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Was ist Salafismus?

Ein Überblick über Geschichte und Gegewart des Salafismus

Jeder spricht über Salafismus - aber was ist das genau und wofür stehen Salafisten? Welches sind ihre historischen Vorbilder? Was haben Salafisten mit Jugendlichen zu tun, die nach Syrien oder den Irak gehen? Ein Blick in Geschichte und Gegenwart.

Was ist Salafismus?

(amka) Der Begriff „Salafismus“ stammt vom arabischen „Al-Salaf al-Salih“ und bedeutet „die frommen Altvorderen“. Damit sind die Begleiter Mohammeds, sowie die darauf folgenden Generationen gemeint. Nach Ansicht von Salafisten war die Zeit des Frühislams in Mekka und Medina zwischen dem 7. Und 8. Jhd. n.Chr. die einzig wahre Zeit des Islam. Sie möchten diese Epoche wieder lebendig werden lassen, indem sie versuchen, das Leben der Begleiter Mohammeds nachzuahmen. Dabei nehmen sie für sich in Anspruch, einerseits nach dem Wortlaut des Korans, andererseits wortegetreu nach den Überlieferungen über das Leben des Propheten (sunna) zu leben.

Von der Reformbewegung zum modernen Salafismus

Populär wurde der Begriff „Salafismus“ nicht erst vor einigen Jahren, sondern schon Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit erfasste der europäische Kolonialismus die islamische Welt. Dort wurden nach Antworten gesucht, weshalb man Macht gegenüber Europa verliere. Statt sich am europäischen Weg zu orientieren, waren einige islamische Intellektuelle der Ansicht, dass viele Muslime vom „wahren Glauben“ abgefallen seien. Eine neue Bewegung entstand: Diese Salafiyya setzte einerseits auf eine Rückkehr zum Koran und auf die Inspiration durch frühislamische Geistliche, andererseits aber auf die Kraft selbst zu denken, den Kampf gegen den europäischen Imperialismus und nicht zuletzt auf Bildung. Es handelte sich um eine Reformbewegung, die durch die Kraft des strengen Glaubens verkrustete Herrschaftsstrukturen aufbrechen wollte. Dafür wurde auch in Frauenbildung investiert. Diese ursprüngliche Bewegung spaltete sich in verschiedene Lager. Die eine Seite orientierte sich in Richtung Reformislam, die andere wurde immer radikaler. Zu dieser zweiten Gruppe gehören auch die Menschen, die man heute als Salafisten bezeichnet. Ihre Ideologie hat kaum noch etwas mit dem Reformanspruch ihrer historischen Vorgänger zu tun.

Salafistische Strömungen

Mittlerweile gibt es eine große Anzahl an verschiedenen Strömungen des Salafismus. Oft wird zwischen puristischem, politischem und djihadistischem Salafismus unterschieden, auch wenn es selten eine Reinform gibt.
Puristische Salafisten geht es in erster Linie darum, ihre Vorstellung eines gottgefälligen Lebens nach frühislamischem Vorbild leben zu können. Nach dem Vorbild Mohammeds ist es für sie deshalb besonders wichtig zu missionieren. Sie lehnen sie es ab, sich in die Politik einzumischen.
Anders stellt sich das bei politischen Salafisten dar, die genau dieses Ziel haben. Sie möchten auf Gesellschaft und Politik einwirken und haben letztlich das Ziel eines Staates vor Augen, der auf ihrer Lesart des Islam beruht. Deshalb fordern sie auch die Einführung ihrer Interpretation der Scharia. Politische Salafisten missionieren stärker als puristische Salafisten und wollen sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime von ihrer Sicht auf den Islam überzeugen.
Angehörige der kleinsten, gefährlichsten Gruppe der Salafisten werden oft als „jihadistische Salafisten“ bezeichnet. Sie verfolgen genau wie politische Salafisten die Idee eines Staates nach ihren Regeln. Für sie ist allerdings Gewalt ein legitimes Mittel zum Erreichen ihrer Ziele. Jihadistische Salafisten sehen sich als eine Elite innerhalb der islamischen Welt an, deren Aufgabe es in ihren Augen ist, die Welt vom Unglauben zu befreien. Die Terrororganisation Islamische Staat (IS), die derzeit in im Irak brutal gegen Andersgläubige vorgeht, wird als salafistisch-djihadistische Terrororganisation gesehen.

Wie gefährlich ist Salafismus?

Obwohl die wenigsten Salafisten den bewaffneten Kampf befürworten, wird Salafismus von vielen Wissenschaftlern als Ausgangspunkt für eine weitere Radikalisierung gesehen. Das liegt daran, dass die Ideologie der Salafisten die Welt in „Gläubige“ und „Ungläubige“ einteilt. Das bedeutet: Alle Menschen, die nicht mit ihrer Lesart des Islam konform gehen, gelten in ihren Augen als minderwertig. Diese Einteilung widerspricht sowohl demokratischen Werten als auch der Idee einer pluralistischen und freien Gesellschaft. Denn eines eint alle Salafisten: Sie streben einen Staat an, in dem ihr Verständnis des Korans über allem anderen steht.

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