschichte als gemeinsamen Bezugspunkt für unterschiedliche Erfahrungen sichtbar werden lassen. Auf allen Politikfeldern werden als übergeordnetes Ziel Begegnungen und gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten verschiedener Gruppen und Generationen gefördert und zwar stets unter Bedingungen von Gleichberechtigung sowie mit dem Ziel, gemeinsame Grundlagen zu betonen und zu formulieren. Dafür sind in jedem Ressort wie auch in ämterübergreifender Abstimmung auch neue Wege zu prüfen, die geeignet sind, Menschen zu informieren und zu erreichen. Offizielle Veranstaltungen und Feiern, Repräsentation und Verlautbarungen, Stadtteilfeste und ähnliche Anlässe sind daraufhin auszurichten, ein gemeinsames Selbstverständnis und gegenseitiges Verständnis unterschiedlicher Gruppen dauerhaft zu fördern mit dem Ziel, einander respektvoll und vorurteilsfrei zu begegnen.
In allen Politikfeldern sind Maßnahmen und Entwicklungsplanungen danach zu beurteilen, inwiefern sie neben der Erfüllung von Sachaufgaben eine Beteiligung und ein städtisches Zusammengehörigkeitsgefühl unterschiedlicher Menschen tatsächlich ermöglichen. Dafür sind übergreifende Themen hilfreich, welche unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise betreffen und die daher geeignet sind, ein gemeinsames Engagement oder ein geteiltes Selbstverständnis als weltoffene Stadt zu fördern. Es soll ein grundlegender Ansatz für städtische Maßnahmen und Kooperationen werden, Probleme und Sorgen einzelner Gruppen anderen zu vermitteln und zu einem gemeinsamen Anliegen aller zu machen: Dabei ist von allen Beteiligten zu berücksichtigen und als Ansatz von Integrationspolitik zu nutzen, dass soziale 'Gruppen' nicht geschlossen, sondern offene Beziehungsgeflechte sind, an denen Menschen aufgrund von Interessen und Überzeugungen, Lebensweg, Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung, sozialer Situation oder Familiengeschichte in einer Vielfalt von Bezügen teilhaben: Die offizielle Repräsentation unserer Stadt und einzelne Kampagnen können hier ansetzen, um integrativ zu wirken. Wir wollen umgekehrt darauf hinwirken, dass alle Bevölkerungsgruppen sich von Vorurteilen, Fundamentalismus und Rassismus abgrenzen, in Zweifelsfällen und Konflikten von sich aus das Wort ergreifen und auf Gemeinsamkeiten hinarbeiten. Abstimmung mit anderen Akteuren. Den Charakter Frankfurts als weltoffene und durch viele regelmäßige Begegnungen lebendige Stadt zu betonen, fördert das Zusammenleben und erleichtert ihnen zugleich die Identifikation mit unserer Stadt. In der Aktivierung vieler unterschiedlicher Gruppen ist die Stadtverwaltung allein jedoch überfordert: Es bedarf des Zusammenwirkens mit vielen Vereinen und persönlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Solche Kooperationen sind zu fördern und positiv zu kommunizieren. In der Außendarstellung Frankfurts ist die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden und Kammern, für die eine erfolgreiche Politik der Vielfalt und Integration ein wichtiger Standortfaktor ist, zu vertiefen. In der Zusammenarbeit mit der Landesregierung wollen wir auch in den Außenbeziehungen des Landes Hessen die besondere Rolle Frankfurts betonen.
Es gilt sicherzustellen, dass Menschen sich in Frankfurt schnell zurechtfinden und rasch gute Kontakte finden. Dafür haben die beteiligten Fachverwaltungen in abgestimmten Einzelmaßnahmen, Materialien und Veranstaltungen zielgruppenspezifische Angebote unterbreiten, für Arbeitnehmer und privat Zuziehende, für Studierende, Wissenschaftler und Künstler. Nicht nur die Anmeldung in Frankfurt muss zu einer Geste des Willkommens werden, es kann auch hilfreich sein, Informationen und Kontakte für Menschen bereitzustellen, die erst noch erwägen, in unsere Stadt zu ziehen. Die direkte Ansprache kann am ehesten am Arbeitsplatz, in Kooperation mit dem Arbeitgeber oder im Stadtteil, z.B. in Kooperation mit dem Ortsbeirat, gelingen, während zentrale Veranstaltungen Aufmerksamkeit und Informationen bündeln können. Aus Regelmaßnahmen des Bundes, z.B. den sog. Integrationskursen oder dem Verfahren für Flüchtlinge und Asylbewerber, sollen bessere Übergänge ins städtische Leben vermittelt werden.
Frankfurt will eine attraktive und dynamische Stadt sein. Wir haben uns daher auch an den Erwartungen derer zu orientieren, die zu uns kommen wollen. Maßnahmen und Informationspakete sind ein guter Anfang, sie sind aber ebenso wie die Kommunikationskanäle auf die jeweiligen Zielgruppen zuzuschneiden. Dabei sind seitens der Verwaltung und in Partnerorganisationen besondere Zugänge zu ermöglichen, ggf. Öffnungszeiten anzupassen oder auch Informations- oder Thementage zu organisieren. Auch Angebote im Wohnumfeld, die über den Stadtteil, seine Infrastruktur und Angebote sowie über Möglichkeiten zu privatem Engagement informieren, sollten die faktische Heterogenität der Zielgruppen berücksichtigen.
Die Anerkennung neu Hinzuziehender als gleichberechtigte Partner setzt umgekehrt auf ihrer Seite die gleiche Wertschätzung unserer Stadtgesellschaft und ihrer gemeinsamen Geschichte und Werte voraus. Die gemeinsame Beteiligung von Bürgern verlangt Respekt gegenüber unterschiedlichen Weltanschauungen und Lebensweisen ebenso wie den Schutz vor Benachteiligung. Nicht nur bei der Ankunft von neuen Einwohnerinnen und Einwohnern haben Politik und Verwaltung vorbildhaft eine Kultur der Wertschätzung zu pflegen, sondern dauerhaft: sowohl Einzelnen wie auch gemeinsamen Zugehörigkeitsgefühlen gegenüber. Die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern hat dies zu berücksichtigen. Wertschätzung kann dann auch darin bestehen, in einer in Frankfurt bislang wenig bekannten Sportart oder kulturellen Tradition Unterstützung und öffentliche Aufmerksamkeit zu erfahren. Gleiches gilt von der Würdigung von Feiertagen und Gedenktagen. Ehrenamtlicher Einsatz oder besondere Leistungen sollen gewürdigt und kommuniziert werden, um als Vorbilder und Anregung wirken zu können. Wertschätzung besteht gleichermaßen darin, Menschen nicht in erster Linie als Mitglieder von Gruppen mit vermuteten kollektiven Eigenschaften, sondern als gleichberechtigte Individuen zu sehen, sowie darin, soziale Probleme, Sorgen im Alltag und Ängste ernst zu nehmen und die Öffentlichkeit transparent zu informieren. Abstimmung mit anderen Akteuren. Um genauer zu wissen, wer zu uns kommt, und auf Erwartungen und Bedürfnisse besser einzugehen, wollen wir mit Arbeitgebern zusammenarbeiten, aber auch mit Partnerorganisationen in den einzelnen 'Communities', Religionsgemeinschaften, Sportvereinen und Sozialverbänden. Wir möchten diese Partner für den Aufbau einer Willkommenskultur sensibilisieren und bestehende Ansätze in ein umfassendes Netzwerk integrieren. Die Kooperation mit den Medien ist auszubauen.
Eine Stadt lebt von vielfachen Netzwerken, organisierten und informellen – in Vereinen, im Geschäftsleben oder auch in der Freizeit – sowie vom Engagement in Nachbarschaften und Gemeinden. Wir haben unsere Förderstrukturen, Kooperationen und eigenen Projekte daraufhin zu untersuchen, inwiefern sie solche Netzwerke stärken und vergrößern, indem neue Mitglieder angesprochen, integriert werden und selbst Gelegenheit zur Mitgestaltung erhalten. Daher ist nicht nur die Selbstorganisation und Öffnung von Organisationen zu unterstützen. Wir möchten vielmehr insbesondere solche Maßnahmen anstoßen, die geeignet sind, ein Nebeneinander von Organisationen zugunsten gemeinsamer Mitgliedschaft oder gemeinsamer Vorhaben zu überwinden. Dabei sind auch Migrantenorganisationen weiter zu fördern und ihr Beitrag als Brückenbauer sichtbar zu machen.
Die meisten Bürger bringen sich gerne bei Maßnahmen ein, von denen sie betroffen sind. Viele brauchen dafür aber direkte Ansprache und erwarten gerade anfangs Unterstützung. Wir wollen in Sachfragen, die die Öffentlichkeit betreffen, neue Anspracheformen finden, die eine breitere Beteiligung der gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen. Bei der Berufung von Beiräten, Gremien und Jurys sollte z.B. darauf geachtet werden, die Zahl von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen sowie von Fachleuten zu erhöhen, die in der Lage sind, Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen zu beurteilen. Die Fachverwaltungen sollten grundsätzlich prüfen, inwiefern es dienlich ist, Maßnahmen Anhörungen vorausgehen zu lassen, und dann darauf achten, dass dabei nicht einzelne Gruppen, sondern eine breite Öffentlichkeit erreicht wird. In Frankfurt engagieren sich viele gut organisierte Netzwerke, zum Teil in Form von 'runden Tischen'. Um diese Potenziale zu nutzen, wollen wir den Austausch solcher Initiativen weiter unterstützen insbesondere zu Themen, die verschiedenen Gruppen gleichermaßen wichtig sind. In der Nachbarschaft oder in Organisationen, z.B. in Vereinen oder Rettungsdiensten, gilt es, das Ehrenamt unterstützen und dafür zu werben. Die einheitliche Behördenrufnummer könnte ggf. zu einem umfassend im Umgang mit Diversität geschulten Informationszentrum ausgebaut werden, das Anregungen entgegennimmt und weiterleitet. Die Beteiligung der Bürger über das Internet und die Förderung von Austausch und Information im virtuellen Raum verdient besondere Beachtung.
