Vortrag: Eigentumsrausch – Aufstieg des Autoritarismus aus Perspektiven der Gender Studies
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Ein Vortrag von Eva von Redecker im Rahmen der Colloquienreihe "Demokratie unter Beschuss: Der Aufstieg des Autoritarismus aus Perspektiven der Gender Studies" des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung.
Im 21. Jahrhundert erleben wir ein globales Aufleben faschistischer Tendenzen. Liberale Demokratien, vom Neoliberalismus zerrüttet und politisch polarisiert, kippen vielerorts in autoritäre Selbstverteidigung. Rechte Bewegungen affirmieren Zerstörung auf neuartige Weise, indem sie sich zentral auf "Freiheit" berufen.
Sie haben einen Politikstil perfektioniert, der auf die Verteidigung gegen phantasmatische Beraubung zielt. Tatsächliche materielle Verluste – seien sie durch Märkte, Austeritätspolitik oder Umweltkatastrophen verursacht – werden hingegen als “höhere Gewalt” naturalisiert. Von Geschlechternormen zu Agrardiesel, von ethnischer Homogenität zu Heizungssystemen rekonfiguriert rechte Politik soziale Fragen als Sphären individuellen Besitzanspruchs für privilegierte Gruppen.
Wo Feindbilder zu Angreifern dieser Sphären stilisiert und mit Elimination bedroht werden, geht rechtspopulistische in faschistische Mobilisierung über. Dabei bricht das Versprechen der Moderne in seine düstersten Bestandteile: In der Selbstverteidigung und Bejahung zerstörerischer Objektbeziehungen lässt sich für einen flüchtigen Moment die hyperbolische Freiheit des Eigentümers realisieren.
Den Faschismusbegriff solcherart an liberale und kapitalistische Dynamiken zurückzubinden, eröffnet indessen auch eine Emanzipationsaussicht. Die Verwirklichung voller ökologischer und sozialer Freiheit jenseits der Fiktion des Besitzindividualismus müsste die Perpetuierung von Phantombesitz stillstellen.