Demokratie braucht Demokraten und jede Stimme. Eine stärkere Einbindung von Migrantinnen und Migranten in stadträumliche und weitergehende politische Entscheidungen ist geboten. Wir wollen den Willen zur Einbürgerung nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei älteren Ausländerinnen und Ausländern fördern. Das damit verbundene Wahlrecht ist nur eine Möglichkeit der politischen Partizipation neben der Mitarbeit in Initiativen, Parteien oder Gewerkschaften, Dachverbänden oder Gemeinden. Es ist offen zu diskutieren, welche unterschiedlichen politischen und verfassungsrechtlichen Argumente für oder gegen ein allgemeines kommunales Wahlrecht vorgebracht werden, über das auf Bundesebene entschieden werden muss. Auch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie Unionsbürgerinnen und Unionsbürger, auch diejenigen, die nur mit der Aussicht auf einen vorübergehenden Lebensabschnitt nach Frankfurt kommen, sind verstärkt anzusprechen und für ihren Stadtteil und diese Stadt zu interessieren. Durch Ansprache und Information ist sicherzustellen, dass Unionsbürgerinnen und -bürger, denen volle kommunale Beteiligungsrechte bereits zustehen, diese auch vermehrt wahrnehmen.
Unsere demokratische Rechtsordnung ist nicht nur ein System von Rechten und Pflichten, sondern beschreibt auch Standards für Verfahren und Entscheidungsfindungen. Eine erfolgreiche Mitwirkung setzt das Wissen voraus, worum es geht, wie man sich engagieren kann und was aus Vorschlägen wird. Beteiligung verlangt von jeder und jedem – und zumal von neu Hinzuziehenden – außerdem, zu überprüfen, inwiefern bisherige Erwartungen und Verhaltensweisen für das urbane Leben Frankfurts angemessen sind und der politischen Kultur unseres Landes entsprechen. Die Stadt Frankfurt möchte in allen Handlungsfeldern die Öffentlichkeit über Entwicklungen, Maßnahmen und anstehende Entscheidungen sachgerecht so informieren, dass unterschiedlichen Gruppen möglichst erreicht werden. Wir wollen gewählte oder faktische Repräsentanten als Multiplikatoren zusammenzubringen und in der Zusammenarbeit zu schulen. Die Stadt Frankfurt wird gegen Organisationen oder informelle Gruppen, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt entgegenwirken, alle juristischen und politischen Möglichkeiten nutzen.
Die Stadt Frankfurt erkennt an, dass in einer modernen, vielfältigen Stadtgesellschaft auf allen Seiten ein Festhalten an vertrauten Strukturen – lokalen, regionalen wie auch an anderen Traditionen – helfen kann. Auch das Praktizieren eines religiösen Bekenntnisses kann bei der gesellschaftlichen Standortbestimmung jeder und jedes Einzelnen helfen. Wir wollen Sorgen und Ängste identifizieren und ernst nehmen. Im Ausgleich widerstreitender Interessen wird die Stadtpolitik verstärkt kommunizieren, dass auch Konflikte und Streitfälle auf einen gemeinsamen Bezugspunkt hinweisen und nicht von vornherein als ein Zeichen scheiternder Integration zu werten sind. In der Zusammenarbeit mit Gruppen, die sich kulturell oder religiös definieren, wollen wir dies respektieren, zugleich jedoch vermitteln, dass mangelnde Begegnung Vorurteile und Missverständnisse begünstigt und einem guten Miteinander entgegensteht. Es gilt, aktuelles Wissen über unsere moderne Gesellschaft und ihre Möglichkeiten für jede und jeden Einzelnen zu vermitteln und die Öffnung anderen gegenüber anzumahnen und zu fördern. Abstimmung mit anderen Akteuren. Eine aktive politische Partizipation aller Einwohnerinnen und Einwohner Frankfurts ist wünschenswert. Eine mögliche Ausweitung von Bürgerbegehren, die Einführung eines allgemeinen kommunalen Wahlrechts, vereinfachte Einbürgerungsverfahren und die ver mehrte Hinnahme von Doppelstaatlichkeit sowie Beteiligungsrechte von Geduldeten und Flüchtlingen werden auf Bundesebene geregelt. In der Zusammenarbeit mit Landes- und Bundesbehörden wird die Stadt Frankfurt Entscheidungsspielräume ausloten und nutzen. Wir wollen in ausgewogener Weise deutsche und fremdsprachige Medien partner gewinnen, um unseren Einwohnerinnen und Einwohnern bessere Informations möglichkeiten und Artikulationschancen zu vermitteln. Dachverbände und Vereinsringe wollen wir ermutigen, neue und andere Mitgliedsorganisationen aufzunehmen. Der Rat der Religionen Frankfurt ist für uns das zentrale Gremium für einen unabhängigen interreligiösen Dialog sowie für die Zusammenarbeit in Alltagsfragen, die unterschiedliche Bekenntnisse betreffen.
In Frankfurt werden Entwicklungen früher sichtbar und wirksam als andernorts. Die Stadt Frankfurt wird integrationspolitische Aspekte der Stadtent wicklung in Demographie, Wirtschaftsstruktur und Raumentwicklung in fortlaufenden Studien und Stadtentwicklungsberichten in öffentlicher Information und für die gemeinsame Entscheidungsfindung aufbereiten. Wir wollen das Leitbild des Netzwerkge dankens durch eine abgestimmte Formulierung von Strategien einzelner Politikfelder verfolgen. Ob in Stadtplanung und Wirtschaftsförderung, in der Verkehrspolitik, bei Infrastrukturmaßnahmen oder im Umweltschutz, bei sozialen Maßnahmen oder bei kulturellen Angeboten – es ist stets das übergeordnete Gesamtbild der Einheit einer viel fältigen Stadt zu berücksichtigen und die Zumessung von Ressourcen an den unter schiedlichen Bedürfnissen einer vielfältigen Bevölkerung auszurichten.
Wir wollen in den einzelnen Stadteilen die Vielfalt und das gemeinsame Verantwortungsbewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner fördern. Dabei ist es das Ziel der Stadtpolitik, bestehende Projekte zu vernetzen und Doppelstrukturen entgegenzuwirken. Einer einseitigen Wahrnehmung von Stadtteilen sowie einem möglichen Gefühl, ein Ungleichgewicht an Lasten tragen zu müssen, soll entgegengewirkt werden. Im Rahmen politischer Möglichkeiten in einem freien Miet- und Wohnungs markt wollen wir darauf achten, dass sich unterschiedliche Gruppen gleichermaßen auf die Stadtteile verteilen oder dass besondere Maßnahmen ausgleichend ausgleichend wirken. Die Frage sakraler Neubauten oder von Versammlungsräumen größerer Gruppen, insbesondere von Moscheen, erfährt oft besondere Aufmerksamkeit und Ablehnung. Das legitime Recht der Bauherren ist verstärkt in einem allgemein bekannten, transparenten und geordneten Verfahren zu behandeln, das zugleich berechtigte Anliegen der Nachbarn berücksichtigt und den Bauantrag im näheren Siedlungsumfeld wie auch im gesamtstädtischen Kontext beurteilt. Durch Aufklärung und Hilfestellungen wollen wir dafür sorgen, dass Gemeinden und Nachbarn sich als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptieren und begegnen können.
Der Charakter einer internationalen Bürgerstadt mit vielen Lebenslagen kann sich in öffentlicher Kunst, durch die Benennung von Räumen und Gebäuden sowie durch eine einladende Gestaltung ausdrücken, die im raschen Alltag und Nebeneinander zum gemeinsamen Verweilen einlädt. Unsere Straßen, Plätze und Grünanlagen, aber auch öffentliche Gebäude, sind nicht nur Bewegungsraum und Aufenthaltsraum, sondern auch identitätsstiftende Symbole un seres Gemeinwe sens. Sie können zugleich Begegnung und Selbstdarstellung unterschiedlicher Gruppen fördern und ausdrücken. Um das Heimatgefühl und Sicherheitsempfinden aller zu bewahren und zu fördern, haben alle Seiten nicht nur rücksichtsvoll zu agieren, sondern gemeinsame verbindliche Rahmenbedingungen anzuerkennen.
Stadtviertel, deren Bewohnerinnen und Bewohner geringere finanzielle Möglichkeiten haben, in denen es Anzeichen dafür gibt, dass soziale und ethnische Segregation, Benachteiligungen und eine geringe Bildungsbeteiligung zusammenkommen, benötigen besondere Infrastrukturangebote im Wohnumfeld, in Schulen, Kindertagesstätten, Beratungs- und Begegnungszentren. Modellprojekte sollen dort bevorzugt eingesetzt und Fördermaßnahmen dort begonnen werden. Wir wollen die Vielfalt der Gewerbestruktur als einen zentralen Bestandteil des lokalen Wirtschaftslebens zur positiven Imagebildung nutzen. Die wahrgenommene öffentliche Sicherheit und Ordnung beeinflussen die Lebensqualität in allen Stadtteilen. Daher wollen wir in Zusammenarbeit mit städtischen Partnern die Netzwerkarbeit zur Prävention besonders fördern.
Die stadträumliche Verteilung unserer Bevölkerung verläuft nicht entlang von Herkunftsgruppen, sondern in erster Linie aufgrund ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit und sozialen Mobilität. In der Wohnungspolitik sind vielfältige und auch als unkonventionell angesehene Bedürfnisse unserer Bevölkerung zu berücksichtigen sowie gemeinschaftliches, generationen übergreifendes Wohnen zu fördern. Mit dem ›Frankfurter Vertrag‹ hat die Stadt Frankfurt frühzeitig ein Instrument für eine sozial verträgliche Belegungspolitik entwickelt, dessen Anwendung fortlaufend ange passt wird. Im stadteigenen Wohnungsbestand wollen wir weiterhin durch geeignete Modernisierung das Zusammenleben fördern. In der Zuweisung von Wohnungen wollen wir das Kriterium einer ›angemessenen Wohnung‹ differenziert und auf unterschiedliche Bedürfnisse angepasst anwenden. Abstimmung mit anderen Akteuren. Bauherren und Architekten, die für Bauten und öffentliche Platzgestaltungen ein Urheberrecht geltend machen können, sind für unter schiedliche Sichtweisen und Ansprüche zu sensibilisieren. In Kooperation mit Eigentümervereinen und Mietervertretungen wollen wir unterschiedliche Bevölkerungsgruppen über Wohngelegenheiten, unterschiedliche Stadtteile, aber auch rechtliche rechtliche Regelungen informieren. In Zusammenarbeit mit Land und Bund wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, das Wohnungseigentum weiterer Gruppen zu fördern. Schlichtungsstellen in Mietangelegenheiten wollen wir in Fragen interkultureller Kommunikation unterstützen.
Es ist sicherzustellen, dass sich Menschen schnell und wohnortnah informieren und beteiligen können. Dafür wollen wir in Kooperation mit Ortsbeiräten, ehrenamtlichen Engagierten und Stadtteilinitiativen gemeinsame Anlaufstellen in den Stadtteilen an öffentlichen und oft besuchten Orten ausbauen, die eine regelmäßige Ansprache gewährleisten, im Bewusstsein der Einwohnerinnen und Einwohner präsent, gut erreichbar und angemessen ausgestattet sind. Dafür sind geeignete Orte in den Stadtvierteln zu identifizieren, an denen Menschen sich regelmäßig und auf Augenhöhe begegnen können, solche Plätze auszugestalten, in Maßnahmen verstärkt zu nutzen und auch anderweitig zu fördern. Auch die barrierefreie virtuelle Kommunikation und Information gilt es verstärkt zu ermöglichen, die nicht nur für jüngere Generationen, sondern auch für Berufstätige oder für Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten wichtig ist. In der Kommunikation der Stadtpolitik mit der Öffentlichkeit kommt den Ortsbeiräten, ihren Bürgersprechstunden und öffentlichen Sitzungen eine besondere Bedeutung zu. Auch die öffentliche Rolle von Stadtbezirksvorsteherinnen und Stadtbezirksvorstehern als Ehrenbeamten des Magistrats und sowie die bestellter Schiedspersonen ist zu stärken; unterschiedliche Menschen sind für solche Ämter zu gewinnen. Ergebnisse einer sozialräumlich ausgelegten Datenerhebung und Forschung sind geeignet, die Willensbildung vor Ort zu unterstützen.
Viele Themen bieten Gelegenheit, dafür zu sorgen, dass in Stadtteilen und bei allen Einwohnerinnen und Einwohnern das Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung entsteht, in der jede und jeder mit Respekt am Leben der Nachbarn Anteil nimmt. Wahrgenommene und tatsächliche ›Parallelgesellschaften‹ sollen verhindert werden. Dabei ist zwischen selbst gewählter und unfreiwilliger Segregation zu unterscheiden: Sog. ›ethnische‹ Segregation ist häufig nicht die Ursache, sondern eine Auswirkung sozialer Benachteiligungen oder eine Folge der Lage auf dem Wohnungsmarkt. Menschen suchen sowohl die Nähe derjenigen, die ähnliche Erfahrungen teilen, wie auch ihren eigenen Lebensweg und beruflichen Aufstieg in die Gesellschaft, der sie aus dem eigenen Umfeld wegführen kann. In der Planung gestalterischer Ansätze oder politischer Einzelmaßnahmen und Projekte wollen wir mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeitenbund dabei unterschiedliche Gruppen zur gleichberechtigen Teilnahme ermuntern. Viele Menschen sehen in unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten eine besondere Hürde oder Belastung des gemeinsamen Zusammenlebens. Information und die Unterstützung von Begegnung können dazu beitragen, dass andersgläubige Menschen einander offen begegnen und sich nicht in verschlossene Räume zurückziehen. Von den Religionsgemeinschaften erwarten wir Respekt gegenüber einem andersgläubigen Umfeld und dem neutralen öffentlichen Raum und seiner gewachsenen sozialen Struktur und Geschichte. Da Begegnungen in der Nachbarschaft weitergehende Kontakte oft nur bedingt befördern oder beeinflussen, haben wir diese Arbeit gezielt um gesamtstädtische Ansätze in allen Handlungsfeldern zu ergänzen. Eine erwiesenermaßen zentrale Rolle spielt ein gemeinsamer Besuch von Eltern-Kind-Gruppen, Kindertagesstät ten, Schulen und Freizeitangeboten, die wir dabei un terstützen werden, sich ihrerseits an der gewachsenen Vielfalt im Familienleben zu orientieren.
Wir wollen anerkennen und abwägen, welche produktive Rolle traditionelle oder ethnische Netzwerke in Integrationsprozessen spielen können. Verwandtschaft, Freunde und langjährige Bekannte bieten Gefühle der Geborgenheit und Anerkennung. Vereine und Netzwerke sind jedoch zu ermuntern, neue und andere Mitglieder aufzunehmen und ihre Angebote, Aktivitäten und Strukturen entsprechend weiterzuentwickeln. Durch die Zahl ihrer Mitglieder und ein viele Menschen ansprechendes Angebot haben die Sportvereine eine besondere Rolle, die wir weiter fördern wollen. Aber auch im Sport ist Diskriminierungen wegen Herkunft, sozialem Status, Religion oder sexueller Orientierung entgegen zuwirken. Auch nicht vereinsgebundene Sportarten und Individualsportarten kleinerer Gruppen sind in ihrer gemeinschaftsbildenden Funktion zu unterstützen. Auch beliebte Sportarten aus anderen Ländern sollten bei der Suche nach Spielflächen, in Nutzungskonflikten, durch Veranstaltungen und öffentliche Anerkennung unterstützt werden. Abstimmung mit anderen Akteuren. In der Stadtteilarbeit sind organisierte Interessen auch mit den Anliegen derer abzuwägen, die sich nicht äußern. Gerade Gruppen oder Menschen, die sich verunsichert auf sich selbst zurückziehen, finden oft nicht den Weg zu Beratungsstellen oder zu städ tischen Einrichtungen. Die Arbeit der vielen Verbände, Gemeinden und Stadtteilinitiativen, Elterngruppen und Kulturzentren, der Präventionsräte und nicht zuletzt der Polizei ist für unser Zusammenleben als Unterstützung und Informationsquelle unverzichtbar. Aber auch Mieter- und Eigentümervereine, Ladeninhaber und Arbeitgeber, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen können wichtige Unterstützung leisten. Zum Wohle unserer Stadtteile haben wir alle gemeinsam Gerüchten oder von Vorurteilen geprägter Aufregung sachlich entgegenzutreten.
In der Frühförderung reichen Einzelmaßnahmen nicht aus; es bedarf vielmehr eines ganzheitlichen Ansatzes. Spracherwerb, zumal der von Deutsch als Zweitsprache, kann nicht allein durch Unterrichtsstunden gelingen, sondern muss das Lebensumfeld und die Umgebungssprachen der Kinder berücksichtigen. Früher Deutscherwerb anderssprachiger Kinder ist daher durch die Förderung deutschsprachiger Kontakte in ihrer Umgebung zu ergänzen. Spracherwerb wird durch eine stabile und harmonische Lebenssituation gefördert so wie durch natürliche Lernsituationen. Wir wollen daher auch übergreifende Formen wie z. B. Eltern-und-Kind-Kurse, Nachmittagsgruppen und Spiel- oder Lesegruppen fördern, Erziehungsberechtigte und Familienstärken und auch selbst fortbilden.
Der Erwerb einer fremden Sprache fordert von den Lernenden große Anstrengungen und verlangt geeignete Unterstützung. Spracherwerb ist daher fortlaufend zu begleiten. Dabei sind in der Konzeption von Maßnahmen und Angeboten Übergangssituationen in der Bildungs- und Berufsbiographie besonders zu berücksichtigen. Die Stärkung berufsbezogener Deutschkenntnisse für einen erfolgreichen Übergang zwischen Schule und Ausbildung bzw. Schule und Beruf muss unsere besondere Aufmerksamkeit finden. Für Kinder und Jugendliche können Patenschafts- und Ferienprojekte den Zugang zu Sprachen verstetigen und intensivieren. Besondere Aufmerksamkeit erfordert der weitere Spracherwerb von Erwachsenen mit einer unterbrochenen Bildungsbiographie; in besonderen Fällen gehören dazu auch Alphabetisierungskurse. Frauen, die nach einer längeren Kindererziehung neue Kontakte oder den Weg zurück ins Berufsleben suchen, verdienen unsere besondere Unterstützung. Bei der berufsbezogenen Sprachförderung wollen wir berücksichtigen, dass in vielen Berufen – und zumal in Frankfurt – Fremdsprachenkenntnisse erforderlich oder hilfreich sind. Auch die ältere Generation, die in einem langen Arbeitsleben keine Gelegenheit hatte, ihre Deutschkenntnisse auszubauen, wollen wir durch neue Angebote unterstützen.
Angesichts der Frankfurter Realität wollen wir den unverzichtbaren Deutscherwerb und die faktische Mehrsprachigkeit einer wach senden Zahl von Frankfurter Familien nicht als Gegensatz betrachten oder gar argumentativ gegeneinander ausspielen. Muttersprachen sind kostenlose Bildung. Mit den Sprachen, die Eltern am besten können, vermitteln sie erzieherische Autorität, kulturelle Bildung und intellektuelle Werte. Angemessene Deutschkenntnisse sind ein wesentlicher Schlüssel zu Erfolg und Teilhabe an unserer Gesellschaft. Zum erfolgreichen Deutscherwerb gehört, zu mal wenn das Erlernen der deutschen Sprache spät einsetzt, die Begleitung eines kontinuierlichen Lernprozesses. In Frankfurt gehört dazu aber auch oft die Aufgabe, einen Sprachwechsel behutsam und verständnisvoll so zu gestalten, dass der bisherigen Sprache und der mit ihr verbundenen Identität Anerkennung widerfährt. Mehrsprachigkeit gelingt nicht von al lein, im Schulalter ist zumal der Schrifterwerb eine zusätzliche Belastung. Kinder, die mehrere Muttersprachen nicht richtig erwerben, bedauern dies oft später im Leben als verpasste Chancen, können das Versäumte aber nicht mehr ausgleichen. Bildungsstand und Sprachvermögen, Engagement, finanzielle Möglichkeiten und die verfügbare Zeit von Eltern beeinflussen den Erfolg ebenso wie eine geeignete oder fehlende Unterstützung durch die Umgebung und das Bildungssystem. Unerfahrene Eltern sehen in Mehrsprachigkeit nicht nur einen Schatz, sondern auch eine Belastung in der Sorge, etwas falsch zu machen. Erziehungsberechtigte sind daher in der Förderung mehrsprachiger Kinder früh zu unterstützen. Kindertageseinrichtungen und Schulen sind auf einen kompetenten Umgang mit Mehrsprachigkeit vorzubereiten.
Die Stadt Frankfurt setzt sich dafür ein, dass es in der Stadt ausreichend und qualitativ hochwertige Angebote an Deutschunterricht für Erwachsene gibt. Sie unterstützt die Durchführung der Integrationskurse des Bundes und ergänzt Information und Beratung für eine Teilnahme. Für einige Zielgruppen sind diese Angebote in Niveau und Teilnehmergruppen oder aufgrund besonderer Lernerfahrungen und Lebensbedingungen nicht direkt zu gänglich. Für diese Gruppen sind die erfolgreichen Angebote städtischer und privater Träger weiterzuentwickeln. Interessierte wissen bisweilen wenig über existierende Angebote. Viele, die Unterstützung im Deutscherwerb benötigen würden, haben Schwierigkeiten, ihr Leben auf die Ansprüche eines anstrengenden Unterrichts einzustellen oder können sich entsprechende Fortbildungen nicht leisten. Informationen über Sprachkurse und mögliche Unterstützung sind daher so zugestalten, dass sie die Zielgruppen erreichen und ansprechen.
Ausreichende Kenntnisse in der Sprache des Bildungssystems sind eine entscheidende Voraussetzung für den Schuler folg. Es ist sicherzustellen, dass alle Kinder bei der Einschulung über angemessene Deutschkenntnisse verfügen. Wir wollen dafür auch Methoden, Instrumente und einen guten Zeitpunkt für mögliche altersgerechte Sprachstandsmessungen für alle Kinder prüfen, die der Vielgestaltigkeit individuellen Spracherwerbs, dem sozio-ökonomischen Hintergrund und der sprachlichen Herkunft Rechnung tragen. Es ist insbesondere zu prüfen, inwiefern punktuelle Tests durch eine ganzheitliche und längerf ristige Beobachtung und Dokumentation der Kommunikationsfähigkeit ergänzt werden müssen. Für Kinder, die einen besonderen Sprachförderbedarf aufweisen, müssen geeignete und nicht diskriminierende Fördermaßnahmen vorhanden sein.
Sprachen müssen gesprochen werden, zumal zwischen Muttersprachlerinnen bzw. Muttersprachlern und Lernenden. Dies erfordert manchmal Geduld und Verständnis sowie die Akzeptanz anderer Akzente und Ausdrucksweisen. Wir wollen sicherstellen, dass Kommunikation tatsächlich stattfindet und dass sich zumal Deutschlernenden dafür ausreichend Bezugspunkte und Gelegenheiten bieten, bei denen sie sich wohl, gleichberechtigt und ernst genommen fühlen. Aktivitäten im Stadtteil, Bürgerversammlungen oder die Angebote öffentlich subventionierter Kulturinstitutionen bieten dafür viele Gelegenheiten, sind aber auch daraufhin auszurichten, ggf. mitgezielten, respektvollen Hilfestellungen. Räume und Anlässe für Mehrsprachigkeit sollen zugleich niedrigschwellige Zu gänge zum Gebrauch der deutschen Sprache fördern. Durch praktische Handreichungen und Fortbildungen kann die Sensibilität der Bevölkerung für besondere Lernsituationen im Spracherwerb gefördert werden. Abstimmung mit anderen Akteuren. Spracherwerb gelingt letztlich nicht in Unterrichtszimmern oder Lerngruppen, sondern im wirkli chen Miteinander. Dafür wollen wir Initiativen und Institutionen im Umfeld der Lernenden vernetzen und Anlässe zum kontinuierlichen Spracherwerb von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen schaffen: Sprachen lernt man am besten gemeinsam. Wir benötigen daher die Hilfe von Vereinen, sprachlichen ›Communities‹, von Vermietern und Arbeitgebern, um dafür zu sorgen, dass auch im sozialen Umfeld von Lernenden, ihren Freunden und Verwandten die anspruchsvolle Lernsituation akzeptiert und unterstützt wird. Wir wollen für die Bedeutung des deutschen Spracherwerbs als fächerübergreifendes Prinzip werben, uns dafür einsetzen, dass Lehrpläne, Studiengänge, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen darauf ausgerichtet werden und dass abgestimmte Lernmaterialien weiterentwickelt werden.
Der Frankfurter Öffentlichkeit steht eine Vielzahl an Bildungs- und Kultureinrichtungen zur Verfügung. Viele von ihnen sind öffentlich finanziert oder subventioniert. Auch das Schul- und Ausbildungssystem ist stark differenziert und erscheint vielen unübersichtlich. Im Rahmen der Umsetzung von ›Lernen vor Ort‹ wird der Aufbau und die nachhaltige Verankerung eines kooperativen Steuerungsmodells in Frankfurt entwickelt. Ziel ist es, die vorhandenen Steuerungsmöglichkeiten zu einer bedarfsgerechten und abgestimmten Angebotsstruktur für eine wachsende Bildungsbeteiligung weiter zu entwickeln. Insbesondere die oftmals kritischen Übergänge zwischen Bildungseinrichtungen sowie die Übertragbarkeit er folgreicher Modellvorhaben in die Fläche ist zu untersuchen. Dabei ist auch zu klären, inwiefern Bildungs- und Beratungsstätten und die Unterstützung von Netzwerken tatsächlich Inklusion fördern, alle erreichen und auf das gesellschaftliche und berufliche Leben vorbereiten. Ein wichtiges Ziel im Rahmen der ämterübergreifenden Zusammenarbeit ist es, dass ein Aufstieg durch Bildung nicht nur in Einzelfällen geschieht, sondern dass jede Begabung angemessen strukturell gefördert wird.
Für einen erfolgreichen Weg im Bildungssystem sind von allen Lernenden besondere Adaptionsleistungen erforderlich. Lernende, in de ren sozialem Umfeld es wenig Bildungser fahrung gibt, haben besondere Anstrengungen zu erbringen und müssen sich oft besonders beweisen. Eine angemessene Förderung für einzelne besondere Zielgruppen und die Gruppe der sog. ›Seiteneinsteiger‹ kann schwierige Zugänge zum Bildungssystem erleichtern und dafür sorgen, dass Bildungswege bekannt sind. Ziel aller Maßnahmen ist die erfolgreiche Heranführung der Teilnehmenden an den Regelunterricht. In der Frühförderung ist insbesondere der gemeinsame Kindergarten besuch oder die gemeinsame Erziehung in Nachbarschafts zentren und Eltern-Kind-Gruppen weiter zu unterstützen. Informations- und Vorbildkampagnen, die zugleich über Zugangsmöglichkeiten informieren, sollen weiter ausgebaut werden. Die Stadt Frankfurt bekennt sich zu der humanitären Verpflichtung, auch Flüchtlingen und Kindern von Eltern ohne offiziellen Aufenthaltsstatus die Teilnahme am Regelschulunterricht zu ermöglichen, über die von der Landesregierung entschieden wird.
Eltern sind die wichtigsten Kooperationspartner des Bildungssystems. Ihnen sind notwendige Hilfestellungen zu geben und, wo erforderlich, ihre Motivation und Kooperationsbereitschaft zu fördern. Durch geeignete Netzwerkarbeit vieler Beteiligter ist dafür zu sorgen, dass eine möglicherweise geringere eigene Bildungserfahrung und der soziale Status einer Familie nicht die Bildungsentwicklung eines Kindes dominieren. Eltern sind dabei in ihren Fähigkeiten und Rechten ernst zu nehmen. Dazu gehört nicht nur, ihnen eine gute Kenntnis der Leistungsanforderungen von Schulen und der Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben, zu vermitteln, sie über Karrierewege in Schule und Arbeitsmarkt zu informieren, sondern ihnen darüber hinaus auch die Möglichkeit zu geben, eigene Erwartungen und Ansprüche zu formulieren. Wir wollen daher dazu beitragen, die Abstimmung und Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Erziehungsberechtigten zu verstärken. Durch integrative Maßnahmen ist die aktive Partizipation in Elternbeiräten und bei Aktivitäten im Umfeld des Unterrichts zu erleichtern. Beratungsstellen für Lernphasen und Lebenssituationen werden besonders dann angenommen, wenn sie in den Stadtteilen leicht erreichbar sind, unabhängigen Rat geben können und im Umgang mit Diversität professionell geschult sind. Für einen gelingenden Start ins Leben können solche Koordinationsstellen zugleich die existierenden Präventionsketten von frühen Hilfen, Schulverbänden und Familienzentren unterstützen.
Bildung ist nicht abstrakt, sondern soll auf das Leben und unsere Gesellschaft vorberei ten. Bildung soll Spaß machen und als sinnhaft erfahren werden. Bildungserfolge sind daher auch vom Umfeld der Lernsitua tion abhängig. Es soll geprüft werden, wie einzelne Bildungsstätten zu Stadtteilzentren ausgebaut werden können, z. B. durch die Einrichtung und Förderung von Elterncafés und Elterntreffs, durch Kooperationen im Stadtteil und über die Vernetzung mit Projekten und der interkulturellen Arbeit der Stadtteilbibliotheken. Damit kann auch ein Beitrag zum Ausbau von Ganztagsangeboten geleistet werden. Zur bestmöglichen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten, sozialen oder persönlichen Problemen sind die Fachkenntnisse und die Arbeit von Unterrichtenden, Schulsozialarbeit, Therapeuten und Familienarbeit zu vernetzen.
Unsere Bildungsstätten sind in der Erfüllung ihres Auftrags den gesellschaftlichen Veränderungen besonders ausgesetzt und sehen sich bisweilen in einem täglichen Krisenma nagement, das neue Kompetenzen und Strukturen erfordert, um Vorurteilsfreiheit zu fördern und eine Lernsituation zu schaffen, die unterschiedliche Lernende gleichermaßen berücksichtigt, fordert und ihnen Anerkennung zollt. Es kann wichtig sein, hohe Feiertage oder Gedenktage verschiedener Gruppen in der Ausgestaltung des Schulalltags und bei Prüfungsterminen angemessen zu berücksichtigen. Es ist Ziel der Frankfurter Stadtpolitik, darauf hinzuwirken, dass Pädagoginnen und Pädagogen auf unterschiedlichere Gruppen, Erwartungshaltungen und Sprachkenntnisse und auf soziale Unterschiede besser vorbereitet werden und selbst geeignete Unterstützung erfahren. Dies kann in Kooperation mit wohnortnahen niedrigschwelligen Beratungsstellen dazu beitragen, Bildungsabbrüche zu vermeiden.
In begleitenden Maßnahmen verschiedener Fachverwaltungen wollen wir die Schulen darin unterstützen, dass von allen Schülerin nen und Schülern nicht zuletzt die in unserer Gesellschaft geltenden Regeln des Sozialverhaltens erfahren werden. Anzeichen von Ressentiments bzw. Rassismus muss entschieden entgegengetreten werden. Die Stadt Frankfurt wird entsprechenden Hinweisen und ihrer Entstehung aktiv nachgehen. Unsere Frankfurter Bildungseinrichtungen sollen dabei nicht zuletzt vermitteln, wie durch individuelles Handeln und durch die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen Integration und ein gutes Zu sammenleben gefördert werden können. Die Stadt Frankfurt wird lehrplanbegleitende Projekte fördern, in denen die Vielfalt, die Traditionen und die Gemeinsamkeit der Frankfurter Stadtbevölkerung vermittelt werden. Schulaustausch und Klassenfahrten, z. B. in unsere Partnerstädte und in die Herkunftsländer der Lernenden, können dazu beitragen, die tatsächlichen Lebensverhältnisse dort näher kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und privaten Partnern ist auch die Kooperation verschiedener Schulen, z. B. allgemeinbildender und beruflicher Schulen, weiter anzuregen und zu fördern.
Unsere Bildungsstätten sollen auf das Zusammenleben in einer vielfältigen Stadtgesell schaft vorbereiten. Dem steht bisweilen nicht nur die faktische sozialräumliche Trennung einiger Bevölkerungsgruppen entgegen, sondern auch eine Aufteilung auf Schulen und Schultypen. In leicht erreichbaren Beratungsstellen und in aufsuchender Familienarbeit sollen Eltern angesprochen und über die Vorteile einer wohnortnahen Einschulung für das Zusammenleben im Stadtteil informiert werden. Eine ausgeglichene Verteilung von Schülerinnen und Schülern deutscher Muttersprache auf einzelne Schulklassen bleibt auch in Zukunft eine politisch wichtige Frage. Die Bedeutung einer gemeinsamen Teilnahme an Klassenfahrten und besonderen Unterrichtsfächern, wie z. B. Sport oder Sexualkunde, ist den Erziehungsberechtigten gegenüber besonders herauszustellen. Durch Information, abgestimmte Maßnahmen und mit der Hilfe von Multiplikatoren wollen wir im Bereich der Frühförderung das Miteinander in gemischten Eltern-und-Kind-Gruppen fördern und Eltern, die ihre Kinder lieber bei sich erziehen, dazu ermutigen, den Übergang in die Schule durch einen Kindergartenbesuch zu erleichtern. Auch in der Erwachsenenbildung sollte bei Bedarf sichergestellt sein, dass sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen gleichermaßen beteiligen können. In den Schulferien und in Kooperation mit den öffentlichen Kultureinrichtungen sollten vermehrt gemeinsame Angebote entwickelt und durchführt werden. Die Stadt Frankfurt möchte in allen städtischen Bildungseinrichtungen vermehrt Lehrende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kontakten zu verschiedenen Bevölkerungsgruppen beschäftigen.
Übergangsbereiche zwischen Bildungseinrichtungen sowie zwischen Schule und Beruf sind in Frankfurt unterschiedlich ausgebaut, organisiert und koordiniert. Übergreifendes Ziel der Arbeit aller beteiligten Fachverwaltungen und Partner soll es sein, durch Bera tungsleistungen und durch die Vernetzung der betreffenden Institutionen dazu beizutragen, Übergänge im Bildungssystem – z. B. zwischen Kindergarten und Grundschule, Schule und Berufsausbildung sowie zwischen verschiedenen Schulformen – zu erleichtern. Aus einer hohen Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten können viele innovative und praktische Ansätze entstehen. Während bei Kindern zunächst die Eltern wichtige Ansprechpartner und Entscheidungsträger sind, beeinflussen später auch ihr Umfeld und gleichaltrige Freunde die Wahl für eine bestimmte Schule oder Ausbildung. Die Stadt Frankfurt wird auch an dieser Stelle städtische Hilfen und Betreuungsangebote durch verstärkte Zusammenarbeit effizienter gestalten, um durch die richtige Schul- und Berufswahl nicht nur eine gut verlaufende Bildungskarriere zu erleichtern, sondern auch eine Stärkung des Selbstwertgefühls und der Identitätsbildung zu unterstützen. In Kooperation mit Wirtschaftsverbänden und Arbeitgebern wollen wir auf eine bessere Verwertung von Schulabschlüssen hinarbeiten: ›Warteschleifen‹, die auch als ›Sackgassen‹ empfunden werden können, tragen zu Bildungs- und Ausbildungsabbrüchen bei.
Die Stadt Frankfurt wird die vielfa chen städtischen Angebote zur Erwachsenenbildung – ob in der Volkshochschule, in Kulturinstitutionen, Vortragsreihen oder Veranstaltungen vieler städtischer Einrichtun gen – weiter vernetzen, bei unterschiedlichen Gruppen noch weiter bekannt machen und sie auf die reale Vielfalt der Bevölkerung ausrichten. Bei den vielen Stellen, die solche Programme anbieten, ist beratend darauf hinzuwirken, verstärkt integrative Programme zu entwickeln und anzubieten, sowohl für die Vermittlung von Kenntnissen gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse, die unsere Stadt prägen, als auch zum Sprach erwerb in Kompetenzstufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Durch gemeinsame Anstrengung wollen wir mit Blick auf die reale Heterogenität der Frankfurter Bevölke rung die existierenden Angebote zur nach holenden Bildung, insbesondere von Schulabschlüssen, intensivieren. Abstimmung mit anderen Akteuren. Eine umfassende und erfolgreiche Bildung können wir als Stadt nicht allein sicherstellen. Wir sind z. B. in der Entwicklung geeigneter Lehrpläne, die auf die Situation in einer vielfältigen Gesellschaft Bezug nehmen, auf die Bildungspolitik des Landes angewiesen. Dies gilt auch für Veränderungen in der Lehrerausbildung und -fortbildung, die vermehrt auf Diversität und Inklusion vorbereiten sollte. Auch die Erhöhung des Anteils von Lehrerinnen und Lehrern aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ist Landesangelegenheit, ebenso die Einrichtung von Ganztagsschulen, die Schulzulassung besonderer Gruppen (wie z. B. von Kindern ohne Auf enthaltsstatus), die stärkere Förderung der Eigenverantwortlichkeit von Schulen, die Erhebung und Publikation von Schulstatistiken sowie die Einführung neuer Fächer – wie z. B. eines konfessionsgebundenen Religionsunterrichts weiterer Glaubensrichtungen. Gleiches gilt für die Zulassung geeigneter Schulbücher und Lehrmittel. Die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt sowie bestehende Netzwerke wollen wir in dezernatsübergreifender Abstimmung weiter intensivieren, Koordinationsprojekte zusammenführen und verstetigen und Kooperationen mit Stiftungen systematisieren und verstärken. In der politischen Bildung streben wir eine stärkere Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, mit Stiftungen und Vereinen an. Die Frankfurter Hochschulen sind für uns wichtige Partner in der Ansprache und Integration ausländischer Studierender und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie als Orte praktizierten Diversitätsmanagements in Organisation, Forschung und Wissensvermittlung.
Übergeordnetes Ziel aller beteiligten Fachverwaltungen ist es, durch ergänzende Maß nahmen die Ausbildungsfähigkeit (bzw. die Studienreife) aller Absolventinnen und Absolventen in Frankfurt sicherzustellen. Wir wollen durch Netzwerkarbeit und mit besonderen städtischen Projekten die Kooperation von Schulen mit externen Partnern aus der Berufswelt in unserer Stadt flächendeckend unterstützen, zentral koordinieren und dabei insbesondere zielgruppenbezogene, integrationspolitische Aspekte berücksichtigen. Eltern, Lehrende und Lernende sollen für Stärken und Interessen sensibilisiert, eine passende Berufsberatung soll sichergestellt und eine erfolgreiche Vermittlung durch direkte Kontakte erleichtert werden, um ein Verweilen in Übergangssystemen zu verhindern. Auf diese Weise kann zugleich ein Beitrag zur arbeitsweltbezogenen und sachübergreifenden Gestaltung von Bildungsgängen geleistet werden. Alle Ämter können dabei helfen, den Berufswahlhorizont unserer Frankfurter Schülerinnen und Schüler zu weiten und durch die Unterstützung von Übergängen in eine flexible Berufsausbildung Ausbildungsabbrüche zu vermindern. Auch erfolgreiche Kampagnen und Begegnungen mit erreichbaren Vorbildern können wichtige Beiträge leisten.
Der Übergang in einen Beruf ist für viele Jugendliche ein großer Schritt, der sie zugleich aus ihrem vertrauten Umfeld heraus führt. Wir wollen Auszubildende, die sich ihres Erfolgs unsicher sind, in Kooperation mit ihren ›Communities‹ und mit Arbeitgebern durch Mentorenprogramme stärken und zugleich ihre Eltern, die Familie und den Freundeskreis einbeziehen. Für unsere Arbeit wie auch bei Kooperationen in Projekten bieten die hessenweiten Qualitätsstandards zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit (OloV) eine einheitliche Grundlage. Durch vernetzte Maßnahmen kann am ehesten Perspektivlosigkeit überwunden und Auszubildenden geholfen werden, eine selbständige und sichere Persönlichkeit, Teamfähigkeit, Leistungs- und Lernbereitschaft sowie Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Auch die Stadt ist ein Arbeitgeber, der selbst vorbildlich handeln und beim Abschluss von Ausbildungsverträgen auch berücksichtigen sollte, benachteiligten Gruppen eine Chance zu geben.
Das Berufsleben unterliegt starkem Wandel, zumal in unserer Stadt: Frankfurt ist durch viele internationale und im Ausland aktive Unternehmen sowie durch Auslandsvertretun gen, diverse ›business communities‹ mit aller Welt verbunden und auch innerhalb der Stadtbevölkerung von einer Vielfalt an Erwartungshaltungen, Geschäftsideen und Kundenwünschen geprägt. Wir wollen diese Vielzahl von Möglichkeiten, gerade in Frankfurt eigene Qualifikationen und Erfahrungen zu nutzen, stärker kommunizieren und dies zu gleich als Aufforderung, dass sich Weiterbildung lohnt, verwenden. Wir wollen uns in Kooperation mit Arbeitgebern und Vereinen bemühen, Weiterbildungsmaßnahmen in unserer Stadt zu erfassen und auf eine Weise zu bewerben, die unterschiedliche Zielgruppen erreicht. Eine wichtige Rolle spielt der modulare Ausbau der stadtweiten Angebote für berufsbezogenes Deutsch für alle Altersstufen. Auf dem Arbeitsmarkt benachteiligte Gruppen verdienen in allen Maßnahmen besondere Förderung. Wir wollen auch dazu beitragen, den Übergang zwischen den Integrationskursen und den auf ihnen aufbauenden Fördermaßnahmen der Arbeitsagenturen zu strukturieren und zu erleichtern.
Unsere Frankfurter Unternehmen leisten nicht nur durch ihre internationalen Kontakte, sondern auch durch zahlreiche betriebsinterne Antidiskriminierungsmaßnahmen, durch Teilzeitmodelle und durch eine Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie durch Projekte im Bereich der sog. ›Corporate Social Responsability‹ wichtige Beiträge zur Integration in un serer Stadt und zu ihrer erfolgreichen betrieblichen Weiterentwicklung. Diese Arbeit ist als Vorbild und Anregung öffentlich zu würdigen. Zugleich gilt es, in Kooperationen weiter zu einer interkulturellen Öffnung der rele vanten Arbeitsmarktakteure und der Personalverantwortlichen beizutragen. Dazu gehört z. B. eine Sensibilisierung in Personalabteilungen, in Arbeitsvermittlung und in Ausund Weiterbildung für die Bedeutung, aber auch die besondere Lernsituation eines Unterrichts in der Zweitsprache Deutsch. Spracherwerb braucht Zeit. Wir wollen daher außerdem eine verstärkte Nutzung von Mehrsprachigkeit und Fremdsprachigkeit im Berufsleben dort anregen, wo dies möglich und sinnvoll ist, z. B. in einigen Bereichen von Erziehung und Pflege.
Wir wollen Aner kennungsverfahren für im Ausland erworbene Abschlüsse bei Zuwanderinnen und Zuwanderern, bei Verbänden, Ämtern, Beratungsstellen und Migrantenorganisationen bekannter machen. Verfahren zur Anerkennung sind oft kompliziert und werden zunehmend durch europäische Regelungen bestimmt. In unserer Stadt können aber auch in Zusammenarbeit mit den relevanten Institutionen Alternativen zu einer förmlichen Anerkennung geschaffen werden, z. B. in Netzwerken für die informelle Anerkennung, zur schnellen Rücksprache in Einzelfällen sowie zum Aufbau verlässlicher Kompetenzprofile. Solche Möglichkeiten sind für einzelne Branchen differenziert zu überprüfen.
Viele Menschen – und zumal Migrantinnen und Migranten – gründen eigene Betriebe, aus unternehmerischem Geschick ebenso wie aus einem Mangel an anderen Möglichkeiten, z. B. aufgrund einer fehlenden Anerkennung ihrer Qualifikation. Daher arbeiten gerade viele Migrantinnen und Migranten in zulassungsfreien Berufen wie z. B. im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in Reisedienstleistungen. Wir wollen die erfolgreiche städtische Existenzgründungsberatung und -begleitung weiter ausbauen und weiterhin auf unterschiedliche Zielgruppen ausrichten. Dazu gehören auch Angehörige der Frankfurter Hochschulen, zumal ausländische Studierende und Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler, die wir zum Bleiben bewegen wollen. Durch das Ausscheiden erfolgreicher Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber aus dem Berufsleben wird es in den nächsten Jahrzehnten zu immer mehr Betriebsübernahmen kommen, auf die wir geeigneten Nachwuchs vorbereiten müssen, der immer mehr eine andere Lebenserfahrung und ggf. auch persönliche Migrationsgeschichte haben wird.
Wege in die Selbständigkeit können Wege zum dauerhaften Erfolg sein. Es liegt in unserem städtischen Interesse, dass Betriebe wachsen, Unternehmen sich weiterentwickeln, und dass bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht in sog. 'Branchen-Ghettos' verharren. Die Betriebsentwicklung soll auch weiterhin durch eine gruppengenaue und aufsuchende Beratung und Netzwerkwerkarbeit unterstützt werden. Wir wollen nicht zuletzt Zugänge zu den vorhandenen Förderangeboten, Finanzdienstleistern und Beratungsprojekten vermitteln und Netzwerke und Informationsplattformen zum Austausch aufbauen. Dazu kann es hilfreich sein, in Kooperation mit Verbänden und den jeweiligen 'Communities' etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer als 'Brückenbauer' zu gewinnen. Als Ansporn, aber auch als ein Beitrag für ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl kann es sinnvoll sein, die Leistungen bestimmter Gruppen, ihre Branchen und Erfolge zu untersuchen und öffentlich positiv zu vermitteln.
Frankfurt soll nicht nur ein wichtiger Ort der Reflexion über Internationalität und Diversität sein, sondern ebenso ein Ort für die künstlerische Gestaltung von Entwicklungen in modernen, weltoffenen Gesellschaften. Unsere vielfach vernetzte, globalisierte Welt stellt neue Anforderungen an unseren Umgang mit Kunst und Kultur, an unsere Kenntnisse von Traditionen und unser Verständnis von Hochkultur. Für die Stadt Frankfurt stellt sich die Aufgabe, die reale Vielfalt der Frankfurter Bevölkerung und Künstlerinnen und Künstler zu einer wichtigen Grundlage von Förderungen und Maßnahmen zu machen. Auch die städtisch geförderte Kulturpädagogik hat in diesem Sinn neue Angebote zu prüfen. Wir möchten nicht nur den Zugang aller Bevölkerungskreise zu einer offen verstandenen Kunst und Kultur ermöglichen, sondern auch Künstlerinnen, Künstler und Kultureinrichtungen auffordern und es ihnen erleichtern, sich mit den Veränderungen unserer Stadtgesellschaft auf kreative Weise auseinanderzusetzen.
Frankfurt ist ein Ort wichtiger Pflege deutscher und europäischer Kultur Das kulturelle Leben der Stadt ist seit Jahren darüber hinaus ein wesentlicher Ausdruck und Motor der gelebten Frankfurter Vielfalt. Museen, Theater, Tanztheater und Oper, Konzertreihen, Angebote des Literaturhauses und Frankfurter Verlage sowie mehrerer Programmkinos, aber auch Jazzkonzerte, Popmusik sowie eine Vielzahl kleiner kultureller Initiativen und Clubs sind Ausdruck des lebendigen Frankfurter Kulturlebens. Sie bringen Menschen zusammen und bieten verschiedenen Gruppen nicht zuletzt auch Gelegenheit zur Identifikation mit ‘ihrem Frankfurt’. Die Stadt Frankfurt nutzt künftig noch stärker kulturelle Angebote aller Richtungen und Sparten als Katalysator des Dialogs, der Begegnung und Teilhabe. Unsere hochsubventionierten Institutionen sind dauerhaft darauf angewiesen und müssen dafür sorgen, dass sie unterschiedlicheren Bevölkerungsgruppen geeignete Anknüpfungspunkte bieten. Eine Möglichkeit ist es, die internationalen Bezüge deutscher und europäischer Kultur zu vermitteln, sowie unsere Kulturinstitutionen als Räume internationaler und höchst unterschiedlicher menschlicher Erfahrungen zu begreifen, die sie in ihren Sammlungen, Spielplänen und Projekten de facto sind. Eine Kunst im öffentlichen Raum und eine Gestaltung oder Benennung von Plätzen, die Bezüge zur Vielfalt unserer Bevölkerung herstellen, können zusätzlich identifikationsstiftend und gemeinschaftsfördernd wirken.
Eine wichtige Grundlage wäre geeignetes Datenmaterial zur tatsächlichen kulturellen Beteiligung verschiedener Gruppen und der besonderen Rolle der öffentlich geförderten Kunsteinrichtungen. Städtische Kultureinrichtungen sollten verstärkt auf eine Nutzung ihrer Angebote durch vielfältige gesellschaftliche Gruppen achten. Dabei können auch veränderte inhaltliche Angebote und eine größere Vielfalt von Mitwirkenden eine produktive Wirkung entfalten. Wir wollen dazu beitragen, eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen und anderen sozialen Gemeinschaften zu etablieren und solche Aspekte bei der öffentlichen Förderung von Kunst und Kultur selbst berücksichtigen. Künstlerisch aktive Bürgerinnen und Bürger aller Bevölkerungsgruppen wollen wir in ihren Produktionsbedingungen und besonders in ihrer Zusammenarbeit unterstützen und ihnen gemeinsame kreative Räume zur Verfügung stellen.
Die Kulturarbeit und künstlerische Bildung verdient Förderung als eine Beschäftigung mit dem eigenen sozialen Umfeld, mit sich wandelnden Identitäten und als Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung und Teilhabe: Entsprechende Projekte sollen nicht zuletzt ein gemeinsames Erleben fördern, das auch Familien und Bekannte einbezieht. Die künstlerische und kulturelle Bildung für Kinder verdient besondere Unterstützung. Wir wollen dabei den Einsatz neuer Medien und die Beschäftigung mit den vielen Traditionen und Erfahrungen in unserer Stadt fördern. Wir wollen Kurse und Abendschulen der Kunsthochschulen und Kultureinrichtungen fördern, insbesondere dann, wenn sie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen und zusammenbringen. Abstimmung mit anderen Akteuren. Auch in Kooperationen mit den Frankfurter Kunsthochschulen und Kulturzentren sowie mit Sponsoren und Veranstaltungsagenturen sollte auf die Ziele dieses Konzepts hingewirkt werden. In Kooperation mit Vermietern wollen wir Räume und Zwischennutzungen für künstlerische Aktivitäten finden. Es ist wichtig, unseren öffentlichen Raum verstärkt als gemeinsamen und gemeinsam gestalteten Raum wahrzunehmen und zu nutzen. In Kooperation mit der Bildungspolitik des Landes wollen wir uns dafür einsetzen, die Kunstgeschichte verschiedener Regionen, die Veränderung und wechselseitige Beeinflussung von Kulturen sowie neue und avantgardistische Entwicklungen stärker in den Lehrplänen sowie in der Lehrerausbildung zu verankern.
In Frankfurt gibt es – wie in allen Ballungsräumen – eine große Spannbreite unterschiedlicher Lebenslagen und auch Armutsrisiken. Soziale und kulturelle Ausgrenzung, fehlende Bildungschancen und eine von anderen wahrgenommene 'Unzugänglichkeit' oder gar 'Verwahrlosung' hängen oft mit der ökonomischen Situation zusammen. Es gilt in allen Fachbereichen durch Maßnahmen, die auf einer differenzierten Analyse der realen Vielfalt beruhen, der Armutsgefährdung und der Benachteiligung entgegenzuwirken, von denen Migrantinnen und Migranten häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt betroffen sind. Ein besonderes Augenmerk soll dabei Anzeichen von Kinderarmut gelten.
Trotz formaler Gleichberechtigung, sind Frauen in vielen Bereichen benachteiligt und im öffentlichen Leben unterrepräsentiert. Bei gleicher Qualifikation sehen sich Frauen wiederholt gefordert, sich besonders beweisen zu müssen und tragen oft zusätzliche familiäre Lasten in Erziehung und Pflege. Dazu lasten auf ihnen nicht selten besondere und divergierende Rollenerwartungen. Besonders Migrantinnen, aber auch Frauen in binationalen Partnerschaften sind davon betroffen. Auch ausländische Frauen deutscher Männer treffen mitunter auf besondere Schwierigkeiten. Migrantinnen und ausländische Frauen verharren häufiger in einem eingeschränkten Lebensradius und in minderer Beschäftigung. Wir wollen selbstbestimmte Lebensentwürfe für beide Geschlechter sicherstellen, Benachteiligung oder gar Gewalt entschieden entgegenwirken und Angebote zum Umgang mit Rollenproblematiken weiterentwickeln. Auch jungen Männern, die häufiger mit Vorurteilen und nachteiligen Medienbildern, beruflicher Perspektivlosigkeit und persönlichen Demütigungserfahrungen zu kämpfen haben, wollen wir besondere Unterstützung zukommen lassen. Zwang in Partnerwahl und Partnerschaft, körperlicher und psychischer Gewalt muss vorgebeugt und entschieden entgegengewirkt werden.
In Frankfurt sind viele früher einmal Zugezogene alt geworden. Es ist ein Ausdruck von Integrationsprozessen, dass sie sich entschieden haben, hier zu bleiben. Vielen von ihnen haben wir in komplizierten und oft mehrere Länder berührenden Rentenfragen durch weitere Beratungsangebote zu helfen. Durch ein Gesellschaftsklima, das individuellen Lebensentwürfen größere Freiräume zumisst, wächst auch in den älteren Generationen eine offener gelebte Unterschiedlichkeit. Wir wollen als Stadt zu einer Versorgung und Pflege beitragen, die kultursensibel unterschiedliche Lebenswege und Situationen berücksichtigt. Dies betrifft neben der häuslichen, ambulanten und stationären Pflege auch die Unterstützung von Gruppen und Senioren-Netzwerken, die wir für Menschen mit einer Migrationsgeschichte weiter öffnen wollen. Für Menschen, die altersbedingt nur noch geringe Chancen haben, die deutsche Sprache gut zu erlernen, müssen auch Treffen in Herkunftssprachen als Integrationschance erkannt und genutzt werden. Auch die oft große Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement erfahrener Seniorinnen und Senioren kann eine wichtige Unterstützung sein. Dafür wollen wir gezielt Ideen vorstellen und bewerben, die integrationsfördernd wirken können.
Wir wollen in Frankfurt einen umfassenden Begriff von Familie verwenden. Ehe, unterschiedliche Formen von Partnerschaft und das Zusammenleben von Erziehungsberechtigten mit Kindern sind der Kern jeder Gesellschaft und stehen wie die Privatsphäre unter besonderem Schutz. Alle Formen häuslicher, familiärer oder erzieherischer Nötigung sind jedoch keine Privatangelegenheit und werden entsprechend verfolgt. In der jungen Generation wird die Zukunft unserer Stadt sichtbar, die vielfältiger sein wird, mit mehr sprachlichen Kompetenzen, Erfahrungshorizonten und Zugehörigkeitsgefühlen. Die Erziehung von Kindern verdient unsere bevorzugte Unterstützung. Die Förderung von Familienzentren, Kinderbüros und ehrenamtlichen Netzwerken sollte zugleich dazu beitragen, sie für unterschiedliche Bedürfnisse zu öffnen. Alleinerziehenden und Eltern, die sich mit der Erziehung überfordert fühlen, wollen wir in der Kinderbetreuung und durch eine aufsuchende Familienarbeit besondere und respektvolle Hilfestellungen geben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexiblere Arbeitsmodelle, durch ausreichende und geeignete Angebote an Krippen- und Tagespflegeplätzen sowie Ganztagsschulen, Nachmittags- und Ferienangeboten ist auch integrationspolitisch relevant. Unser Ziel, als familienfreundliche Kommune internationalen und mehrsprachigen Familien ausreichende Angebote zur Verfügung zu stellen, und ihnen mit großer Offenheit zu begegnen, ist nicht zuletzt ein bedeutsamer Standortfaktor. Wir wollen Flächen und Plätze unserer Stadt als offene, interkulturelle und informelle Treffpunkte für Familienaktivitäten gestalten. In der Frühförderung sind nicht nur Hebammen, Kinderärzte und Tagesmütter wichtige Multiplikatoren. Es gilt ebenso, die Zusammenarbeit mit Landes- und Bundesbehörden sowie mit der Jugend-, Familien- und Sozialgerichtsbarkeit zu intensivieren, um rechtliche Hürden und die vielfältigen Bedürfnisse von Familien in unserer Stadt stärker zu berücksichtigen.
Viele Jugendliche schauen mit einem skeptischen Blick auf die Gesellschaft und ihre eigene Zukunft. Jugendliche aus sozial schlechter gestellten Familien und Jugendliche mit einer Migrationsgeschichte haben mit erhöhten Belastungen zu kämpfen. Wir wollen wohnortnah Jugendhilfeeinrichtungen fördern und vernetzen, auch mit Bildungseinrichtungen, Stadtteilinitiativen und Arbeitgebern. Neben der professionellen Sozialarbeit gilt es, Programme und Netzwerke mit Mentoren im sozialen Umfeld aufzubauen. Dabei sollten attraktive Freizeitaktivitäten und stadtteilübergreifende Kooperationsprojekte mit klaren erzieherischen Zielen strukturiert werden, welche die Erziehungsberechtigten einbeziehen und in ihrer Kompetenz stärken. Die vielen Angebote für unterschiedliche Jugendliche wollen wir regelmäßig sammeln und in geeigneter Form veröffentlichen und bewerben. Dazu gehört auch die Möglichkeit eines freiwilligen sozialen Jahrs, das wir mit Maßnahmen zur Integrationsförderung bewerben und fördern wollen. Private Sicherheitsdienste und Veranstalter sind Situationen zu sensibilisieren, die viele Jugendlichen in ihrer Freizeitgestaltung als diskriminierend empfinden.
Aggression und Gewalt sind inakzeptabel, auch nicht mit kulturellem oder vermeintlich religiösen Gebräuchen zu verharmlosen und werden mit den Mitteln des Rechtsstaats verfolgt. In der Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürger für alle Fragen von Prävention und Mediation wollen wir gegenseitiges Vertrauen, eine gemeinsame Sicht der Dinge und die Bereitschaft, sich gemeinsam für geteilte Anliegen einzusetzen, fördern. Wir wollen dabei anerkennen, dass in demokratischen Gesellschaften Meinungsunterschiede offen angesprochen werden können und sollen. Wir wollen in allen Lebensbereichen und Handlungsfeldern auf der eindeutigen Grundlage unserer Rechtsordnung und politischen Kultur unterschiedliche Standpunkte deutlich benennen und klären. Opfer von Gewalt brauchen unsere Unterstützung. Es ist wichtig, die gesellschaftlichen Ursachen von Gewalt umfassend zu analysieren und präventiv zu handeln. Wir wollen gemeinsam die Fähigkeit fördern, Konflikte gewaltfrei zu lösen und mit Frustrationen konstruktiv umzugehen. Dabei ist das gesamte Umfeld in Erziehungsfragen, in Fragen der wirtschaftlichen und stadträumlichen Situation und in Erwartungen an die Schule und staatliche Instanzen anzusprechen und einzubeziehen.
Städte waren immer schon Zufluchtsorte. Frankfurt steht als Ort der Paulskirche für die erste Deklaration demokratischer Grundrechte in Deutschland. Wir wollen allen zu uns kommenden Flüchtlingen beistehen auf der Grundlage ihrer grundgesetzlich verankerten Rechte auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf Meinungsfreiheit, auf Vereinigung und Petition. In Abstimmung mit Landes- und Bundesbehörden wollen wir pragmatische Lösungen finden, um die Aufnahme- und Lebensbedingungen auch für Geduldete humanitär zu gestalten und ihnen neben Schutz auch angemessene Integrationsperspektiven zu bieten. Dazu gehört neben sozialen Integrationshilfen der Zugang zu Bildung und beruflichre Förderung mit dem Ziel eines selbstbestimmten Lebens ohne Abhängigkeit von Transferleistungen. Auch in Fragen einer möglichen Rückkehr sollen Menschen beraten und begleitet werden. Zahlreiche Geduldete leben seit vielen Jahren unter uns und sind mit ihren Angehörigen Teil von Nachbarschaften geworden. Wir wollen uns im Sinne eines guten Zusammenlebens für Härtefälle verwenden.
Es ist ein wichtiger staatlicher Grundsatz, sowohl durch Vermeidung von Regelungslücken wie durch die Vermeidung von zu restriktiven Regelungen zu verhindern, dass Ausländerinnen und Ausländer in die Illegalität abgedrängt werden. Es ist nicht weniger eine öffentliche Aufgabe, aus Illegalität entstehende soziale Probleme abzumildern und die Einhaltung der Menschenrechte zu sichern. Der Personenkreis der behördlich nicht erfassten Einwohnerinnen und Einwohner ist breit gefächert und umfasst alle sozialen Schichten und Staatsangehörigkeiten; Hochschulabsolventinnen wie auch Ungelernte zählen dazu, auch Unionsbürgerinnen und Unionsbürger können betroffen sein. Viele Menschen ohne offiziellen Aufenthaltsstatus leben und arbeiten in teilweise bedrohlichen Abhängigkeiten, aus denen sich die Betroffenen nur schwer lösen können. Wir wollen insbesondere einen Zugang zu sozialer, allgemein- und zahnmedizinischer Basisversorgung schaffen, eine angemessene Versorgung von werdenden und jungen Müttern sowie die notwendige ärztliche Behandlung von Kindern sicherstellen. In Abstimmung mit Landes- und Bundesbehörden wollen wir sinnvolle Lösungen in Fragen von Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis finden.
Neben Glück und persönlicher Veranlagung beeinflussen Lebensweg, Berufsausübung und sozialer Status den persönlichen Gesundheitszustand. Dass Migrantinnen und Migranten häufiger von Krankheit betroffen sind, ist auch ein Ausdruck ihrer Arbeitsleistung in minder angesehenen und entlohnten Beschäftigungen. Wir wollen Versorgungsmängeln in Gesundheitsversorgung, in der psychosozialen Versorgung und in der Drogenberatung weiter entgegenwirken, insbesondere solchen, die durch erschwerte Zugänge, fehlende Aufklärung und Information oder unzureichende Kommunikationsfähigkeit bei Diagnose und Behandlung entstehen. In Abstimmung mit Lands- und Bundesbehörden, Krankenkassen und Versicherungen wollen wir neben zielgruppengenauer Präventionsarbeit, gerade auch in Fragen einer ausgewogenen Ernährung, darauf hinwirken, eine kultursensible Versorgung in Krankenhäusern und Arztpraxen sicherzustellen, die auch mögliche kulturspezifische Krankheitsvorstellungen berücksichtigt. In unseren städtischen Einrichtungen gilt es, selbst vorbildliche Maßstäbe zu entwickeln und anzuwenden.
Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung sind unterschiedlich schwer von Behinderungen betroffen. Ihnen gilt es mit demZiel einer barrierefreien Stadt zu helfen. Die in Frankfurt rund 23.000 Betroffenen mit einem Migrationshintergrund sehen sich besonderen Schwierigkeiten gegenüber, oft auch durch ein ungenügendes Wissen um Möglichkeiten des deutschen Rechts- und Sozialsystems und daraus abzuleitende Unterstützungsformen. Wir wollen prüfen, welche Gruppen durch herkömmliche Angebote erreicht werden können und zielgruppenspezifische Maßnahmen verstärken. Wir wollen, wo immer möglich, mehr Zugänge zu Regelangeboten, integrative Freizeitangebote und integrativer Bildung schaffen. Dafür ist in der Öffentlichkeit und in einzelnen Gruppen das Verständnis für Belange von Behinderten und für die notwendigen Voraussetzungen einer gleichberechtigten Teilhabe und Begegnung zu erhöhen.
Frankfurt hat sich immer wieder als eine lesben- und schwulenfreundliche Stadt bekannt, in der Diskriminierung oder gar Gewalt gegen andere sexuelle Orientierungen nicht geduldet wird. Einstellungen zu Homosexualität sind häufig durch traditionelle Rollenbilder geprägt, die zum Teil religiös konnotiert und je nach Umfeld unterschiedlich ausgeprägt sind. Schwule Migranten und lesbische Migrantinnen empfinden in ihren Familien und in ihrem näheren Umfeld mitunter besondere Belastungen und sind in der allgemeinen Öffentlichkeit oft von Mehrfachstigmatisierungen und Isolierung betroffen. Wir wollen Einrichtungen, Beratungsstellen und Freizeitangebote für alle Generationen dieser Bevölkerungsgruppen unterstützen und darauf hinwirken, dass diese von schwulen Migranten und lesbischen Migrantinnen verstärkt wahrgenommen werden können. Wir wollen dazu beitragen, dass in Schulen, Vereinen, Nachbarschaftszentren und bei öffentlichen Anlässen Raum für die verständnisvolle Thematisierung dieser Lebenssituation und für eine sensible Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Umgangsweisen geschaffen wird. Unser Ziel ist die offene, integrative Teilhabe in allen Fragen des Lebens.
Rund die Hälfte der Frankfurter Haushalte sind Einpersonenhaushalte, etwa zwölf Prozent sind Paare mit Kindern. Das klassische Bild der 'Zwei-Kinder-Familie' wie auch das gängige Klischee einer Großfamilie von Migrantinnen und Migranten entsprechen nicht mehr der in Frankfurt typischen Realität. Dass sich nachfolgende Generationen aus gewohnten Zusammenhängen lösen, ist für sie selbst und ihr Umfeld bisweilen schwierig. Wir wollen dazu beitragen, dies als normalen Vorgang zu verstehen und sich verändernde Bedürfnisse unserer Einwohnerinnen und Einwohner berücksichtigen: In Städten prägen sich neue und unkonventionelle Formen des Zusammenlebens und gemeinschaftlichen Wohnens früher und besonders aus. Deswegen sind Städte attraktiv für kreative Milieus, um deren Innovationskraft und Leistungsfähigkeit Frankfurt mit anderen Standorten in Deutschland und international konkurriert. Besonders jüngere Generationen stellen neue Erwartungen an Berufswege und Lebensgestaltung, auf die wir uns einzustellen haben. Auch der wirtschaftliche Wandel befördert und erzwingt flexiblere und unterbrochene Erwerbsbiographien, die in der Stadtentwicklung, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu berücksichtigen sind. Durch neue Möglichkeiten der Kommunikationstechnik entwickeln sich auch virtuelle Netzwerke, die wir durch eigene Angebote unterstützen und als Umfeld wirklicher Begegnung nutzen wollen.
In Frankfurt gibt es keine 'ethnisch' geprägten Viertel. Wir wollen Parallelgesellschaften weiter entgegenwirken und Begegnung in der Nachbarschaft wie auch im Stadtganzen fördern. Das enge Zusammenleben in einer Stadt verändert Menschen, besonders in einem anderen Land oder mit zunächst fremden Nachbarn. Es entwickeln sich Mischformen, die zugleich den von vielen geschätzten kosmopolitischen 'Flair' einer Weltstadt ausmachen. Im Laufe der Zeit wird dabei für die Einzelnen ihre soziale Lage oft prägender als kulturell- ethnische Bezüge. Abstraktionen von 'Kultur' vernachlässigen reale Lebenskontexte. Wir wollen daher die vielfältigen sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen, von denen die Chancen der sozialstrukturellen Partizipation von Migrantinnen und Migranten abhängen, berücksichtigen und öffentlich vermitteln. Die innere Diversität und Spannung von Einwanderergruppen wollen wir auch im Umgangmit Organisationen und Vertreterinnen und Vertreter bedenken und unsere Kooperationspartner in der Stadt wie auch die Medien dafür sensibilisieren. Anerkannte nationale Minderheiten genießen nach dem Rahmenabkommen des Europarates und der geltenden Rechtslage besonderen Schutz.
Religionsgemeinschaften geben eine grundlegende Orientierung für Denken und Handeln, der viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt eine Sinnstiftung für ihre Weltsicht und ihr gesamtes Leben entnehmen. Neben Lebenshilfe für den einzelnen, – oft in schwierigen und ernsten Lebenssituationen – erfüllen sie auch eine wichtige soziale, stützende Funktion in ihren Gemeinschaften und in ihrem weiteren Umfeld, die wir anerkennen, aber auch einfordern und unterstützen wollen. Anerkannte Religionsgemeinschaften sowie als öffentliche- rechtliche Körperschaften anerkannte Religionsgemeinschaften genießen grundlegende Freiheiten in Ausübung ihres Bekenntnisses, die wir garantieren müssen. Das innere Leben von Religionsgemeinschaften ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Dem Staat obliegt nicht nur strafrechtliche Verfolgung, er kann nicht nur auf Regeln im öffentlichen Bereich bestehen. Auch in der religiösen Kindererziehung oder für die Schulbildung gelten klare gesetzliche Vorgaben. Von religiösen Seelsorgerinnen und Seelsorgern erwarten wir, dass sie ihre Gemeindemitglieder in ihrem Alltagsleben in unserer modernen, heterogenen Gesellschaft, die in der freien Entfaltung der Persönlichkeit ein hohes Gut erkennt, offen begleiten. Es muss einer persönlichen freien Entscheidung entspringen, die eigene Religionsausübung gegenüber eventuellen Nachteilen, z.B. in der Berufsausübung, abzuwägen. Im öffentlichen Miteinander fällt dann aber denjenigen, die aus freier religiöser Überzeugung ein sonst allgemein übliches Verhalten oder Miteinander nicht teilen wollen, eine besondere Aufgabe zu, Missverständnisse zu vermeiden und mit Andersdenkenden respektvoll umzugehen. Wir wollen als Stadt darauf hinwirken, dass die Gemeinden ihr andersgläubiges bzw. säkular geprägtes Umfeld respektieren und von sich aus offen auf ihre Nachbarn zugehen, gerade auch im Fall neu errichteter Sakral- und Versammlungsbauten. Die Stadt Frankfurt wird sich mit allen rechtlichen und politischen Mitteln dafür einsetzen, dass Gruppen aller Art keine weltanschaulichen Trennlinien zu unserer Gesellschaft aufbauen oder gegenüber ihren Mitgliedern betonen, sei es in der Erziehung und Ausbildung, im nachbarschaftlichen Miteinander oder in öffentlichen Verlautbarungen.
Die Verwaltung sollte Ansätze für den Umgang mit Unterschieden in Geschlecht, Alter, Herkunft und Überzeugung oder anderen individuellen Besonderheiten oder sprachlichen Fähigkeiten entwickeln. Es ist dabei gemeinsam sicherzustellen, dass die Fachämter und Betriebe in Maßnahmen, Förderungen und Kooperationen die faktische Vielfalt der Frankfurter Bevölkerung und ihrer Sichtweisen und Bedürfnisse möglichst so berücksichtigt wird, dass Angebote tatsächlich wahrgenommen werden können und dass Handlungsansätze – von Bildung und Kultur bis zu sozialen Dienstleistungen und Fragen von Wirtschaftsförderung und öffentlicher Sicherheit – im sozialen Umfeld und in der konkreten Situation tatsächlich greifen. In ämterübergreifender Kooperation soll die grundsätzliche Akzeptanz unterschiedlicher Perspektiven dazu genutzt werden, passgenau und effizient zu arbeiten sowie soziale und ethnische Segregation abzubauen, zu überwinden und zu verhindern. Wir wollen darüber hinaus an vielen Orten und in unterschiedlichen Zusammenhängen einen stadtweiten Prozess anstoßen, der nicht nur Institutionen, sondern auch nichtorganisierte einzelne Bürgerinnen und Bürger einbezieht sowie die Öffentlichkeit allgemein anspricht.
Die städtischen Fachämter und Betriebe sollen im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung die Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen in einer von Internationalität und Diversität geprägten Großstadt besonders berücksichtigen. Dazu gehört es, das eigene Bewusstsein für die Weltanschauungen, Lebensweisen und Kommunikationsstile verschiedener Menschen und Milieus zu schärfen und sicherzustellen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die vielfältigen Lebenserfahrungen unserer Bevölkerung aus eigener Begegnung und Erfahrung kennen. In ämterübergreifender Abstimmung sollten aufgrund der Ziele dieses Konzepts geeignete und angemessene Kriterien für die städtische Personalpolitik formuliert werden. Maßgebend bleiben Eignung, Befähigung und Leistung. Die Verwaltung sollte darüber hinaus verstärkt die Vorteile gemischter Teams und Arbeitsgruppen nutzen und im Rahmen der geltenden Gesetze und Richtlinien sich bemühen, den Anteil der städtischen Auszubildenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund oder anderen Lebenserfahrungen zu erhöhen. In der Verwaltungspraxis ist darauf zu achten, die je eigenen Fähigkeiten und Talente aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und aller Mitwirkenden zu identifizieren und wirksam werden zu lassen.